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09.05.2014

21:14 Uhr

+++ Liveblog +++

USA verurteilen Putins Krim-Besuch

Russlands Präsident Putin ist zum ersten offiziellen Besuch auf der Krim eingetroffen. Anlass ist der Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland. In der Ostukraine sind bei Kämpfen zahlreiche Menschen getötet worden.

20 Separatisten getötet

Eskalation in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol

20 Separatisten getötet: Eskalation in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol

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Es ist der größte Feiertag in Russland: Traditionell marschieren in Moskau Tausende Soldaten zum 69. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland über den Roten Platz. Paraden gibt es auch in der Ostukraine, wo die Behörden vor Separatisten – die ein Referendum anstreben – kapitulieren. Befürchtet wird, dass es schon heute zu Ausschreitungen kommt. Die Ereignisse des Tages im Liveblog.

+++ „Putin tut alles dafür, das zu destabilisieren“ +++

Der russische Präsident Wladimir Putin will die Ukraine vor den für 25. Mai geplanten Wahlen destabilisieren, meint der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ (Samstag). „Diese Wahlen sind für die Zukunft der Ukraine sehr wichtig. Es geht jetzt darum, dass im ukrainischen Staat neue politische Legitimation entsteht. Genau das will Putin verhindern und tut alles dafür, das Land zu destabilisieren“, sagte Röttgen.

An dem Wahltermin aber müsse festgehalten werden. „Es muss alles daran gesetzt werden, die Bedingungen für freie und faire Wahlen zu schaffen“, sagte Röttgen. Die Ukraine wählt am 25. Mai ein neues Parlament und ein neues Staatsoberhaupt.

+++ USA verurteilen Putins Krim-Besuch +++

Die USA haben den Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der von Moskau annektierten Halbinsel Krim als „provokativ und unnötig“ verurteilt. „Die Krim gehört zur Ukraine“, sagte Außenamtssprecherin Jen Psaki weiter. Die USA würden die „illegalen Schritte“ Moskaus nicht anerkennen, sagte sie mit Blick auf die russische Annexion der von Kiew abtrünnigen Halbinsel. Putin nahm am Freitag auf der Krim eine Militärparade zum Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland 1945 ab.

Zugleich gab Psaki in Washington bekannt, dass Außenminister John Kerry am Freitag erneut mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow telefoniert habe. Es sei unter anderem über die Arbeit der OSZE-Beobachter in der Ukraine gegangen.

+++ Lawrow: OSZE soll zwischen Ukraine und Separatisten vermitteln +++

In der Ukraine-Krise drängt der russische Außenminister Sergej Lawrow auf einen Dialog zwischen der Regierung in Kiew und den Separatisten im Osten des Landes unter OSZE-Vermittlung. In einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen John Kerry habe Lawrow die Hoffnung geäußert, dass die USA die ukrainische Regierung zu einem Ende der Militäroffensive im Südosten des Landes bewegen könnten, teilte das russische Außenministerium am Freitagabend mit. Ziel sollte auch die Freilassung „politischer Gefangener“ und eine Amnestie für Demonstranten sein.

Die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat vor kurzem einen Friedensplan für die Ukraine präsentiert, der sich teilweise mit Lawrows Vorstellungen deckt. Die Übergangsregierung in Kiew hat zwar grundsätzlich ihre Gesprächsbereitschaft für eine politische Lösung signalisiert, zugleich aber Verhandlungen mit „Terroristen“ ausgeschlossen. Damit blieb vorerst offen, ob es bald zu einem von der OSZE vermittelten Dialog zwischen der Regierung und den von der Führung in Kiew als Terroristen bezeichneten Separatisten im Osten des Landes kommen wird.

+++ Mindestens 21 Tote bei Kämpfen in Mariupol +++
Bei Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten in der südukrainischen Hafenstadt Mariupol sind nach Angaben der ukrainischen Regierung mindestens 21 Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern seien 20 Milizionäre und ein Polizist, erklärte das Innenministerium in Kiew. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax versuchten ukrainische Militäreinheiten, ein von Separatisten besetztes Verwaltungsgebäude einzunehmen.

