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Vor der Präsidentschaftswahl

Was die Franzosen von ihrem neuen Präsidenten erwarten

Am 23. April wählen die Franzosen ihr Staatsoberhaupt. Es gibt Potential für frischen Wind im Élysée-Palast. Die Bürger haben sehr unterschiedliche Vorstellungen, doch eine Gemeinsamkeit: Der Wunsch nach Veränderung.

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Philippe Durathon, 59, Restaurantbesitzer, geschieden, zwei Kinder, lebt in Castanet-Tolosan im Südwesten Frankreichs.„Es gibt zu viele Steuern und die Kosten sind zu hoch. Ich kenne keinen einzigen reichen Restaurantbesitzer. Ich habe einige Investments getätigt und mich für weitere sieben Jahre verschuldet. Mein gesamtes Geld geht für Steuern und Arbeitskosten drauf. Als Chef zahle ich 80 Prozent zusätzlich zum normalen Lohn. Einige haben bereits aufgegeben. Sie haben zu viele Schulden aufgenommen, was sie letztendlich zur Strecke gebracht hat. Diejenigen, die sehr stark verschuldet sind, verkaufen ihren Besitz zu Spottpreisen, weil es sie ansonsten krank macht. Deshalb kann ich verstehen, warum Madame Fillon so viele Leute aufgeregt hat.“ AFP

Der Restaurant-Besitzer

Philippe Durathon, 59, Restaurantbesitzer, geschieden, zwei Kinder, lebt in Castanet-Tolosan im Südwesten Frankreichs.

„Es gibt zu viele Steuern und die Kosten sind zu hoch. Ich kenne keinen einzigen reichen Restaurantbesitzer. Ich habe einige Investments getätigt und mich für weitere sieben Jahre verschuldet. Mein gesamtes Geld geht für Steuern und Arbeitskosten drauf. Als Chef zahle ich 80 Prozent zusätzlich zum normalen Lohn. Einige haben bereits aufgegeben. Sie haben zu viele Schulden aufgenommen, was sie letztendlich zur Strecke gebracht hat. Diejenigen, die sehr stark verschuldet sind, verkaufen ihren Besitz zu Spottpreisen, weil es sie ansonsten krank macht. Deshalb kann ich verstehen, warum Madame Fillon so viele Leute aufgeregt hat.“

Bild: AFP

Anis Chouk, 44, Fußchirurg, verheiratet, zwei Kinder, lebt in Yvelines, einem Vorort von Paris.„Es braucht eine grundlegende Reform des Gesundheitssystems, welche den Mangel an Ärzten mit finanziellen und qualitativen Verbesserungen bekämpft. Die medizinische Versorgung sollte neu bewertet werden und der private Sektor sollte dem öffentlichen Sektor angeglichen werden. Wir leiden unter einer Fülle von bürokratischen Hürden, welche uns viel Zeit kosten, die wir mit unseren Patienten und in Schulungen besser nutzen könnten. Außerdem sollte das System der Rückerstattungen verbessert werden, um es den Patienten leichter zu machen, Zugang zu medizinischer Versorgung zu bekommen. Es ist skandalös, dass die Rückerstattungen ausgesetzt wurden, obwohl die Patienten weiterhin die selben Beiträge zahlen – oder sogar mehr.“ AFP

Der Chirurg

Anis Chouk, 44, Fußchirurg, verheiratet, zwei Kinder, lebt in Yvelines, einem Vorort von Paris.

„Es braucht eine grundlegende Reform des Gesundheitssystems, welche den Mangel an Ärzten mit finanziellen und qualitativen Verbesserungen bekämpft. Die medizinische Versorgung sollte neu bewertet werden und der private Sektor sollte dem öffentlichen Sektor angeglichen werden. Wir leiden unter einer Fülle von bürokratischen Hürden, welche uns viel Zeit kosten, die wir mit unseren Patienten und in Schulungen besser nutzen könnten. Außerdem sollte das System der Rückerstattungen verbessert werden, um es den Patienten leichter zu machen, Zugang zu medizinischer Versorgung zu bekommen. Es ist skandalös, dass die Rückerstattungen ausgesetzt wurden, obwohl die Patienten weiterhin die selben Beiträge zahlen – oder sogar mehr.“

