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02.04.2015

15:34 Uhr

Kenia im Schockzustand

Angriff von Al-Shabaab-Miliz

Kenia lebt in ständiger Angst. Islamisten aus dem Nachbarland Somalia wollen Vergeltung. Grund: Nairobi ist mit Truppen gegen die Al-Shabaab-Miliz im Einsatz. Jetzt wurde eine Universität zur Zielscheibe.

Terrorangriff auf kenianische Uni

Islamisten nehmen christliche Geiseln in Kenia

Terrorangriff auf kenianische Uni: Islamisten nehmen christliche Geiseln in Kenia

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Nairobi/GarissaSchock und pure Angst stehen den Studenten ins Gesicht geschrieben, die im Morgengrauen dem blutigen Islamistenangriff auf die Universität von Garissa gerade noch entkommen sind. „Die Angreifer haben willkürlich auf alle fliehenden Studenten geschossen“, sagt der Hochschüler Abdi Fatah entsetzt. Es gibt viele Tote und Verletzte. Aber wirklich überraschend kommt die Attacke am Donnerstag nicht – es hat Drohungen gegeben.

Schon seit Jahren wird Kenia von Angriffen der somalischen Al-Shabaab-Miliz erschüttert, die den Abzug der Truppen aus dem Nachbarland fordert – und gerade Garissa gilt als eines der wichtigsten Zentren für die Logistik der Militäroperation.

Der Zeitpunkt der Attacke scheint auch nicht zufällig gewählt: März war kein guter Monat für die Al-Shabaab, die gleich mehrere Rückschläge hinnehmen musste und nun offenbar Vergeltung üben wollte. So gelang es der somalischen Armee mit Unterstützung von Soldaten der Afrikanischen Union (AU), den wichtigen Bezirk Masjid Ali Gadud im Süden des Landes von der Terrorgruppe zurückzuerobern. Das Gebiet gilt als wichtige Transitstrecke der Gruppe.

Blutiger Terror in Nigeria

Dezember 2010

Bei blutigen Angriffe auf Christen in Nigeria sterben an Heiligabend mindestens 80 Menschen. In und um die Stadt Jos im Zentrum des Landes explodieren mehrere Bomben. Dutzende Angreifer attackieren eine Kirche in Maiduguri. Am 26. Dezember gehen erneut mehrere Häuser in Flammen auf. In Jos kommt es nach den Explosionen zu Zusammenstößen.

Januar 2011

Bei Sprengstoffexplosionen werden in der Neujahrsnacht mindestens elf Menschen getötet. Für die Anschläge in einer Kirche und auf einem Kasernengelände stehen muslimische Extremisten im Verdacht.

Juni 2011

Bei mehreren Angriffen der radikalislamistischen Sekte Boko Haram innerhalb weniger Wochen sterben mehr als 30 Menschen. Ein Anschlag traf einen von Polizisten und Soldaten besetzten Biergarten. Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil ab – auch das Trinken von Alkohol.

Dezember 2011

Auch im Folgejahr kommt es am 24. Dezember zu neuen Anschlägen. In der Folgezeit werden regelmäßig christliche Gebäude bombardiert. Boko Haram hat es maßgeblich auf Kirchen abgesehen. Christen werden gezielt angegriffen und getötet.

November 2012

Bei einem Gefecht in der nordnigerianischen Stadt Maiduguri mit dem örtlichen Militär wird Ibn Saleh Ibrahim, der Anführer von Boko Haram, erschossen.

Februar 2013

Die Terrorgruppe hat es inzwischen auch gezielt auf Ausländer abgesehen. Zunächst werden sieben Mitarbeiter einer britischen Baufirma, wenige Tage später eine mehrköpfige Familie aus Frankreich entführt.

Mai 2013

Angesichts der blutigen Situation ruft Nigerias Präsident Goodluck Jonathan den Notstand aus. Experten zufolge hat die Terrorgruppe Boko Haram bis zu diesem Zeitpunkt über 4000 Menschen getötet.

Januar 2014

Fast jeden Tag gibt es Meldungen über neue Entführungen und Morde. Die Terrormiliz geht weiter ungeachtet mit größter Brutalität vor und warnt andere Staaten vor militärischer Intervention.

März 2015

Nach eigenen Angaben hat es die nigerianische Armee geschafft, das Hauptquartier von Boko Haram zu zerstören. Zahlreiche Mitglieder der Terrormiliz seien getötet worden. Erst wenige Tage zuvor hatte Boko Haram eine Gruppe von knapp 500 Frauen und Kindern entführt.

Zwei Wochen später konnten somalische Sicherheitskräfte in Mogadischu einen wichtigen Kommandeur der Miliz festnehmen, der dort Anschläge plante. Und im Südwesten des Landes wurde bei einem Drohnenangriff Aden Garar getötet, einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Terrorattacke auf das Einkaufszentrum Westgate in Nairobi, bei dem 2013 mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen waren.

Überhaupt weckt der jüngste Angriff Erinnerungen an das Westgate-Drama. In beiden Fällen gelang es den Sicherheitskräften lange Zeit nicht, die Gebäude wieder unter Kontrolle zu bringen. In Westgate führte eine Erstürmung des Zentrums nach vier Tagen zum blutigen Ende der Geiselnahme. Zudem war weder in Nairobi noch in Garissa klar, wie viele Menschen sich genau in der Gewalt der Extremisten befanden.

Terrororganisation: Boko Haram greift Großstadt in Nigeria an

Terrororganisation

Boko Haram greift Großstadt in Nigeria an

In der nigerianischen Stadt Gombe darf niemand mehr vor die Tür: Die Regierung hat eine Ausgangssperre verhängt, nachdem Terroristen von Boko Haram die Stadt angegriffen haben. Anwohner berichten von Gewehrfeuer überall.

„Ich rufe alle Kenianer auf, Ruhe zu bewahren, bis die Normalität wiederhergestellt ist“, versuchte Polizeichef Joseph Boinnet am Donnerstag die Bevölkerung zu beschwichtigen. Aber ruhig sind die Menschen in dem ostafrikanischen Land schon lange nicht mehr. Denn der anhaltende Terror hat nicht nur den Tourismus im einstigen Safariparadies zum Erliegen gebracht, auch die Behörden wirken völlig hilflos im Kampf gegen die Islamisten.

Erst in der vergangenen Woche hatte die Regierung angekündigt, die Kontrollen an der 700 Kilometer langen Grenze zu Somalia drastisch zu verstärken. „Dies ist ein groß angelegtes Projekt, das unter anderem die Einrichtung von Pufferzonen, elektronische Überwachungen und verstärkte Patrouillen vorsieht“, hatte der Sprecher des Innenministeriums, Mwenda Njoka, lauthals verkündet. Die Grenze sollte so weniger durchlässig für somalische Fundamentalisten werden. Genutzt hat es bisher nichts.

Von

dpa

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