+++ EU bereitet weitere Sanktionen gegen Russland vor +++
Die Europäische Union plant eine Verschärfung ihrer Sanktionen gegen Russland. Im Konflikt um die Ukraine und die russische Annexion der Krim werden die 28 EU-Außenminister am Montag in Brüssel voraussichtlich zusätzliche Einreiseverbote und Kontensperrungen beschließen. Nach Angaben von EU-Diplomaten in Brüssel wurde eine Namensliste der möglichen Betroffenen vorbereitet. Sie könne dann am Montag beschlossen werden. Die Zahl der zusätzlichen Einreiseverbote – bisher gibt es schon 48 – wurde zunächst nicht bekannt. Die Minister wollen auch beschließen, dass künftig nicht nur Personen, sondern auch Organisationen und Unternehmen von Sanktionen getroffen werden können.

Trotz weltweiter Kritik

Putin bei Militärparade auf der Krim

Trotz weltweiter Kritik: Putin bei Militärparade auf der Krim

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+++ Nato-Chef Rasmussen kritisiert Putins Auftritt +++
Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat die Teilnahme von Kremlchef Wladimir Putin an Feiern zum Tag des Sieges über Hitler-Deutschland auf der Krim als „unangemessen“ bezeichnet. Die Schwarzmeerhalbinsel sei nach internationalem Recht weiterhin ukrainisches Gebiet. Putin besuche sie ohne eine Einladung der Kiewer Regierung, sagte Rasmussen in Estlands Hauptstadt Tallinn. Die Nato halte die Annexion der Halbinsel durch Russland für rechtswidrig und erkenne sie nicht an. Rasmussen bekräftigte zudem, es sei weiterhin kein Abzug russischer Truppen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine zu erkennnen. Er warf Putin vor, internationales Recht zu missachten.

+++ Mehrheit der Deutschen fürchtet Krieg in der Ukraine+++
Eine deutliche Mehrheit der Deutschen befürchtet infolge der Ukraine-Krise einen Krieg in der Region. 71 Prozent machen sich sehr große oder große Sorgen um eine militärische Eskalation des Konflikts, wie das am Freitag in Mainz veröffentlichte ZDF-„Politbarometer“ ergab. 20 Prozent fürchten dies nicht so sehr, und nur fünf Prozent äußerten gar keine Sorge.

Feierstimmung in Moskau– da müssen auch die Jüngsten dran glauben. Reuters

Feierstimmung in Moskau– da müssen auch die Jüngsten dran glauben.

+++ „Keine Geste der Stabilisierung“ +++
Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, Elmar Brok (CDU), hat die Teilnahme von Russlands Präsident Wladimir Putin an den Feiern zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland auf der Krim als Zeichen der Destabilisierung gewertet. „Putin zeigt der Welt, was er von den Protesten gegen sein völkerrechtswidriges Vorgehen auf dem Krim hält“, sagte Brok am Freitag der dpa in Berlin. „Das ist keine Geste der Stabilisierung und eine Ermutigung für die Separatisten in der Ostukraine“, ergänzte er.

Ukraine-Krise: Großes Rätselraten über Putins Kurs

Ukraine-Krise

Großes Rätselraten über Putins Kurs

Putins Appell an die Separatisten in der Ost-Ukraine, das geplante Unabhängigkeits-Referendum zu verschieben – ein kluger Schachzug oder ein Zeichen von Schwäche? Beobachter vermuten, dass es vorher eine Absprache gab.

+++ Putin landet am Tag des Sieges auf der Krim +++
Erstmals seit der Annexion der Krim im März ist der russische Präsident Wladimir Putin laut russischen Agenturberichten auf die ukrainische Halbinsel gereist. Putin landete demnach am Freitagnachmittag auf der Krim. In der Schwarzmeer-Hafenstadt Sewastopol will er den Berichten zufolge eine Truppenparade zum Gedenken an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg abnehmen. Über die Teilnahme Putins an der Parade in Sewastopol war in den vergangenen Tagen bereits spekuliert worden. Sie bedeutet eine neuerliche Provokation des Westens, der die Annexion der Krim durch Moskau nicht anerkennt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte es als „schade“ bezeichnet, den Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs „in einem solchen Spannungsfeld“ für eine Parade zu nutzen.