Bild: AFP

Karine Bertil Hoareau, 39, selbständige Finanzberaterin, verheiratet, zwei Kinder, lebt im französischen Übersee-Department La Réunion, einer Insel im indischen Ozean. „Nachdem ich fünf Jahre als Angestellte gearbeitet habe, bin ich das Risiko der Selbstständigkeit eingegangen. Ich hoffe, unser nächster Präsident wird genauso mutig sein. Er sollte das Ausmaß unserer Probleme erkennen und sich für langfristigen Lösungen einsetzen. Seit zu langer Zeit haben Politiker die Verbindung zur Realität verloren... (Viele Selbständige) fordern die Möglichkeit, ihre Versicherung nach ihren Wünschen zu wählen, so wie es auch die europäischen Regelungen vorsehen. In einem Land, das so gelähmt ist wie unseres, sollten kleine Unternehmen mehr Hilfe bekommen – denn sie schaffen Werte und Arbeitsplätze.“ AFP

Die Finanzberaterin

Karine Bertil Hoareau, 39, selbständige Finanzberaterin, verheiratet, zwei Kinder, lebt im französischen Übersee-Department La Réunion, einer Insel im indischen Ozean.

„Nachdem ich fünf Jahre als Angestellte gearbeitet habe, bin ich das Risiko der Selbstständigkeit eingegangen. Ich hoffe, unser nächster Präsident wird genauso mutig sein. Er sollte das Ausmaß unserer Probleme erkennen und sich für langfristigen Lösungen einsetzen. Seit zu langer Zeit haben Politiker die Verbindung zur Realität verloren... (Viele Selbständige) fordern die Möglichkeit, ihre Versicherung nach ihren Wünschen zu wählen, so wie es auch die europäischen Regelungen vorsehen. In einem Land, das so gelähmt ist wie unseres, sollten kleine Unternehmen mehr Hilfe bekommen – denn sie schaffen Werte und Arbeitsplätze.“

Bild: AFP

Stephane Cuvilliers, 50, verheiratet, Fließbandarbeiter in einer Wäschetrocknerfabrik in Amiens, Nordfrankreich. Seine Fabrik soll im Juni 2018 geschlossen werden.„Ich möchte, dass Jobs zurück nach Frankreich kommen, außerdem sollen Unternehmen, die ins Ausland abgewandert sind, um dort mehr Profit zu machen, ebenfalls zurückkehren. Sollten sie sich weigern, sollten ihre Geschäfte mit 25 bis 40 Prozent besteuert werden. Ich will einen Präsidenten wie Donald Trump. Einen, der unser Land als erstes beschützt, französische Arbeiter einstellt und ihnen vertraut. Europa und der Euro funktionieren nicht mehr. Ich erwarte vom neuen Präsidenten, dass er sich unserer Anliegen zuerst annimmt, und erst dann in die Probleme der Welt verwickelt wird. Erst wenn wir selbst ein „reines“ Land haben, können wir anderen Ländern helfen.“ AFP

Der Fließbandarbeiter

Stephane Cuvilliers, 50, verheiratet, Fließbandarbeiter in einer Wäschetrocknerfabrik in Amiens, Nordfrankreich. Seine Fabrik soll im Juni 2018 geschlossen werden.

„Ich möchte, dass Jobs zurück nach Frankreich kommen, außerdem sollen Unternehmen, die ins Ausland abgewandert sind, um dort mehr Profit zu machen, ebenfalls zurückkehren. Sollten sie sich weigern, sollten ihre Geschäfte mit 25 bis 40 Prozent besteuert werden. Ich will einen Präsidenten wie Donald Trump. Einen, der unser Land als erstes beschützt, französische Arbeiter einstellt und ihnen vertraut. Europa und der Euro funktionieren nicht mehr. Ich erwarte vom neuen Präsidenten, dass er sich unserer Anliegen zuerst annimmt, und erst dann in die Probleme der Welt verwickelt wird. Erst wenn wir selbst ein „reines“ Land haben, können wir anderen Ländern helfen.“

