Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.05.2017

06:06 Uhr

Letztes TV-Duell

Le Pen wird Opfer ihrer eigenen Pöbeleien

VonThomas Hanke

Die Kandidatin der rechtsextremen Front National fällt im letzten TV-Duell vor der Stichwahl um die französische Präsidentschaft aus der Rolle. Le Pen vergibt so die Chance, Macron gefährlich zu werden. Eine Analyse.

Frankreich-Wahl

Hitzige Redeschlacht mit Pöbeleien - so war das TV-Duell

Frankreich-Wahl: Hitzige Redeschlacht mit Pöbeleien - so war das TV-Duell

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

ParisZweieinhalb Stunden Diskussion und eine klare Verliererin: Der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen ist es in der letzten großen TV-Debatte mit dem Favoriten Emmanuel Macron vor dem entscheidenden Wahlgang am Sonntag nicht gelungen, sich als mögliche Präsidentin der Franzosen darzustellen.

Stets übermäßig aggressiv, wie ein Boxer, der aber ständig vorbeischlägt, verbrachte Le Pen am Mittwochabend den größten Teil ihrer Redezeit damit, Macron anzupöbeln. Ihr eigenes Programm kam dabei fast gar nicht zur Sprache, auch wenn sie ausdrücklich danach gefragt wurde. Ein TV-Kommentator fasste den Eindruck kompletter Orientierungslosigkeit, den sie erweckte, so zusammen: „Sie hatte sogar Schwierigkeiten damit, ihre eigenen Sprechzettel abzulesen.“

Börsenrisiko Frankreich-Votum: Nach der Wahl ist vor der Wahl

Börsenrisiko Frankreich-Votum

Premium Nach der Wahl ist vor der Wahl

Viele Anleger bereiten sich darauf vor, dass Emmanuel Macron neuer französischer Präsident wird. Doch auch Investoren, die sich immer noch vor einem überraschenden Triumph Le Pens fürchten, können sich rüsten.

Die Ausgangslage vor dem Duell war klar: Macron konnte durch die Debatte eher verlieren, denn er liegt in allen Umfragen sehr weit vorne. Le Pen hatte am meisten zu gewinnen. Man erwartete, dass sie versuchen würde, Macron zu erschüttern, vor allem aber unentschiedene Wähler von links und rechts zu gewinnen.

Doch schon mit ihrer ersten Wortmeldung schlug sie wie mit einem Baseballschläger um sich. „Monsieur Macron, Sie sind der Kandidat der wilden Globalisierung, der Uber-isierung, der Plünderung unserer Unternehmen, des Kriegs jeder gegen jeden, der Parallelgesellschaften. Sie sind die Fortsetzung von Hollande und zeigen die Kälte des Investmentbankers, der Sie immer noch sind.“ So grob kann man in einem Meeting vor Sympathisanten austeilen, aber nicht vor einem Millionenpublikum, das auf den würdigen Abschluss eines sehr langen Wahlkampfs wartet.

TV-Duell

„Es war ein Schwall von Beleidigungen auf beiden Seiten“

TV-Duell: „Es war ein Schwall von Beleidigungen auf beiden Seiten“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Macron war alles andere als erschüttert von dieser Attacke, ruhig gab er zurück: „Sie sind jedenfalls nicht die Kandidatin des feinen Tons und der demokratischen Debatte, Sie sind die Erbin einer Partei des Hasses, Sie stehen sogar dazu.“ Er wolle nicht den „Geist der Niederlage, nicht die Grenzen schließen, nicht raus aus Europa, weil die anderen schaffen, was uns nicht gelingt: Ich bin für den Geist der Offensive, wird sind die fünfgrößte Wirtschaftsmacht, aber wir haben viel zu verändern.“

Die wirtschaftspolitischen Pläne von Marine le Pen

Euro

Er soll zugunsten einer eigenen Währung aufgeben werden - sofern sich die Mehrheit der Franzosen in einem Referendum für einen Abschied vom Euro aussprechen.

EU

Nach einem Wahlsieg soll mit den EU-Partnern binnen sechs Monaten eine radikale Änderung der EU-Verträge vereinbart werden. Die Union soll dabei in einen lose Verbund der Mitgliedsländer umgebaut werden - ohne Euro und von Brüssel überwachte Haushaltsregeln, aber wieder mit Grenzkontrollen. Schon in den ersten beiden Monaten nach einem Wahlsieg soll das Schengen-Abkommen aufgekündigt werden, mit dem Kontrollen an den Binnengrenzen abgeschafft wurden.

Zentralbank

Sie soll bei der Rückkehr zur Landeswährung helfen und deren Kurs verteidigen. Ihr soll dabei das Recht eingeräumt werden, französische Staatsanleihen von der Regierung abzukaufen.

Protektionismus

Bei öffentlichen Ausschreibungen sollen nur französische Unternehmen zum Zuge kommen, solange der Preisunterschied nicht allzu groß ist. Auf Importe soll eine Steuer in Höhe von drei Prozent erhoben werden. Arbeitgeber, die ausländische Mitarbeiter einstellen, sollen mit einer Extrasteuer belegt werden, die zehn Prozent des Gehaltes erreichen kann.

Rente

Das Renteneintrittsalter soll von 62 auf 60 Jahre gesenkt werden. Sehr arme Rentner sollen besser unterstützt werden.

Arbeitszeit

Die 35-Stunden-Woche soll erhalten werden. Überstunden sollen steuerfrei werden.

Steuern

Diese sollen für Privathaushalte gesenkt, die Sozialausgaben erhöht werden. Auch kleinere und mittelständische Firmen sollen weniger Steuern zahlen.

Zweieinhalb Stunden wiederholte sich das Schema: Macron versuchte, zur Sache zu sprechen, ging auf 30 Jahre Massenarbeitslosigkeit ein und auf die Notwendigkeit, den Klein- und Mittelbetrieben zu erlauben, agiler zu sein, sich an Zyklen anzupassen. Doch Le Pen blieb bei ihren wüsten Angriffen, hoffte wohl, Punkte zu machen, wenn sie immer wiederholte: „Sie haben eine katastrophale Politik mit Hollande gemacht, nur für die großen Konzerne, Sie denken nicht an die höheren Interessen der Nation, Sie verkaufen Unternehmen ans Ausland.“

Kommentare (78)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Marc Hofmann

04.05.2017, 08:24 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Unbekannt

04.05.2017, 08:32 Uhr

Die Beiträge im Kommentareforum des Handelsblattes sind eine Zumutung.
Warum ist das führende Wirtschaftsblatt in Deutschland nicht in der Lage, ein hochwertiges Kommentareforum zu organisieren?

Warum darf jeder unter irgendeiner erfundenen Identität hier seinen monotonen Salch abladen?

Herr Robbie McGuire

04.05.2017, 08:34 Uhr

Wenn es ernst wird, entlarven sich Figuren von selbst. Wie auch die AfD beispielsweise mit Ihrem Leitbild zur Familie und dem Bekenntnis zur traditionellen Familie. Da passt die Frau Weidel natürlich wunderbar hinein:

Sie lebt am Bodensee mit einer Lebenspartnerin zusammen. Zur Familie gehören zwei Söhne. Auch sonst entspricht die 38-Jährige nicht dem gängigen Bild eines AfD-Anhängers. Die promovierte Betriebswirtin arbeitete bei Goldman Sachs und Allianz Global Investors Europe in Frankfurt.

Getreu dem Motto: Wasser predigen und Wein trinken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×