+++ Tote bei Kämpfen in ukrainischer Hafenstadt Mariupol +++
Bei Kämpfen zwischen ukrainischen Sicherheitskräften und prorussischen Separatisten in der Hafenstadt Mariupol sind einem Agenturbericht zufolge acht Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Polizisten hätten versucht, das von Separatisten besetzte Polizeipräsidium zurückzuerobern, meldete die Agentur Interfax-Ukraine am Freitag. Dabei seien sie unter Beschuss prorussischer Kräfte gekommen, die auch ein Gebäude des Innenministeriums besetzt hielten. Die Polizei in der ostukrainischen Region Donezk lehnte eine Stellungnahme ab. Die Lokaljournalistin Tetjana Ignatschenko berichtete ebenfalls von heftigen Gefechten vor dem Polizeipräsidium. Es gebe einen Toten und sechs Verletzte aufseiten der Rebellen.

+++ TV-Sendeausfall durch Sabotage? +++
Ausländische Saboteure haben nach Darstellung des ukrainischen Geheimdienstes SBU am Freitagmorgen für einen mehrstündigen Sendeausfall beim staatlichen Fernsehen gesorgt. Nach vorläufigen Erkenntnissen hätten die Täter in einem unterirdischen Kabelschacht Strom- und Signalanlagen des Senders in Brand gesetzt, sagte die Vizechefin des Staatssicherheitsdienstes, Viktoria Sjumar. Auch Hörfunksender seien betroffen gewesen. Nur Profis wüssten von diese Kabelschächten. „Dies ist klassische Sabotage.“ Der Fernsehsender nahm seine Programme mit einer Talkshow über den Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges wieder auf. Die SBU-Vizechefin deutete zugleich an, dass die russische Regierung die Aktion unterstützt haben könnte.

Verklärung.... dpa

Verklärung....

...und Verzückung in Moskau bei Russlands Militär. dpa

...und Verzückung in Moskau bei Russlands Militär.



+++ Russland liefert Ukraine Gas nur noch gegen Vorkasse +++
Russland macht im Streit über ausstehende Gasrechnungen der Ukraine Ernst. Ab Juni würden Lieferungen in das Nachbarland nur noch gegen Vorkasse erfolgen, teilte Energieminister Alexander Nowak mit. Sollte die Regierung in Kiew die Vorauszahlungen an den Staatskonzern Gazprom versäumen, könnte Russland früheren Drohungen zufolge das Liefervolumen drosseln. Mit seiner jüngsten Mitteilung konkretisierte der Minister nun die Forderungen: Gazprom werde der Ukraine vor dem 16. Mai eine vorläufige Rechnung schicken. Im Juni würde dem Land dann nur die Gasmenge geliefert, die es schon vor dem 31. Mai bezahlt hat. Gazprom hatte am Mittwoch erklärt, die Ukraine habe auch ihre Gasrechnung vom April nicht bezahlt und stehe nunmehr mit 3,5 Milliarden Dollar bei den Russen in der Kreide. Gazprom verlangt von der Ukraine den höchsten Kubikmeterpreis in Europa.

+++ Russen feiern Sieg über Nazi-Deutschland +++
Tausende russische Soldaten marschieren zum 69. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg über den Roten Platz in Moskau marschiert. Präsident Wladimir Putin nimmt die Parade ab. In seiner Rede betonte er die historische Bedeutung des Ereignisses. Zur angespannten Lage in der Ukraine äußerte er sich dabei nicht. Der sogenannte Siegestag ist der wichtigste staatliche Feiertag in Russland und bedeutender Bestandteil der nationalen Identität.

Wladimir Putin bei seiner Ansprache. dpa

Wladimir Putin bei seiner Ansprache.

+++ „Europa vor der Sklaverei bewahrt +++
„Der eiserne Wille des sowjetischen Volkes, seine Furchtlosigkeit und Ausdauer haben Europa vor der Sklaverei bewahrt“, sagte Putin in seiner Ansprache. Russland habe die Nazis besiegt. Bezahlt worden sei dies mit Millionen von Opfern. Es hatte Berichte gegeben, dass Putin auch an einer Gedenkveranstaltung auf der Halbinsel Krim teilnehmen werde, die sich jüngst in einem vom Westen als illegitim eingestuften Referendum von der Ukraine abgespalten und Russland angegliedert hatte.