Bild: AFP

David Leyraud, 43, Polizist, in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, zwei Kinder, lebt in Narbonne in Südfrankreich.„Der nächste Präsident sollte zuerst die Sicherheit anpacken. Sicherheit ist die Basis unserer gemeinschaftlichen und individuellen Freiheiten. Außerdem verbessert sie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Sicherheit stellt die Bedingungen für eine friedliche Gesellschaft her – ich hoffe, meine Verwandten, Freunde und Mitbürger können mir darin zustimmen. Sicherheit zu gewährleisten benötigt sowohl Ressourcen als auch politischen Willen. Polizisten müssen als Schlüsselfiguren die volle Unterstützung erhalten. Sicherheit sollte keine polarisierende Streitfrage, sondern im Gegenteil ein Stück unserer gemeinsamen Identität sein.“ AFP

Der Polizist

David Leyraud, 43, Polizist, in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, zwei Kinder, lebt in Narbonne in Südfrankreich.

„Der nächste Präsident sollte zuerst die Sicherheit anpacken. Sicherheit ist die Basis unserer gemeinschaftlichen und individuellen Freiheiten. Außerdem verbessert sie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Sicherheit stellt die Bedingungen für eine friedliche Gesellschaft her – ich hoffe, meine Verwandten, Freunde und Mitbürger können mir darin zustimmen. Sicherheit zu gewährleisten benötigt sowohl Ressourcen als auch politischen Willen. Polizisten müssen als Schlüsselfiguren die volle Unterstützung erhalten. Sicherheit sollte keine polarisierende Streitfrage, sondern im Gegenteil ein Stück unserer gemeinsamen Identität sein.“

Bild: AFP

Frederic Jullien, 44, zwei Kinder, Bergführer, lebt in den französischen Alpen.„Der nächste Präsident sollte eine grüne Revolution starten. Das nächste Staatsoberhaupt sollte ein Programm auf den Weg bringen, um den Energieverbrauch zu senken, erneuerbare Energien zu entwickeln und saubere Energien zu fördern. Saubere Energien haben in den vergangenen Jahren eine unbedeutende Stellung im Schatten des Diesel eingenommen, obwohl die Technologien existierten. Die Verschmutzung verlagert sich. In diesem Winter hat die Luftverschmutzung die Alpen, von Turin in Italien kommend, bis nach Frankreich überquert. Wir haben zudem Wasser- und Bodenverschmutzung. Ich möchte einen Präsidenten, der wirklich etwas verändern will, und nicht nur Mini-Reformen umsetzt. Der Präsident sollte außerdem Artikel 2 unserer Verfassung noch einmal genau lesen. Dieser besagt, dass die Regierung aus dem Volk, von dem Volk und für das Volk regiert – und nicht für finanzielle Interessen.“ AFP

Der Bergführer

Frederic Jullien, 44, zwei Kinder, Bergführer, lebt in den französischen Alpen.

„Der nächste Präsident sollte eine grüne Revolution starten. Das nächste Staatsoberhaupt sollte ein Programm auf den Weg bringen, um den Energieverbrauch zu senken, erneuerbare Energien zu entwickeln und saubere Energien zu fördern. Saubere Energien haben in den vergangenen Jahren eine unbedeutende Stellung im Schatten des Diesel eingenommen, obwohl die Technologien existierten. Die Verschmutzung verlagert sich. In diesem Winter hat die Luftverschmutzung die Alpen, von Turin in Italien kommend, bis nach Frankreich überquert. Wir haben zudem Wasser- und Bodenverschmutzung. Ich möchte einen Präsidenten, der wirklich etwas verändern will, und nicht nur Mini-Reformen umsetzt. Der Präsident sollte außerdem Artikel 2 unserer Verfassung noch einmal genau lesen. Dieser besagt, dass die Regierung aus dem Volk, von dem Volk und für das Volk regiert – und nicht für finanzielle Interessen.“

Bild: AFP

Lorenzo Amblot, 37, Obdachloser, single, lebt in Reims im Nordosten Frankreichs.„Finanzielle Unterstützung sollte für diejenigen gebündelt werden, die bereits kämpfen, anstatt allen helfen zu wollen. Es sollte ein spezielles System geben, um den Leuten am Rande der Gesellschaft zu helfen, sich wiedereinzugliedern – denn das Sozialgeld (staatliches Fördergeld für Arbeitslose, beginnend mit 535 Euro im Monat) reicht nicht aus. Alternativ könnte eine eigene Behörde gegründet werden, die sich darauf konzentriert, Hilfsbedürftigen Menschen zu helfen. Zudem sollte es einfacher werden, Zugang zu Unterkünften zu bekommen, damit wir einfacher eine Unterkunft mieten können, ohne dafür so viel Papierkram und Garantien aufwenden zu müssen.“ AFP

Der Obdachlose

Lorenzo Amblot, 37, Obdachloser, single, lebt in Reims im Nordosten Frankreichs.

