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21.04.2017

08:42 Uhr

Terror im Wahlkampf-Endspurt

„Die Franzosen zu beschützen, ist die wichtigste Aufgabe eines Präsidenten“

VonThomas Hanke

Eine Gewalttat kurz vor dem Ende des Rennens um die Präsidentschaft ordnet die Wahlkampfthemen in Frankreich neu. Plötzlich spricht Macron über Terror und Bedrohung. Fillon und Le Pen nutzen den Anschlag für ihre Zwecke.

Der Präsidentschaftskandidat war der erste prominente Kandidat, der eine Stellungnahme abgab. Reuters

Emmanuel Macron

Der Präsidentschaftskandidat war der erste prominente Kandidat, der eine Stellungnahme abgab.

ParisAm Donnerstagabend ist geschehen, was alle Franzosen befürchtet haben: Eine neue Gewalttat kurz vor dem Ende des Präsidentschaftswahlkampfs. Nur drei Tage vor der Wahl verändert eine Schießerei auf den Champs-Elysées völlig das Umfeld, in dem am Sonntag der erste Wahlgang stattfinden wird. Die Gefährdung der inneren Sicherheit, der Kampf gegen den Terror rücken ins Zentrum der Auseinandersetzung.

Die Ankündigung einiger Kandidaten, sie würden ihren Wahlkampf abbrechen, ändert nichts daran: Die Ermordung eines Polizisten im Herzen von Paris, den Staatsanwaltschaft und amtierender Präsident François Hollande mit dem Attribut „Terrorverdacht“ belegen, wird die Franzosen wohl stark beeinflussen, wenn sie ihre Stimme abgeben. Bislang war der Kampf gegen den Terror nur eine der nachgeordneten Prioritäten, weit hinter der Sorge um Arbeitsplätze, Wachstum und Kaufkraft.

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Am Sonntag wählt Frankreich einen neuen Staatschef. Zwei Tage vorher wird der Wahlkampf von einem mutmaßlichen Anschlag überschattet. Der erste Kandidat hat seine Kundgebungen abgesagt. Die Ereignisse im Newsblog.

Am späten Abend kursierten von den Behörden unbestätigte Informationen, dass der Täter bereits wegen Mordes verurteilt war und noch vor wenigen Tage von der Polizei verhört wurde - offenbar weil Informanten sagten, er versuche, sich Waffen für einen Anschlag auf die Polizei zu besorgen. Dennoch sei er freigelassen worden, hieß es im französischen Fernsehen. Sollte es tatsächlich so abgelaufen sein, läge also ein schwerer Fehler der Sicherheitsbehörden vor.

Die unerwartete Wendung nur drei Tage vor der Wahl dürfte vor allem dem Konservativen François Fillon und der rechtsextremen Marine Le Pen zugutekommen. Beiden schreiben die Wähler in den Umfragen regelmäßig eine hohe Kompetenz in Sachen Sicherheit und Verteidigung zu, dem jungen Sozialliberalen Emmanuel Macron dagegen nur eine begrenzte.

Die Nachricht vom Mordanschlag platzte mitten in eine TV-Sendung hinein, die den elf Kandidaten noch einmal Gelegenheit geben sollte, ihr Programm in 15 Minuten langen Einzelinterviews darzustellen.

Wichtige Kandidaten der französischen Präsidentenwahl

Marine Le Pen

Die Rechtspopulistin von der Front National (FN) vertritt radikale Positionen im Hinblick auf Europa und Ausländer. In Umfragen für die erste Wahlrunde im April liegt die 48-Jährige seit Wochen vorne, zuletzt kam sie auf Werte zwischen 26 und 28 Prozent.

François Fillon

Der Spitzenkandidat der bürgerlichen Rechten galt lange als Favorit der Wahl. Doch wegen der Affäre um den Parlamentsjob seiner Frau verlor der 62-Jährige Sympathiepunkte. Nach aktuellen Umfragen liegt er bei etwa 20 Prozent - und muss damit um den Einzug in die entscheidende Stichwahl zittern. Die französische Justiz prüft Vorwürfe, wonach Fillons Frau nur zum Schein als seine parlamentarische Mitarbeiterin angestellt war. Fillon wies die Vorwürfe mehrfach zurück.

