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08.05.2017

07:09 Uhr

+++ Liveblog zur Frankreich-Wahl +++

Macron wird Präsident: „Lasst uns Frankreich lieben“

Emmanuel Macron gewinnt die Präsidentschaftswahl in Frankreich. Tausende feiern am Pariser Louvre, Politiker aus aller Welt gratulieren – auch der US-Präsident. Die Ereignisse des Wahltags zum Nachlesen.

Der künftige Präsident sprach im Fernsehen zu den Franzosen. AP

Macron-Anhänger am Louvre

Der künftige Präsident sprach im Fernsehen zu den Franzosen.

Frankreich stimmte ab – und ganz Europa fieberte mit: In der Endrunde der Präsidentenwahl standen sich die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der sozialliberale Senkrechtstarter Emmanuel Macron gegenüber. Die Wahllokale haben seit 20 Uhr geschlossen – und offenbar gibt es einen eindeutigen Sieger.

+++ Le Pen gewinnt nur zwei Départements +++

Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen hat beim Finale der Präsidentenwahl in nur 2 von 101 französischen Départements die Nase vorn gehabt. Das geht aus Angaben des Innenministeriums hervor. Beide liegen im Norden des Landes: Im Verwaltungsbezirk Pas-de-Calais kam Le Pen auf 52 Prozent, ihr sozialliberaler Gegner Emmanuel Macron auf rund 47 Prozent. Im ländlichen Département Aisne nahe der Grenze zu Belgien lag Le Pen bei 52,9 Prozent, Macron erreichte rund 47,1 Prozent. Insgesamt gewann Macron die Wahl am Sonntag nach fast vollständigen Ergebnissen mit gut 66 Prozent der Stimmen.

+++ Vereinzelt Proteste mit Festnahmen in Paris +++
Nach Macrons Sieg um das französische Präsidentenamt haben sich in Paris vereinzelt vermummte Demonstranten Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Die Polizei setzte am Sonntagabend Tränengas im Osten der Stadt ein, wo in der Nähe des Père-Lachaise-Friedhofs rund 100 Demonstranten protestierten. Es kam zu Festnahmen.

+++ Macron will Vorsitz von „En Marche!“ niederlegen +++
Der künftige französische Präsident Macron will noch am Montag den Vorsitz der vom ihm gegründeten Bewegung „En Marche!“ niederlegen. Das verlautete am frühen Morgen aus der Umgebung des sozialliberalen Politikers.

+++ Le Pen erzielt bestes Front-National-Ergebnis +++
Die Rechtspopulistin Marine Le Pen hat in der zweiten Runde der Präsidentenwahl nach Zahl der Stimmen das beste Ergebnis in der Geschichte ihrer Front National erzielt. Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen votierten mehr als zehn Millionen Franzosen für Le Pen, wie das Innenministerium auf seiner Internetseite bekanntgab.

+++ Von der Leyen: „Er hat Hoffnung ausgesprochen“ +++
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat die Wahlkampfstrategie Macrons gelobt. „Er hat Hoffnung, Zuversicht ausgesprochen“, sagte von der Leyen. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen dagegen habe stets voller Hass auf Europa argumentiert und habe Sündenböcke für Missstände gesucht. Macron sei „ein gutes Beispiel dafür, dass man mit Europa wieder Wahlen gewinnen kann.“ Die Europäer müssten nun lernen, dass es sich lohne, für Europa zu streiten.

+++ Macron will europäische Einheit wiederherstellen +++
In seiner ersten Ansprache nach dem Wahlsieg versichert Macron, sich der „immensen Aufgabe“ zu stellen, die europäische Einheit wiederherzustellen, die Wirtschaft in Schwung zu bringen und extremistische Bedrohungen abzuwehren. Vor tausenden jubelnden Anhängern im Hof des Louvre sagte er, Europa schaue auf Frankreich und „wartet auf uns, um den Geist der Aufklärung zu verteidigen, der an so vielen Orten bedroht ist“.