+++ 11.000 Soldaten und 70 Kampflugzeuge +++
Viele Menschen tragen an diesem Tag das St.-Georgs-Band, ein Schwarz und Orange gestreiftes russisches Symbol der Tapferkeit, das inzwischen auch von den Separatisten in der Ukraine übernommen wurde. Überdies ist der Siegestag eine Gelegenheit für Russland, seine Militärmacht unter Beweis zu stellen. Rund 11.000 Soldaten, 150 Fahrzeuge und 70 Kampfflugzeuge nahmen an der Parade in diesem Jahr teil.

Im Gleichschritt marschieren die Soldaten über den Roten Platz. Reuters

Im Gleichschritt marschieren die Soldaten über den Roten Platz.

+++ Behörden können Referendum nicht verhindern +++
Vor den Volksbefragungen in der Ostukraine über eine Abspaltung von Kiew haben die örtlichen Behörden ihre Machtlosigkeit eingeräumt. Es gebe nicht genügend Einsatzkräfte, um das Referendum der moskautreuen Kräfte an diesem Sonntag zu verhindern, teilte das Bürgermeisteramt der Großstadt Donezk mit. Aus Sicherheitsgründen solle nicht versucht werden, die Separatisten von der Einrichtung von „Wahlbüros“ etwa in Schulen abzuhalten.

+++ EU-Kommission warnt offenbar vor Konjunktureinbruch +++
Bei harten Wirtschaftssanktionen gegen Russland erwartet die EU-Kommission nach einem Medienbericht einen Einbruch der Konjunktur in Deutschland. Im schlimmsten Fall könnte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 0,9 Prozentpunkte und im nächsten Jahr um 0,3 Punkte sinken, sollten die EU-Staaten im Konflikt um die Ukraine scharfe Zwangsmaßnahmen gegen Russland beschließen, berichtet „stern.de“. Die Folgen für das Wachstum seien noch „relativ konservativ geschätzt“, heißt es demnach in einem dem Internetportal vorliegenden vertraulichen Bericht der EU-Kommission. Die EU-Kommission hatte auf Bitten der Staats- und Regierungschefs Szenarien für alle 28 Mitgliedstaaten durchgespielt.

+++ Auch leichte Sanktionen bleiben nicht ohne Folgen +++
Sie reichen von leichten Sanktionen, wie einem Einfuhrverbot von russischen Luxusgütern wie Pelzen, über mittlere Maßnahmen, wie Importstopps für russische Vorprodukte, bis hin zu gravierenden Schritten wie einem Lieferverbot für Erdgas und Erdöl. Selbst leichte Wirtschaftssanktionen, blieben nicht ohne Folgen, heißt es in dem Bericht. Dadurch könne das Wachstum in Deutschland noch um 0,1 Prozentpunkte in diesem und im nächsten Jahr schrumpfen. Nach den letzten Brüsseler Schätzungen soll die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1,6 Prozent und im nächsten Jahr um 2,0 Prozent wachsen, schreibt „stern.de“.

Zur Lage in der Ukraine

Wie ist die Situation in der Ostukraine?

Die prorussischen Separatisten weiten ihren Einfluss aus. Auch in der Großstadt Lugansk besetzen sie jetzt mehrere öffentliche Gebäude – unter anderem die Gebietsverwaltung. Die von den USA und der EU unterstützte ukrainische Regierung wirkt nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch macht- und hilflos. „Heute kontrolliert die Regierung die Lage in Teilen des Gebietes Donezk nicht mehr“, räumt jüngst Interimspräsident Alexander Turtschinow ein. Polizei und Geheimdienst würden ihre Pflichten nicht erfüllen und teils mit den Aufständischen zusammenarbeiten, schimpft er.

Läuft der angekündigte „Anti-Terror-Einsatz“ ins Leere?

Wegen schlechter Bezahlung, der trüben wirtschaftlichen Ausblicke und einer insgesamt instabilen Lage ist die Moral bei Militär und anderen Sicherheitsstrukturen auf dem Tiefpunkt. Zwar behauptet Interimspräsident Alexander Turtschinow, dass die Streitkräfte „in voller Kampfbereitschaft“ seien. Doch immer wieder gibt es Berichte von Überläufern ins Lager der Aufständischen. Außerdem droht Russland mit einem Militäreinsatz, sollte die Ukraine erneut Panzer und Geschütze gegen die Aufständischen auffahren.

Was bietet die Regierung in Kiew ihren Gegnern?

