Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.09.2014

18:58 Uhr

+++ Liveblog +++

EU offenbar uneins über Sanktionen

Die EU kann sich noch nicht auf neue Sanktionen einigen. Es gibt unerwartete Probleme. Russland droht im Gegenzug mit Überflugverboten. Unterdessen verstärkt die ukrainische Führung die Truppen in Mariupol.

Krise in der Ostukraine

Waffenruhe unter Druck

Krise in der Ostukraine: Waffenruhe unter Druck

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Im Schwarzen Meer beginnt an diesem Montag ein Manöver von US-Marine und ukrainischem Militär. Drei Tage soll die Übung dauern. Am Abend berät die EU über weitere Strafmaßnahmen gegen Russland. Die Ereignisse des Tages im Liveblog.

+++ Merkel betont Notwendigkeit von Sanktionen +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Notwendigkeit neuer Russland-Sanktionen bekräftigt. Mit Blick auf die von der EU vorgesehene Ausweitung der Wirtschaftssanktionen sagte Merkel am Montagabend in der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nach Angaben mehrerer Teilnehmer, dieser Schritt sei trotz des vereinbarten Waffenstillstands nötig. Russland, dem vorgeworfen wird, die prorussischen Separatisten mit Personal und Material zu unterstützen, habe den Westen schon mehrfach getäuscht, sagte sie zur Begründung. Noch immer befänden sich russische Kämpfer und russisches Militärgerät in der Ostukraine.

+++ Automarkt bricht ein +++

Der seit Monaten in der Krise steckende russische Automarkt ist weiter eingebrochen. Der russische Marktführer Awtowas verkaufte im August 32 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahresmonat, wie die Vereinigung Europäischer Unternehmen (AEB) am Montag in Moskau mitteilte. In den Monaten Januar bis August sank der Absatz des für seine Traditionsmarke Lada bekannten Konzerns demnach um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 247 000 Autos. Der französisch-japanische Konzern Renault-Nissan hält die Mehrheit an dem Unternehmen.

+++ EU uneins über Sanktionen +++

Der Beschluss neuer EU-Sanktionen verzögert sich weiter. Es gibt offenbar Probleme. Unerwartet wurde ein erneutes Treffen der EU-Botschafter einberufen, um noch einmal über die geplanten Sanktionen zu beraten. „Wir haben zugestimmt, das haben aber nicht alle Mitgliedstaaten getan“, sagte ein Vertreter eines EU-Landes

+++Merkel glaubt weiter an Partnerschaft mit Russland+++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält trotz des Ukrainekonflikts eine dauerhafte Entfremdung Russlands und des restlichen Europas für vermeidbar. „Russland kann jederzeit wieder ein guter Partner sein“, sagte Merkel am Montag dem Sender Sat1. „Die Tür für Gespräche bleibt offen.“ Sie selber werde weiter mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Kontakt bleiben: Diese Gesprächsfähigkeit „sollten wir uns unbedingt erhalten“. Merkel räumte ein, dass es „deutliche Meinungsunterschiede“ mit Putin gebe. Merkel verteidigte in dem Interview die Politik der Sanktionen: Solche Strafmaßnahmen könnten „manchmal mit ihrer Wirkung eine gewisse Zeit brauchen - das ist gar keine Frage“, räumte die Kanzlerin ein. „Aber sie sind das Mittel, wenn man sagt, militärische Mittel kommen nicht in Frage. Und davon bin ich zutiefst überzeugt.“

+++Separatisten lassen 1200 ukrainische Soldaten frei+++

Die pro-russischen Separatisten in der Ukraine haben Präsident Petro Poroschenko zufolge 1200 gefangene Soldaten freigelassen. Auch das gab Poroschenko bei seinem überraschenden Besuch in Mariupol bekannt. Ein Austausch von Gefangenen gehört zu den Vereinbarungen der am Freitag ausgerufenen Feuerpause. Mit der Waffenruhe ist die Hoffnung auf ein Ende des seit Monaten anhaltenden Konflikts in der Ostukraine verbunden.

+++ Poroschenko schickt Panzer in ukrainische Front-Stadt +++
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat den Bewohnern Mariupols bei einem Besuch der Front-Stadt seine Unterstützung im Kampf gegen prorussische Separatisten zugesichert. „Mariupol ist Teil der Ukraine. Wir werden dieses Land niemanden überlassen“, erklärte er über den Kurznachrichtendienst Twitter nach seinem Eintreffen in der strategisch wichtigen Hafenstadt im Südosten der Ukraine. Er beklagte auch, pünktlich zu der Zeit,für die seine Ankunft in Mariupol angekündigt war, habe es wieder Beschuss gegeben. Er habe militärische Verstärkung zur Verteidigung der 500.000-Einwohner-Metropole angeordnet in Form von Panzern und Raketenwerfern. Außerdem werde der Luftraum überwacht. „Der Feind wird eine vernichtende Niederlage erleiden.“

