Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.11.2015

12:51 Uhr

IS-Schmuggel

Asyl für Kulturgüter

Mit dem Verkauf illegaler Kunstschätze füllt der IS seine Kassen. Nun will Frankreich die Geldquelle der Terrormiliz trocken legen. Eine schwarze Liste von Hehlerparadiesen und ein Asyl für Museen sind erste Vorschläge.

Auf 100 Seiten hat der Direktor des Pariser Louvre Maßnahmen entworfen. ap

Jean-Luc Martinez

Auf 100 Seiten hat der Direktor des Pariser Louvre Maßnahmen entworfen.

ParisDer Schmuggel von antiken Kulturgütern gilt als wichtige Geldquelle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Frankreich will das verhindern - und den Schätzen Asyl bieten. Auf 100 Seiten hat der Direktor des Pariser Louvre, Jean-Luc Martinez, Maßnahmen dafür entworfen. Frankreichs Präsident François Hollande hatte ihn darum gebeten.

Dass die Vorschläge wenige Tage nach den blutigen Anschlägen in Paris bekanntgegeben wurden, verleiht ihnen noch mehr Bedeutung. Verschärfte Aus- und Einfuhrkontrollen, eine schwarze Liste von „Hehlerparadiesen“ und die Schaffung eines „Asyls für Museen“ sind nur einige der Vorschläge gegen den Schwarzhandel der Dschihadisten.

Dabei sieht sich Frankreich als Vorreiter und will einige der Maßnahmen in einem Gesetzesentwurf verankern, über den das Parlament demnächst abstimmen soll. Neben dem Verkauf von Öl und Spenden sehen Experten den illegalen Handel mit antiker Kunst aus Syrien und dem Irak als eine wichtige Finanzquelle der Extremisten.

Die Terrororganisation erteile ihren Mitgliedern die Erlaubnis zu archäologischen Ausgrabungen, erhebe Steuern auf Kunstschätze, die später über Freihandelshäfen auf den internationalen Schwarzmarkt gelangen, sagte der französische Staatspräsident François Hollande vor der 70. Generalkonferenz der Unesco. Dem obersten Entscheidungs- und Kontrollorgan der UN-Sonderorganisation hatte der Staatschef den Maßnahmenkatalog bereits Anfang der Woche vorgestellt.

Hollande sei im März nach den Anschlägen im Nationalmuseum von Bardo in der tunesischen Hauptstadt Tunis mit dem Auftrag an ihn herangetreten, sagte Louvre-Direktor und Kunsthistoriker Jean-Luc Martinez der Deutschen Presse-Agentur in Paris.

Wichtig sei es, die Maßnahmen auf europäischer und internationaler Ebene zu harmonisieren, vor allem im Bereich der Aus- und Einfuhrkontrollen von Kunstschätzen aus Krisengebieten, sagte Martinez. Nicht alle Länder verlangen gültige Ausfuhrerlaubnisse aus den jeweiligen Herkunftsländern. Auch Deutschland hat erst jetzt in seinem neuen umstrittenen Kulturgütergesetz die Sorgfaltspflicht in diesem Bereich verstärkt.

Wir brauchen eine neue Sprache: Was Krieg im 21. Jahrhundert heißt

Wir brauchen eine neue Sprache

Premium Was Krieg im 21. Jahrhundert heißt

Weltweit wächst eine neue Form der Bedrohung für die Länder und die Menschen: Wissenschaftler und Ökonom Moises Naim warnt vor der tödlichen Kombination von neuen Technologien und Terrorismus. Ein Gastkommentar.

Frankreich will zudem „Refugien“ anbieten, Orte, an denen Museen ihre von Plünderung oder Zerstörung bedrohten Werke zeitweise aufbewahren können. Hollande nannte das ein „Asyl für Museen“.

„Das Asylrecht gilt für Personen, und wir müssen es übrigens garantieren, selbst in den schmerzhaften, bedrückenden Umständen, die wir gerade erleben“, betonte er vor dem Hintergrund der Terroranschläge von Paris. „Aber das Asyl gilt auch für Werke, für das Welterbe.“ Erst Anfang Oktober hatte die Terrormiliz den antiken Triumphbogen im syrischen Palmyra gesprengt.

Martinez schlägt auch vor, eine schwarze Liste von „Hehlerparadiesen“ zu erstellen und „Musées de saisies“ zu gründen, also Museen für beschlagnahmte Kulturgüter. Die schwarze Liste mit Namen von Institutionen und Sammlern, die illegale Kunstschätze in ihrem Besitz haben oder mit ihnen handeln, müsse unter die Schirmherrschaft der Unesco gestellt werden, sagte der 51-jährige Fachmann.

Die Maßnahmen sollen aus einem internationalen Fonds finanziert werden. Das Geld sei kein Problem, meinte der Chef des Louvre. Wichtig sei es, gemeinsam vorzugehen und eine Allianz zu bilden.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×