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05.04.2017

06:00 Uhr

Frankreich vor der Wahl

Dauerfeuer auf Macron

VonThomas Hanke

Elf Politiker, zwei Moderatorinnen, fast drei Stunden Sendezeit: Von ganz links bis ganz rechts schießen sich die Präsidentschaftsbewerber auf Emmanuel Macron ein – mit tatkräftiger Unterstützung aus Russland.

Scheinwerfer auf Emmanuel Macron: Der sozialliberale Präsidentschaftskandidat bekommt von allen Seiten Saures. Reuters, Sascha Rheker

Emmanuel Macron

Scheinwerfer auf Emmanuel Macron: Der sozialliberale Präsidentschaftskandidat bekommt von allen Seiten Saures.

ParisDer Wahlkampf vor der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl biegt langsam auf die Zielgerade ein. Geklärt hat er nicht viel. Gab es bei früheren Urnengängen zweieinhalb Wochen vor der Wahl zwei weit vorne liegende, klare Favoriten, hat sich heute das Feld der Bewerber immer noch nicht richtig auseinandergezogen.

Die Demoskopen sehen den Sozialliberalen Emmanuel Macron ungefähr gleichauf mit der rechtsextremen Marine Le Pen. Doch auf die Umfragen gibt man nicht mehr so viel wie früher.

Das Misstrauen schüren die Demoskopen selber. Nicht wegen der angeblichen Prognose-Desaster beim Brexit und der Trump-Wahl, sondern weil die Experten stets neue Gründe dafür finden, wieso diese Wahl völlig aus dem Rahmen falle: Nie zuvor habe es so viele Wähler gegeben, die sich enthalten oder einen weißen Stimmzettel abgeben wollen, nie seien sie so unentschieden oder wankelmütig gewesen und nie war die Bindungskraft der traditionellen Parteien geringer. Und da wollen die Fachleute jetzt schon wissen, wie es ausgeht?

Unentschieden sind in Wirklichkeit auch die Demoskopen selber. Vor drei Wochen gab sich Frédéric Darbi, Chef des seriösen Instituts Ifop, noch gewiss: „Frankreich wird wieder eine sehr hohe Wahlbeteiligung erleben.“ Inzwischen verkünden die Forscher unisono, die Beteiligung verspreche deutlich geringer als früher auszufallen. Das könne sich aber auch noch ändern. Ach so.

Verständlich, dass man dem seit Wochen nahezu unverändert prognostizierten Zieleinlauf nicht mehr recht traut, mit Macron/Le Pen um 25 Prozent, dahinter knapp unter 20 Prozent der Konservative François Fillon und dann der weit links agierende Jean-Luc Mélenchon. Neue Auguren gewinnen Beachtung, wie die kanadische Gesellschaft Filteris. Die wertet die Netzaktivität aus und ist nach eigener Aussage dazu in der Lage, auch positive und negative Einstellungen herauszufiltern. Sie will festgestellt haben, dass Fillon unterschätzt werde und knapp vor Macron liege.

Die Botschaft verbreitet nun auch Fillons Mannschaft unermüdlich – und schießt sich auf Macron ein, statt die gefährliche Le Pen zu attackieren. „In der Kriegskunst gilt: Sie müssen erst die nächste Schlacht gewinnen, dann den Krieg“, sinniert Reserveoffizier Henri de Castries, Ex-Chef des Versicherers Axa und nun wirtschaftspolitischer Vordenker von Fillon. Damit will er sagen, dass Fillon nicht Le Pen, wohl aber Macron am Einzug in die Stichwahl hindern und anschließend in der zweiten Runde, Le Pen besiegen könne.

Kommentare (11)

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Herr Grutte Pier

05.04.2017, 08:41 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr J.-Fr. Pella

05.04.2017, 08:56 Uhr

Kam die Unterstützung nicht aus den USA?

Herr Marc Hofmann

05.04.2017, 09:00 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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