+++ Sanktionen zielen auf Energiekonzerne +++
Die neuen Sanktionen gegen Russland sollen einem EU-Diplomaten zufolge auch den Ölriesen Rosneft treffen. EU-Firmen dürften demnach keine Kredite mehr an den Konzern vergeben, verlautete am Montag in Brüssel. Auch das für die Öl-Pipelines zuständige Unternehmen Transneft sowie die Gazprom-Tochter Gazprom Neft würden mit den Strafmaßnahmen belegt. Maßgabe ist, dass die Firmen Vermögen von mehr als 20,81 Milliarden Euro aufweisen und mindestens 50 Prozent des Umsatzes aus dem Verkauf oder Transport von Rohölprodukten oder Petroleum-Produkten stammt. Kontensperrungen und Einreiseverbote sollen mehreren EU-Diplomaten für weitere 24 Personen gelten, wenn die EU-Mitgliedsstaaten dem Paket zustimmen.

Die Mauer zwischen Russland und der Ukraine

2300 Kilometer...

... lang soll die Mauer zwischen Russland und der Ukraine nach dem Willen der ukrainischen Führung werden. Damit möchte die Führung in Kiew verhindern, dass heimlich Waffen und Kämpfer zur Verstärkung der moskautreuen Separatisten in die Ex-Sowjetrepublik gelangen. Die Ukraine wirft Russland vor, die Aufständischen auszurüsten. Moskau weist dies zurück und kritisiert die geplante Mauer.

Rund 400 Kilometer...

...Grenze sind aber derzeit nicht in der Hand der ukrainischen Behörden. Dort haben die Aufständischen die Kontrolle. In diesen Gebieten soll den Plänen Kiews zufolge erst in einer zweiten Phase gebaut werden. In einer ersten Phase soll in den Gebieten mit dem Bau begonnen werden, die der ukrainische Grenzschutz kontrolliert: in Tschernigow, Sumy und Charkow sowie im Norden des Raums Lugansk.

Provisorische Befestigungen...

... sind an der Grenze zu der von Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim geplant.

Herzstück des Mauerprojekts...

... sind ein Erdwall und ein mindestens vier Meter breiter und zwei Meter tiefer Graben. Ein fünf Meter breiter Sandstreifen soll Spuren von möglichen Grenzverletzungen zeigen. Alle 20 Kilometer ist ein Wachturm geplant.

Ein Zaun statt einer Mauer...

... ist für die weitgehend von den Aufständischen kontrollierten Gebiete Donezk und Lugansk. Alle 100 Meter sollen dort Kameras Grenzverstöße aufdecken helfen.

Rund 100 Millionen Euro...

... soll die Grenzbefestigung ersten Schätzungen zufolge kosten. Experten gehen von weitaus höheren Kosten aus. Der Bau soll in einem halben Jahr abgeschlossen sein.

+++Entscheidung über Sanktionen verzögert sich+++

Die Europäische Union hat die Frist für ihren offiziellen Beschluss neuer Sanktionen gegen Russland verlängert. Die Deadline wurde auf 18.00 Uhr verschoben“, sagte ein EU-Diplomat am Montag in Brüssel. Eigentlich sollten im Zuge des schriftlichen Verfahrens alle 28 Mitgliedstaaten bis 15.00 Uhr dem Sanktionspaket zustimmen. „Es sind noch nicht alle 28 Faxe eingetroffen“, sagte der Diplomat kurz nach dem Verstreichen der Frist. Dies sei aber nicht ungewöhnlich.

Kommentare (56)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Alexander Knoll

08.09.2014, 09:30 Uhr

Die Amerikaner zeigen mal wieder, dass sie auf der Höhe der Zeit sind. Klassische Antwort auf eine Krise - erst ein mal drohen.

Herr christoph freitag

08.09.2014, 09:44 Uhr

Leider ist die andere Seite schon lange über das "Drohen" hinaus. Von daher zeigt dieses hier und da mal Drohen der Amis eher deren Hilflosigkeit. Die Amis haben keine konkrete Antwort auf das taktisch geschickte Vorgehen der Russen.

Herr C. Falk

08.09.2014, 09:46 Uhr

"Sanktionen sind dummes Zeug" Orginalzitat Helmut Schmidt.

Sanktionen werden in jedem Fall zu Gegensanktionen führen.

Man sollte nicht vergessen, dass die von Nato/EU ausgelöste Sanktionsspirale mit dem Ziel "Russland ins Mark" zu treffen, wie sich Herr Martin Schulz, EU, auszudrücken beliebte, nicht nur zivile sondern möglicherweise auch militärische Überflüge betreffen könnte. Die gesamte Afghanistan-Versorgung und die Organisierung des Rückzugs läuft über Russland.

Also tiefer hängen, deeskalieren, Interessen ausbalancieren, nur das ist eine vernünftige Vorgehensweise..

Westentasche-Rasmusse wie Herr Gauck sollten in der deutschen Politik keinen Einfluss haben.
Dieser Prediger hat zumindest die entsprechende Antwort bekommen, Herr Kujat oder auch Herr Precht haben es bei der letzten Illner-Sendung an sehr deutlichen Worten in Richtung BP nicht fehlen lassen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×