+++ Künftiger Präsident tritt vor seine Anhänger +++
Begleitet von der Europahymne ist Macron vor seine Anhänger getreten. Der 39-Jährige wurde im Innenhof des Pariser Louvre-Museums von Tausenden jubelnden Anhängern empfangen. Während Macron auf die Bühne neben der Glaspyramide trat, ertönte die Melodie von Beethovens „Ode an die Freude“, die Hymne der Europäischen Union. Zahlreiche Anhänger Macrons schwenkten Frankreich- und Europaflaggen.

+++ Macron will bald Merkel treffen +++
Macron will schon bald zu einem Treffen mit Kanzlerin Merkel nach Berlin reisen. Das habe er Merkel in einem Telefonat gesagt, verlautet aus dem Umfeld Macrons.

Frankreich 2017 – eine Wahl der Superlative

Zahlreiche Besonderheiten

Die Präsidentenwahl in Frankreich 2017 zeichnet sich durch eine ganze Reihe von Besonderheiten aus. Eine Auswahl.

Jünger als der Neffe Napoleons

Mit 39 Jahren wird Macron der jüngste Präsident Frankreichs. In der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten fünften Republik war bisher Valéry Giscard d'Estaing der jüngste Amtsinhaber gewesen; der Liberale zog 1974 als 48-Jähriger in den Élyséepalast ein. Jüngster französischer Präsident aller Zeiten war bisher Louis-Napoléon Bonaparte. Nach der Revolution von 1848 und der Ausrufung der Zweiten Republik gewann der Neffe Napoleons I. im Alter von 40 Jahren die erste französische Präsidentenwahl überhaupt.

Kein Sozialist, kein Konservativer

Macron ist der erste Präsident seit Jahrzehnten, der nicht den beiden bisher großen politischen Lagern der Sozialisten und Konservativen angehört. Der Sozialist Benoît Hamon und der Republikaner François Fillon waren bereits im ersten Wahlgang zwei Wochen zuvor wie sieben Kandidaten von Kleinparteien gescheitert.

Erste Kandidatur überhaupt

Vor der Präsidentenwahl hat Macron bei keiner Wahl kandidiert. Mit seiner erst im vergangenen Jahr gegründeten Bewegung „En Marche“, die bisher ohne jeden Abgeordneten ist, veränderte der frühere Wirtschaftsminister grundlegend die politische Landschaft Frankreichs.

Das beste Ergebnis des Front National

Mit etwa einem Drittel der gültigen Stimmen hat Marine Le Pen das bisher beste Ergebnis der rechtsextremen Front National erreicht. Bei der Europawahl 2014 landete die FN noch bei 24,9 Prozent der Stimmen. Le Pens Vater Jean-Marie hatte 2002 in der Stichwahl mit 17,8 Prozent gegen den konservativen Präsidenten Jacques Chirac (82,2) verloren.

Geringe Stichwahl-Beteiligung

Beim zweiten Wahlgang 2017 gingen nach ersten Schätzungen von Wahlforschungsinstituten so wenig Franzosen wie seit Jahrzehnten nicht zur Präsidenten-Stichwahl. Es wurde mit einer Beteiligung von 73 bis 74 Prozent gerechnet. 1969 waren es mit 68,9 Prozent noch weniger gewesen. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatten 77,8 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt.

So viele ungültige Stimmen wie noch nie

Zudem gaben diesmal nach Analyse des Instituts Ipsos 4,2 Millionen Franzosen leere Wahlumschläge oder ungültige Wahlzettel ab. Das sind 8,9 Prozent der mehr als 47 Millionen Wahlberechtigten und so viele wie noch nie in Frankreich.

Quelle: dpa

+++ Macron: „Ich kenne die Wut“ +++

Emmanuel Macron hat in einer feierlichen Ansprache versprochen, die tiefen Gräben in der französischen Gesellschaft zu überbrücken. „Ich weiß um die Teilung unserer Nation, die manche dazu gebracht haben, extremistische Parteien zu wählen“, sagte der pro-europäische Linksliberale in Paris. „Ich kenne die Wut, die Angst, die Zweifel, die ein großer Teil von Ihnen ausgedrückt hat“, sagte er mit Blick auf das Wahlergebnis. Die nächsten fünf Jahre trage er Verantwortung dafür, Ängste zu dämpfen und den Franzosen den Optimismus zurückzugeben. Für ihn habe die Rückkehr der Moral in die französische Politik oberste Priorität. „Lasst und Frankreich lieben“, appellierte der 39-Jährige an die Franzosen.