Emmanuel Macron

Der Politjungstar positioniert sich weder links noch rechts. Über Wochen war der unabhängige Bewerber, früher Wirtschaftsminister unter Präsident François Hollande, im Aufwind. Doch umstrittene Äußerungen über Frankreichs Kolonialvergangenheit brachten den 39-Jährigen zuletzt in Bedrängnis. In Umfragen liefert er sich derzeit ein enges Rennen mit Fillon um den Einzug in die Stichwahl. Konservative werfen Macron vor, das Programm für den glücklosen Sozialisten Hollande gemacht zu haben. Hollande tritt nicht mehr an.

Benoît Hamon

Der 49 Jahre alte Ex-Bildungsminister setzte sich in einer Vorwahl als Spitzenkandidaten der angeschlagenen Sozialisten durch. Er will mit der Hollande-Ära brechen und einen neuen Kurs einschlagen, bei dem grüne Themen eine wichtige Rolle spielen. Er gilt zurzeit als „vierter Mann“ bei der Wahl.

Jean-Luc Mélenchon

Mit 65 Jahren ist der Linkenführer der älteste unter den wichtigen Kandidaten. Der von der kommunistischen Partei (PCF) unterstützte Anwärter könnte laut Umfragen bei der ersten Runde etwas mehr zehn Prozent der Stimmen erhalten. Mélenchon gilt als brillanter Redner und ist ein harter Kritiker der deutschen Sparpolitik.

Der weit links stehende Jean-Luc Mélenchon, die Trotzkistin Nathalie Arthaud, der Frexit-Befürworter François Asselineau und auch die rechtsextreme Marine Le Pen hatten bereits gesprochen, als das Verbrechen auf den Champs Elysées geschah. Selbst lange nachdem die Nachrichtenagenturen bereits über einen getöteten Polizisten auf der Pariser Prachtstraße berichtet hatten, ließ der staatliche Sender France 2 die Sendung zunächst weiterlaufen.

Emmanuel Macron war der erste prominente Kandidat, der eine Stellungnahme abgab. Die Moderatoren wollten in ihrer Routine fortfahren, doch der 39-jähriger Kandidat unterbrach sie und sagte: „Als erstes will ich über die Bedrohung sprechen, die wir gerade wieder erlebt haben. Die wichtigste Aufgabe eines Präsidenten ist es, die Franzosen zu beschützen. Ein Polizist ist getötet worden, ein anderer verletzt. Diese Bedrohung wird in den nächsten Jahren nicht verschwinden.“

Kommentare (10)

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Herr Holger Narrog

21.04.2017, 09:12 Uhr

Es ist gut wenn dieser Terroranschlag die Wahlpräferenzen der Franzosen neu aufzumischen vermag.

Der Kandidat Macron hat öffentlich die Einwanderungspolitik von Fr. Merkel gelobt. Deshalb wird er von den hiesigen Qualitätsmedien bejubelt. Sachlich steht er für ein sozialistisches Weiter - So, Aufstände der nordafrikanischen Einwanderer in den Vorstädten, Sozialismus....für Frankreich sicherlich keine gute Wahl.

Fillon, der konservative Kandidat geriet ins Hintertreffen. Er verspricht eine liberalere Wirtschaftspolitik (wird von vielen Franzosen weniger geschätzt), eine Revision der Einwanderungspolitik, etc. Für Frankreich sicherlich die beste Wahl. Fillon könnte Le Pen in der Stichwahl als "Kleineres Übel" schlagen.

Le Pen, ist für die hiesigen Qualitätsmedien der Teufel in Person. Sie verspricht eine Politik von Franzosen für Franzosen. Ihre Kernkompetenz liegt in der Einwanderungspolitik. Die Wirtschaftspolitik ist nicht die Stärke der Dame.

Herr Vinci Queri

21.04.2017, 09:49 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Peter Kastner

21.04.2017, 10:12 Uhr

Francois Hollande muß sich vollkommen beschissen fühlen. Immer wieder die gleiche Bestürzung und immer wieder die gleiche Ansprachen vor der Nation. Vielleicht dämmert ihm langsam, das er der Präsident war. Und er hat nichts dagegen getan.

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