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16.01.2015

00:05 Uhr

„Charlie Hebdo“-Satire

„Auch Propheten dürfen beleidigt werden“

VonDietmar Neuerer

Der türkische Premier Davutoglu hat mit seiner Kritik an der neuen Mohammed-Karikatur aus „Charlie Hebdo“ harsche Reaktionen provoziert. Für deutsche Politiker gehört die Beleidigung des Propheten zur Pressefreiheit.

Die umstrittene Mohammed-Satire auf dem Cover von "Charlie Hebdo": Für die Türkei hat das Motiv mit Pressefreiheit nichts mehr zu tun. dpa

Die umstrittene Mohammed-Satire auf dem Cover von "Charlie Hebdo": Für die Türkei hat das Motiv mit Pressefreiheit nichts mehr zu tun.

BerlinDie Mohammed-Karikatur auf dem Cover der neuen Ausgabe der französischen Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ sorgt in zahlreichen muslimischen Ländern für Ärger. Dass die Türkei deshalb die Pressefreiheit infrage stellt, sorgt für großen Unmut in Deutschland. Politiker von Koalition und Opposition kritisierten die Haltung des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu zur Pressefreiheit im Zusammenhang mit dem Abdruck der Satire scharf.

„Das Verhalten des türkischen Regierungschefs spaltet womöglich Völker und Gesellschaften und schürt auch bei uns Vorbehalte gegenüber dem Islam in denjenigen Gruppen, die sich zur sogenannten Pegida zählen“, sagte der Obmann der Unions-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter (CDU), dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Hier müssen wir mit Aufklärung und Mut zur Freiheit den Demagogen entgegenwirken.“

Der türkische Ministerpräsident hatte die Veröffentlichung der Mohammed-Karikatur auf der Titelseite der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ am Donnerstag als „schwere Provokation“ bezeichnet. Der islamisch-konservative Politiker fügte hinzu: „Die Pressefreiheit bedeutet nicht die Freiheit zu beleidigen.“ Die Beleidigung des Propheten könne nicht akzeptiert werden.

Journalisten und Zeichner als Ziel von Anschlägen

Februar 2013

Der 70 Jahre alte dänische Journalist Lars Hedegaard übersteht in Kopenhagen ein Attentat unverletzt und kann den unbekannten Täter selbst in die Flucht schlagen. Zuvor hatte eine Pistolenkugel den Kopf des Islamkritikers knapp verfehlt.

November 2011

Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die Redaktion des französischen Satireblattes „Charlie Hebdo“. Es brachte am gleichen Tag ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien heraus und hatte sich dazu in „Scharia Hebdo“ umbenannt. Als Chefredakteur war „Mohammed“ benannt worden.

Mai 2011

Ein Kopenhagener Gericht verurteilt den Tschetschenen Lors Dukajew für einen versuchten Anschlag auf die Zeitung „Jyllands-Posten“ zu zwölf Jahren Haft. Der 25-Jährige hatte sich 2010 in Kopenhagen bei der Explosion seines Sprengstoffes verletzt. Er wollte eine Briefbombe an die Redaktion der Zeitung schicken.

Mai 2010

Zwei Männer werfen Benzinflaschen durch ein Fenster in das Haus des schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks. Auf den Zeichner wurde bereits 2007 im Internet von einem El-Kaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar (108.000 Euro) ausgesetzt.

Januar 2010

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard, von dem die Mohammed-Karikaturen in „Jyllands-Posten“ stammen, entkommt nur knapp einem Attentat. Bereits 2008 hatten die dänischen Behörden Mordpläne gegen ihn aufgedeckt. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen.

November 2004

Der niederländische Islamkritiker Theo van Gogh bezahlt einen Film über die Unterdrückung der Frauen im Islam mit dem Leben. Er wird in Amsterdam von einem muslimischen Extremisten ermordet. Auf der Leiche hinterließ der Täter einen Brief mit Morddrohungen gegen weitere Niederländer.

Kiesewetter betonte, dass die Presse- und Meinungsfreiheit als universelles Menschenrecht seit 1948 in der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen niedergelegt sei. Sie ist sei Grundrecht aller Menschen unabhängig von Religion und Region. „Dazu gehört auch das Recht, Propheten beleidigen zu dürfen“, sagte der CDU-Politiker. „Was ist das für ein Staat, der, wie die Türkei, in dieses Freiheitsrecht eingreift?“ Deutschland sei hingegen ein weltoffenes Land, das großen Wert auf die Trennung von Politik und Religion lege. „Religion ist Privatsache und muss Privatangelegenheit aller Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland bleiben“, so Kiesewetter.

Auch der Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), forderte die Türkei im Handelsblatt zur Achtung der Pressefreiheit auf. „Wer frei leben möchte, muss die Freiheit des Anderen aushalten können - auch wenn sie manchmal schwer erträglich scheint.“

Kommentare (19)

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Herr Teito Klein

16.01.2015, 08:01 Uhr

Davutoglu schränkt Pressefreiheit ein
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Wie sagte noch Erdogan? "Die Türkei ist das Land mit der größten Pressefreiheit der Welt".
Da hatte er aber nicht mit Davutoglu gerechnet.
Davutoglu verglich Pegida mit dem IS.

Herr Kurt Küttel

16.01.2015, 09:52 Uhr

Islam = Faschismus = mit Demokratie nicht vereinbar!
Darum ISLAMVERBOT sofort!

Herr Hikmet Özdemir

16.01.2015, 10:07 Uhr

Der Papst ist genau entgegengesetzte Meinung: Die Meinungsfreiheit hat Grenzen - Auf dem Weg nach Manila mahnt Papst Franziskus, jede Religion habe eine „Würde, über die man sich nicht lustig machen kann“.

Die Meinungsfreiheit hat nach Ansicht von Papst Franziskus Grenzen - dann, wenn sie religiöse Gefühle anderer verletzt. „Viele Menschen ziehen über Religion her, das kann passieren, hat aber Grenzen.

Denn man kann den Glauben der anderen nicht herausfordern, beleidigen oder lächerlich machen“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag das Oberhaupt der Katholiken weiter. Gleichzeitig betonte der Papst, dass man im Namen Gottes nicht töten dürfe. FAZ, v. 15.01.2015.

Mehr fordert Davutoglu und Erdogan auch nicht. Sie sind auf der Linie mit dem Oberhaupt der Christen.

Warum also Davutoglu- und Erdogan Bashing?

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