„Finanzielle Unterstützung sollte für diejenigen gebündelt werden, die bereits kämpfen, anstatt allen helfen zu wollen. Es sollte ein spezielles System geben, um den Leuten am Rande der Gesellschaft zu helfen, sich wiedereinzugliedern – denn das Sozialgeld (staatliches Fördergeld für Arbeitslose, beginnend mit 535 Euro im Monat) reicht nicht aus. Alternativ könnte eine eigene Behörde gegründet werden, die sich darauf konzentriert, Hilfsbedürftigen Menschen zu helfen. Zudem sollte es einfacher werden, Zugang zu Unterkünften zu bekommen, damit wir einfacher eine Unterkunft mieten können, ohne dafür so viel Papierkram und Garantien aufwenden zu müssen.“

Bild: AFP

Eric Laurent, 48, Geschäftsführer von Eznov, Hersteller einer automatisierten Drohne, beschäftigt sieben Mitarbeiter, verheiratet, zwei Kinder, lebt in Rambouillet bei Paris.„Der nächste Präsident muss realpolitisch sein und unser Leben vereinfachen. Fördermittel in der Forschung und Entwicklung sollten schnellstmöglich in innovative Projekte fließen. Wir haben viele sehr gute Ideen in Frankreich, aber nahezu alle Start-ups werden an ausländische Firmen verkauft. Wir sind gut darin, den Motor zu entwickeln und den ersten Gang einzulegen, aber wenn es dann Zeit ist, in den zweiten Gang zu schalten, ist es zu schwierig... Außerdem sollten einige Gebühren abgeschafft und den Unternehmen freien Lauf gelassen werden. Als Ausgleich könnte man uns von den zahlreichen verschiedenen Fördermitteln befreien, bei denen es für kleine Firmen sowieso zu kompliziert ist, sie zu beantragen. Am Ende gehen 80 Prozent der Steuergutschriften an große Unternehmen, die es gar nicht nötig hätten.“ AFP

Der Mittelständler

Eric Laurent, 48, Geschäftsführer von Eznov, Hersteller einer automatisierten Drohne, beschäftigt sieben Mitarbeiter, verheiratet, zwei Kinder, lebt in Rambouillet bei Paris.

„Der nächste Präsident muss realpolitisch sein und unser Leben vereinfachen. Fördermittel in der Forschung und Entwicklung sollten schnellstmöglich in innovative Projekte fließen. Wir haben viele sehr gute Ideen in Frankreich, aber nahezu alle Start-ups werden an ausländische Firmen verkauft. Wir sind gut darin, den Motor zu entwickeln und den ersten Gang einzulegen, aber wenn es dann Zeit ist, in den zweiten Gang zu schalten, ist es zu schwierig... Außerdem sollten einige Gebühren abgeschafft und den Unternehmen freien Lauf gelassen werden. Als Ausgleich könnte man uns von den zahlreichen verschiedenen Fördermitteln befreien, bei denen es für kleine Firmen sowieso zu kompliziert ist, sie zu beantragen. Am Ende gehen 80 Prozent der Steuergutschriften an große Unternehmen, die es gar nicht nötig hätten.“

Bild: AFP

Jeanne Lepers, 29, Schauspielerin und Autorin, single, lebt in Paris.„Politiker denken nicht wirklich über Kultur nach. Sie denken, sie müssten sie fördern, weil es politisch korrekt wäre, aber sie glauben nicht, dass Kultur uns helfen kann, die Welt und unser Zusammenleben zu verstehen. Wir sollten lokale Initiativen, die eine soziale Verbindung wie ein kleines Festival erzeugen, und Gruppen, die großartige Arbeit in den Banlieues leisten, stärker fördern. Allgemein gesagt erwarte ich einen Präsidenten, der Sinn stiftet und eine Vision für das Land hat. Ich erwarte, dass der nächste Präsident unsere Probleme in Worte fasst und diese in die Tat umsetzt.“ AFP

Die Schauspielerin

Jeanne Lepers, 29, Schauspielerin und Autorin, single, lebt in Paris.