Macron versprach, sich angesichts des Brexit gegen die Kritik und den Verdruss an der Europäischen Union zu wenden: „Ich werde daran arbeiten, die Verbindung zwischen Europa und seinen Völkern wieder zu beleben, zwischen Europa und seinen Bürgern.“ Vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge von Islamisten versprach er, Frankreich werde an vorderster Front im Kampf gegen den Terrorismus stehen. Macron wurde später beim Pariser Louvre-Museum erwartet, um mit seinen Anhängern den Wahlsieg zu feiern.

Nach Auszählung von knapp 20 Prozent der Stimmen kam Macron dem Innenministerium zufolge auf 60 und Le Pen auf 40 Prozent der Stimmen. In den Prognosen von Meinungsforschungsinstituten waren es noch 65 zu 35 gewesen.

Handelsblatt Reporter vor Ort

„Für Macrons Programm haben nicht viele gestimmt“

Handelsblatt Reporter vor Ort: „Für Macrons Programm haben nicht viele gestimmt“

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+++ Mehr als vier Millionen Franzosen wählen ungültig +++
Nach einer Analyse des Instituts Ipsos haben 4,2 Millionen Franzosen leere Wahlumschläge oder ungültige Wahlzettel abgegeben. Das sind 8,9 Prozent der mehr als 47 Millionen Wahlberechtigten und so viele wie noch nie in Frankreich. Die Wahlbeteiligung in der zweiten Runde war so niedrig wie seit 1969 nicht mehr, wie das Institut am Sonntagabend mitteilte. Sie lag diesmal bei 74,3 Prozent, damals waren nur 68,9 Prozent zur Wahl gegangen. Ipsos sieht in der Quote einen weiteren Beweis dafür, dass viele Wähler in der rechtsextremen Front National kein Schreckgespenst mehr sehen. 41 Prozent der Franzosen, die im ersten Wahlgang für den Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon gestimmt hatten, sind entweder nicht zur Urne gegangen oder haben ungültig abgestimmt. Von den Wählern des Republikaners François Fillon waren es fast ein Drittel (32 Prozent). Mélenchon hatte lediglich dazu aufgerufen, nicht Le Pen zu wählen. Dagegen hatte Fillon direkt Macron empfohlen.

+++ So gratuliert der US-Präsident +++


+++ Macron-Anhänger feiern am Louvre +++
Tausende Anhänger Emmanuel Macrons sind zum Louvre gezogen, um dessen nach Prognosen nicht mehr bezweifelte Wahl zum Präsidenten zu feiern. Sie schwenkten französische Fahnen und riefen „Wir haben gewonnen, wir haben gewonnen!“ Viele äußerten sich erleichtert darüber, dass der sozialliberale Politikneuling die Rechtskandidatin Marine Le Pen offenbar deutlich hinter sich gelassen hat. Die 32-jährige Macron-Anhängerin Sandra Ledoux sagte, sie sei „sehr glücklich, weil Macron jung und innovativ ist und er ein Projekt hat, Europa besser zu machen, anstatt es, wie Le Pen wollte, zu zerstören.“

+++ So gratuliert Martin Schulz +++

+++ Steinmeier: „Deutschland wird an Ihrer Seite stehen“ +++
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Emmanuel Macron eine partnerschaftliche Zusammenarbeit Deutschlands zugesichert. „Ich freue mich, dass sich die französischen Wähler mit Ihrer Wahl mehrheitlich für Weltoffenheit, ein vereinigtes Europa und die enge und freundschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland entschieden haben“, schrieb Steinmeier in einer in Berlin verbreiteten Erklärung. Er wünsche Macron für dessen große Verantwortung als Präsident eine stets glückliche Hand. „Deutschland wird als guter und verlässlicher Partner an Ihrer Seite stehen.“

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