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25.05.2017

09:04 Uhr

Zypries in Washington

„Mehr Gemeinsamkeiten als Dinge, die uns trennen“

VonDana Heide

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat in Washington mit ihrem US-Amtskollegen eine engere Zusammenarbeit verabredet. Schon Ende Juni will Wilbur Ross zum Gegenbesuch nach Berlin kommen.

Die Bundeswirtschaftsministerin wirbt in Washington für eine enge Zusammenarbeit beider Länder. dpa

Brigitte Zypries in den USA

Die Bundeswirtschaftsministerin wirbt in Washington für eine enge Zusammenarbeit beider Länder.

WashingtonStahl, Stahl, Stahl – die ganze Wand gegenüber seinem Konferenzraum im Department of Commerce in Washington hat US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross mit Fotos von Stahlschmelzen, Stahlwalzen und Stahlarbeitern zuhängen lassen. Die zum größten Teil bereits vergilbten Bilder zeigen die Stahlproduktion der amerikanischen Firma Bethlehem Steel – eine Ikone der amerikanischen Stahlindustrie, die Ross einst kaufte, als sie Bankrott gegangen war. Jeder Besucher, der sich mit ihm und seinen Mitarbeitern trifft, muss an der Wand vorbei. Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), als sie am Mittwoch zum Gespräch mit Ross eintrifft, der Höhepunkt ihrer siebentägigen USA-Reise.

Der Handelsminister in der Regierung von US-Präsident Donald Trump hat es sich zur Aufgabe gemacht, der darbenden amerikanischen Stahlindustrie zu neuem Glanz zu verhelfen. Derzeit prüft er im Auftrag von Trump, ob billiger Stahl aus dem Ausland die nationale Sicherheit der USA gefährdet. Das könnte eine Grundlage für Handelsbarrieren sein, von denen die amerikanische Industrie profitieren, die ausländische Unternehmen, also auch deutsche Firmen, aber benachteiligen würden.

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Wegen diesen und weiteren protektionistischen Tendenzen der Trump-Administration war Zypries am Dienstag nach Washington gereist. Am Mittwoch war der dritte und wichtigste Tag ihrer großen Reise durch die USA. Kurz vor dem Termin mit Ross hatte sie sich mit dem neuen US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer getroffen, am Dienstag hatte sie lange mit Paul Ryan, dem Sprecher des Repräsentantenhauses, konferiert.

Jetzt steht Zypries gemeinsam mit ihrem Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig in dem Raum mit den Stahlfotos. Ross lässt seine Besucher aus Deutschland warten. Um kurz nach 16 Uhr kommt er, freundlich lächelnd. Nach einer kurzen Begrüßung ruft er: „Sie haben die gleiche Anstecknadel“ und berührt Zypries am Revers. Ross trägt so wie sie einen Pin mit der deutschen und US-amerikanischen Flagge – ein Symbol der Freundschaft zwischen den beiden Ländern. Zypries freut das sichtlich. „Es war eine nette Geste, sich das Teil anzustecken“, wird sie später sagen.

Mehr als eine dreiviertel Stunde lang verschwinden Ross und Zypries hinter der schweren Holztür, die umrahmt ist von einem Bild des grimmig drein schauenden US-Präsidenten Donald Trump auf der einen und einem freundlich lächelnden Foto von Ross auf der anderen Seite. Beim Fototermin im Anschluss des Gesprächs verkündet Zypries gleich, dass Ross am 27. Juni zum Gegenbesuch nach Berlin kommen wird. Dann werden voraussichtlich auch die Ergebnisse der Stahl-Prüfung vorliegen. Was dabei herauskommt, darauf mag sich Ross nicht festlegen. Zypries sagt, vorher werde sie aber dafür sorgen, dass die deutsche Wirtschaftsvereinigung Stahl dem Department of Commerce noch eine Aufstellung zum deutschen Stahl zukommen lassen wird.

Zypries und er hätten über den Handel zwischen Amerika und Deutschland gesprochen, sagt Ross. Er wünscht sich, dass deutsche Firmen mehr in die USA investieren und umgekehrt. „Wir haben mehr Dinge gemeinsam als Dinge, die uns trennen“, betonte er.

Die harmonischen Worte stehen in krassem Kontrast zur scharfen Rhetorik der USA gegenüber Deutschland in den vergangenen Monaten, die Teile der deutschen Wirtschaft stark verunsichert hat. Erst attackierte Trump die deutschen Autobauer und drohte mit Strafzöllen für Firmen, die ihre Produktion ins Ausland verlagern. Dann griff die US-Regierung Deutschland immer öfter für seinen Handelsbilanzüberschuss mit Amerika an. In Berlin fürchtete man protektionistische Maßnahmen. Schließlich weigerten sich die USA beim Treffen der Finanzminister in Baden-Baden, sich einer gemeinsamen Erklärung für den Freihandel anzuschließen.

Kommentare (1)

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25.05.2017, 10:46 Uhr

Klar, die Lemminge muss man sowohl in D als auch in den USA schröpfen und da die Lemminge 99.99% darstellen sind die Gemeinsamkeiten offensichtlich :D!

"Es herrscht Klassenkampf, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die den Krieg betreibt, und wir gewinnen." (Warren Buffett) Anstelle von Warren Buffett könnten hier viele andere Namen der Elite stehen.

Und jetzt das Spiel...wer schafft es bei der Bundestagswahl...die große Wahl, bei der der Wähler zwischen A, B, C, D, E wählen kann, er aber immer Z bekommt. Klar gibt es da viele Gemeinsamkeiten. Ramstein? Drohnenkrieg? Wir sind dabei! Syrien? Afghanistan? Wir sind dabei! Irak war ein sehr großer Fehler...wir hätten dabei sein sollen...Wir versprechen es wird nicht mehr so oft vorkommen!

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