„Politiker denken nicht wirklich über Kultur nach. Sie denken, sie müssten sie fördern, weil es politisch korrekt wäre, aber sie glauben nicht, dass Kultur uns helfen kann, die Welt und unser Zusammenleben zu verstehen. Wir sollten lokale Initiativen, die eine soziale Verbindung wie ein kleines Festival erzeugen, und Gruppen, die großartige Arbeit in den Banlieues leisten, stärker fördern. Allgemein gesagt erwarte ich einen Präsidenten, der Sinn stiftet und eine Vision für das Land hat. Ich erwarte, dass der nächste Präsident unsere Probleme in Worte fasst und diese in die Tat umsetzt.“

Bild: AFP

Sylvie Colas, 54, Bio-Geflügelzüchterin, verheiratet, drei Kinder, lebt in Lectoure im Südwesten Frankreichs.„Der Präsident sollte echten Landwirten wieder zu ihrem rechtmäßigen Platz in der Gesellschaft verhelfen. In den letzten 15 Jahren hat sich die Zahl der Bauern in Lectoure halbiert. Es gibt ländliche Gebiete, in denen kein einziger Bauer mehr existiert. Die Leute verstopfen die Städte, obwohl die ländlichen Gebiete ebenso das Potenzial zum Leben bieten. Die Fördermittel müssen weniger dafür eingesetzt werden, die Produktion von landwirtschaftlichen Produkten hochzufahren, sondern vielmehr um die wahren Bedürfnisse der Bauern zu berücksichtigen. Der nächste Präsident muss aufhören, auf die Lebensmittelindustrie zu hören, und sich den Produzenten und Verbrauchern zuwenden. Er muss sich selbst fragen was gesund ist – die Ernährung von morgen muss „Bio“ sein und Jobs schaffen. Ein Landwirt kann Arbeitsplätze für vier oder fünf Personen generieren.“ AFP

Die Bio-Landwirtin

Sylvie Colas, 54, Bio-Geflügelzüchterin, verheiratet, drei Kinder, lebt in Lectoure im Südwesten Frankreichs.

„Der Präsident sollte echten Landwirten wieder zu ihrem rechtmäßigen Platz in der Gesellschaft verhelfen. In den letzten 15 Jahren hat sich die Zahl der Bauern in Lectoure halbiert. Es gibt ländliche Gebiete, in denen kein einziger Bauer mehr existiert. Die Leute verstopfen die Städte, obwohl die ländlichen Gebiete ebenso das Potenzial zum Leben bieten. Die Fördermittel müssen weniger dafür eingesetzt werden, die Produktion von landwirtschaftlichen Produkten hochzufahren, sondern vielmehr um die wahren Bedürfnisse der Bauern zu berücksichtigen. Der nächste Präsident muss aufhören, auf die Lebensmittelindustrie zu hören, und sich den Produzenten und Verbrauchern zuwenden. Er muss sich selbst fragen was gesund ist – die Ernährung von morgen muss „Bio“ sein und Jobs schaffen. Ein Landwirt kann Arbeitsplätze für vier oder fünf Personen generieren.“

Bild: AFP

Jean-Paul Etchemendy, 49, Edel-Bäcker mit zehn Angestellten und einem Auszubildenden, verheiratet, drei Kinder, lebt in Saint-Étienne-de-Baïgorry nahe der spanischen Grenze.„Er sollte die Kosten für Arbeitgeber senken! Ich ersticke an den Lohnkosten. Ich arbeite zwölf bis vierzehn Stunden am Tag. Wenn ich könnte, würde ich mehr Menschen beschäftigen, aber es ist mir aus finanziellen Gründen nicht möglich – und das, ohne den Mangel an Bäckern und Konditormeistern auf dem Jobmarkt mit einzurechnen. Ich weiß nicht, ob es deshalb ist, weil wir hier mitten im Baskenland leben. Vielleicht ist es an der Küste einfacher, qualifiziertes Personal zu finden. Jedenfalls steigen die Kosten, wenn man hier geeignete Leute findet. Dann gibt es noch die Möglichkeit, Aushilfen oder Minijobber anzustellen. Aber die sind so teuer wie Kurzarbeiter, weil man am Ende so viele Bonuszahlungen leisten muss ... und das bringt einen um.“ AFP

Der Bäcker

Jean-Paul Etchemendy, 49, Edel-Bäcker mit zehn Angestellten und einem Auszubildenden, verheiratet, drei Kinder, lebt in Saint-Étienne-de-Baïgorry nahe der spanischen Grenze.

„Er sollte die Kosten für Arbeitgeber senken! Ich ersticke an den Lohnkosten. Ich arbeite zwölf bis vierzehn Stunden am Tag. Wenn ich könnte, würde ich mehr Menschen beschäftigen, aber es ist mir aus finanziellen Gründen nicht möglich – und das, ohne den Mangel an Bäckern und Konditormeistern auf dem Jobmarkt mit einzurechnen. Ich weiß nicht, ob es deshalb ist, weil wir hier mitten im Baskenland leben. Vielleicht ist es an der Küste einfacher, qualifiziertes Personal zu finden. Jedenfalls steigen die Kosten, wenn man hier geeignete Leute findet. Dann gibt es noch die Möglichkeit, Aushilfen oder Minijobber anzustellen. Aber die sind so teuer wie Kurzarbeiter, weil man am Ende so viele Bonuszahlungen leisten muss ... und das bringt einen um.“

Bild: AFP

Edwige Garnier, 41, nichtberufstätige Mutter, verheiratet, neun Kinder, Aktivistin in der konservativen „Manif-pour-tous“-Bewegung, lebt in der Nähe von Paris.„Wir brauchen eine Familien- und Erziehungsreform. Beispielsweise bevorzuge ich ein System von Bildungsschecks, ähnlich wie in den Vereinigten Staaten. Familien erhalten so einen Scheck, um ihre Wunsch-Schule zu bezahlen – egal ob privat oder öffentlich. Unsere neun Kinder haben alle Schulsysteme getestet und wir mussten für die Privatschule noch zusätzlich zu den Gebühren bezahlen – das ist unfair! Außerdem wünsche ich mir, dass das Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe und das Gesetz, welches die Anti-Abtreibungs-Werbung auf Webseiten bestraft, widerrufen werden. Es ist praktisch die einzige Sperre, die im Internet existiert!“ AFP

Die neunfache Mutter

Edwige Garnier, 41, nichtberufstätige Mutter, verheiratet, neun Kinder, Aktivistin in der konservativen „Manif-pour-tous“-Bewegung, lebt in der Nähe von Paris.

„Wir brauchen eine Familien- und Erziehungsreform. Beispielsweise bevorzuge ich ein System von Bildungsschecks, ähnlich wie in den Vereinigten Staaten. Familien erhalten so einen Scheck, um ihre Wunsch-Schule zu bezahlen – egal ob privat oder öffentlich. Unsere neun Kinder haben alle Schulsysteme getestet und wir mussten für die Privatschule noch zusätzlich zu den Gebühren bezahlen – das ist unfair! Außerdem wünsche ich mir, dass das Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe und das Gesetz, welches die Anti-Abtreibungs-Werbung auf Webseiten bestraft, widerrufen werden. Es ist praktisch die einzige Sperre, die im Internet existiert!“

Bild: AFP

Kevin Polizzi, 35, verheiratet, zwei Kinder, Präsident und Gründer des Datenverarbeiters Jaguar Network, lebt in Istres an der Côte d'Azur.„Mehr als alles andere erwarte ich vom nächsten Präsidenten, dass er perfekt Englisch spricht und unsere Wirtschaft und die Unternehmen repräsentieren kann, um die Auftragsbücher der französischen Firmen zu füllen und deren internationalen Geschäfte anzukurbeln. Außerdem sollte der Präsident ein Gespür für die digitalen Herausforderungen haben – es besteht ein tiefgreifender Einfluss auf unsere Arbeits- und Lebensweise, sowie die Art des Regierens. Außerdem erwarte ich sinnvolle Steuern, welche die Entwicklung eines starken Managements fördern und es den Unternehmen erlauben, sich wiederherzustellen und ambitionierter zu werden.“ AFP

Der Unternehmer

Kevin Polizzi, 35, verheiratet, zwei Kinder, Präsident und Gründer des Datenverarbeiters Jaguar Network, lebt in Istres an der Côte d'Azur.

„Mehr als alles andere erwarte ich vom nächsten Präsidenten, dass er perfekt Englisch spricht und unsere Wirtschaft und die Unternehmen repräsentieren kann, um die Auftragsbücher der französischen Firmen zu füllen und deren internationalen Geschäfte anzukurbeln. Außerdem sollte der Präsident ein Gespür für die digitalen Herausforderungen haben – es besteht ein tiefgreifender Einfluss auf unsere Arbeits- und Lebensweise, sowie die Art des Regierens. Außerdem erwarte ich sinnvolle Steuern, welche die Entwicklung eines starken Managements fördern und es den Unternehmen erlauben, sich wiederherzustellen und ambitionierter zu werden.“

Bild: AFP

Claude Guillon, 65, verheiratet, zwei Kinder, Landwirt im Ruhestand, lebt in Monthodon in Zentralfrankreich.„Der Präsident sollte würdevoll sein, einen Gemeinschaftssinn haben und Frankreich geeignet repräsentieren. Er sollte nicht von Tag zu Tag regieren. Er sollte an die zukünftigen Generationen und an die Zukunft Frankreichs, Europas größtes Agrarland, denken, indem er die französischen Produkte priorisiert und den Import von genetisch veränderten Produkten unterbindet. Außerdem sollte er den Unternehmen das Leben einfacher gestalten. Jeden Tag schlagen sie sich mit restriktiven Regeln, schwerfälligen bürokratischen Hürden und hohen Sozialversicherungskosten herum. Dies hält kleine Unternehmen, ein Symbol unserer ländlichen Wirtschaft, zurück und ist zum Nachteil aller Arbeiter.“ AFP

Der Landwirt im Ruhestand

Claude Guillon, 65, verheiratet, zwei Kinder, Landwirt im Ruhestand, lebt in Monthodon in Zentralfrankreich.

„Der Präsident sollte würdevoll sein, einen Gemeinschaftssinn haben und Frankreich geeignet repräsentieren. Er sollte nicht von Tag zu Tag regieren. Er sollte an die zukünftigen Generationen und an die Zukunft Frankreichs, Europas größtes Agrarland, denken, indem er die französischen Produkte priorisiert und den Import von genetisch veränderten Produkten unterbindet. Außerdem sollte er den Unternehmen das Leben einfacher gestalten. Jeden Tag schlagen sie sich mit restriktiven Regeln, schwerfälligen bürokratischen Hürden und hohen Sozialversicherungskosten herum. Dies hält kleine Unternehmen, ein Symbol unserer ländlichen Wirtschaft, zurück und ist zum Nachteil aller Arbeiter.“

Bild: AFP

Gildas Lamette, 39, single, keine Kinder, Kellner, lebt in Rennes in der Bretagne.„Er oder Sie muss ein Beispiel setzen. Es dürfen keine neuen Skandale auftauchen, wie bei François Fillon oder dem Front National. Der Präsident muss so weit wie möglich unabhängig von Lobbyisten bleiben. Für mich persönlich sind Umweltverpflichtungen am wichtigsten, weil wir über die Umwelt zu neuen Jobs, neuen Technologien und Mehrwert gelangen. Ich hoffe, der neue Präsident wird mit einem klaren Kopf handeln und Atomkraftwerke abschalten, wozu François Hollande nicht in der Lage war. Unsere Verpflichtung als Bürger und unsere Zukunft auf diesem Planeten sind in Gefahr.“ AFP

Der Kellner

Gildas Lamette, 39, single, keine Kinder, Kellner, lebt in Rennes in der Bretagne.

„Er oder Sie muss ein Beispiel setzen. Es dürfen keine neuen Skandale auftauchen, wie bei François Fillon oder dem Front National. Der Präsident muss so weit wie möglich unabhängig von Lobbyisten bleiben. Für mich persönlich sind Umweltverpflichtungen am wichtigsten, weil wir über die Umwelt zu neuen Jobs, neuen Technologien und Mehrwert gelangen. Ich hoffe, der neue Präsident wird mit einem klaren Kopf handeln und Atomkraftwerke abschalten, wozu François Hollande nicht in der Lage war. Unsere Verpflichtung als Bürger und unsere Zukunft auf diesem Planeten sind in Gefahr.“

Bild: AFP

Sophie Plataret, 21, single, Teilzeitangestellte in einer Versicherung, lebt in Chambery„Der Präsident sollte die Renten reformieren, sodass wir ein faires System haben, welches es uns allen erlaubt, ein gutes Leben zu führen. Das System, welches von François Fillon (damals Premierminister) im Jahr 2001 eingeführt wurde, sollte wieder eingeführt werden: Die Pensionen von Angestellten im öffentlichen Dienst sollten auf ein Level mit denen von Angestellten im privaten Sektor gebracht werden. Ich bin jung und sehe einige Rentner, die sich keine Aufstockung ihrer Krankenversicherung leisten können. Die Renten werden auf Basis der besten Arbeitsjahre berechnet, aber indem Abschlüsse bewertet werden, werden junge Leute dazu gebracht, länger zu studieren. Berufliche Erfahrung sollte viel mehr zählen. Wenn man also schnellstmöglich einen Job haben will, um sicher zu sein, dass man eine Rente bekommt, endet man mit einer Berufswahl, in der man sich nicht unbedingt wohl fühlt.“ AFP

Die Teilzeitangestellte

Sophie Plataret, 21, single, Teilzeitangestellte in einer Versicherung, lebt in Chambery

„Der Präsident sollte die Renten reformieren, sodass wir ein faires System haben, welches es uns allen erlaubt, ein gutes Leben zu führen. Das System, welches von François Fillon (damals Premierminister) im Jahr 2001 eingeführt wurde, sollte wieder eingeführt werden: Die Pensionen von Angestellten im öffentlichen Dienst sollten auf ein Level mit denen von Angestellten im privaten Sektor gebracht werden. Ich bin jung und sehe einige Rentner, die sich keine Aufstockung ihrer Krankenversicherung leisten können. Die Renten werden auf Basis der besten Arbeitsjahre berechnet, aber indem Abschlüsse bewertet werden, werden junge Leute dazu gebracht, länger zu studieren. Berufliche Erfahrung sollte viel mehr zählen. Wenn man also schnellstmöglich einen Job haben will, um sicher zu sein, dass man eine Rente bekommt, endet man mit einer Berufswahl, in der man sich nicht unbedingt wohl fühlt.“

Bild: AFP

Veronique Barthe, 49, geschieden, drei Kinder, Winzerin, lebt in Gironde im Südwesten Frankreichs.„Ich wünsche mir von unserem nächsten Präsidenten, dass er Wein genießt, französische Produkte verteidigt und mit Europa zusammenarbeitet, um Handelsabkommen mit Ländern wie Japan oder China abzuschließen, mit denen unser Geschäft angekurbelt werden würde. Einiges hat sich getan in ländlichen Gebieten um den Einfluss unserer Arbeit auf die Umwelt zu verstehen. Verantwortliche Winzer wie wir sollten ermutigt werden und Hilfe bekommen. Hier sind einige Vorschläge: Förderung der Weingüter, die umweltbewusst handeln und Bio-zertifiziert sind; Entwicklung von Techniken, um die Qualität der Böden zu verbessern; Investitionen in innovative Geräte; Erforschung neuartiger Traubensorten.“ AFP

Die Winzerin

Veronique Barthe, 49, geschieden, drei Kinder, Winzerin, lebt in Gironde im Südwesten Frankreichs.

„Ich wünsche mir von unserem nächsten Präsidenten, dass er Wein genießt, französische Produkte verteidigt und mit Europa zusammenarbeitet, um Handelsabkommen mit Ländern wie Japan oder China abzuschließen, mit denen unser Geschäft angekurbelt werden würde. Einiges hat sich getan in ländlichen Gebieten um den Einfluss unserer Arbeit auf die Umwelt zu verstehen. Verantwortliche Winzer wie wir sollten ermutigt werden und Hilfe bekommen. Hier sind einige Vorschläge: Förderung der Weingüter, die umweltbewusst handeln und Bio-zertifiziert sind; Entwicklung von Techniken, um die Qualität der Böden zu verbessern; Investitionen in innovative Geräte; Erforschung neuartiger Traubensorten.“

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