Bisher ist nur sehr vage eine Verfassungsreform angekündigt. Sie soll den Regionen mehr Autonomie bringen und die russische Sprache schützen. Im Gespräch ist, über eine neue Verfassung am 15. Juni abstimmen zu lassen. Die prorussischen Aktivisten sehen sich als Separatisten und Terroristen verunglimpft. Sie haben für den 11. Mai ein Referendum angesetzt - für eine Loslösung der Gebiete Donezk und Lugansk von Kiew. Ein Dialog zwischen Repräsentanten aus Kiew und den prorussischen Wortführern ist nicht in Sicht.

Wie kann die Präsidentenwahl über die Bühne gehen?

In den Gebieten Lugansk und Donezk gilt die Abstimmung am 25. Mai als gefährdet. Die prorussischen Kräfte rufen zum Boykott auf. Kandidat Oleg Zarjow, der seine Wählerbasis am ehesten dort hat, zog seine Kandidatur demonstrativ zurück und appelliert an andere Bewerber, ihm zu folgen. Die Zentralregierung kann bislang weder die Sicherheit der Kandidaten noch den reibungslosen Ablauf in den Wahllokalen garantieren. Bei einem Ausfall der bevölkerungsreichen Gebiete wäre die Legitimität des neuen Präsidenten gefährdet.

Warum können die Separatisten so frei agieren?

Die Sicherheitskräfte überlassen ihnen im Grunde widerstandslos das Feld. Viele Milizionäre hatten die monatelange Protestbewegung proeuropäischer Demonstranten in Kiew, die Präsident Viktor Janukowitsch letztlich stürzte, von Anfang an abgelehnt. Die prorussischen Kräfte besetzen deshalb ohne Gegenwehr Gebäude und plündern Waffenkammern. Allerdings beklagen Sicherheitskräfte auch unklare oder fehlende Befehle aus Kiew. Auch Löhne von im Schnitt umgerechnet 200 Euro sind für viele Milizionäre kein Anreiz zum Kämpfen gegen die bisweilen schwer bewaffneten Aufständischen.

Es droht ein Staatsbankrott – wie hilft der Westen?

Die Europäische Union hat die Einfuhrzölle für die Ukraine abgeschafft. Aus Polen, der Slowakei und Ungarn kann das Land zudem Gas 30 Prozent billiger beziehen und die kostspieligen russischen Importe so teils ersetzen. Die US-Regierung vergab der Ukraine Kreditgarantien von einer Milliarde US-Dollar. Was fehlt, ist aber eine echte Finanzspritze. Der Internationale Währungsfonds will dem klammen Land knapp 17 Milliarden US-Dollar an neuen Krediten helfen.

Wo lauern neue Gefahren?

Die prowestliche ukrainische Regierung sieht die Gefahr eines Flächenbrandes und will verhindern, dass zum Beispiel in Odessa am Schwarzen Meer oder in Charkow Gebäude besetzt werden. Dafür werden in den einzelnen Gebieten Verteidigungskomitees gebildet. Das Chaos dürfte sich aber verschlimmern, wie Beobachter meinen. Die vor dem Bankrott stehende Ukraine ist unter anderem wegen nicht bezahlter milliardenschwerer Gasrechnungen bei Russland verschuldet. Kremlchef Wladimir Putin hat eine Zahlungsfrist bis Anfang Mai gesetzt.

Was passiert dann?

Angedroht hat Russland, Gas nur noch gegen Vorkasse zu liefern. Wenn kein Geld fließt, wird kein Gas strömen. Und weil die Ukraine das wichtigste Transitland für Gaslieferungen in den Westen ist, kann es zu Lieferengpässen in der EU kommen. Schon beim „Gaskrieg“ 2009 zwischen Kiew und Moskau hatte Russland den Hahn zugedreht, weshalb es auch in der EU zu Engpässen kam.

Welche Lösung ist denkbar?

Die Ukraine hofft, dass der Westen Milliarden vorstreckt, damit die Schulden bei Russland beglichen werden und das Schlimmste abgewendet wird. Aber Kiew weigert sich, den vertraglich mit Moskau vereinbarten Preis von 485 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas zu zahlen, weil der deutlich über Marktniveau liegt. Die ukrainische Regierung will nur 268,5 US-Dollar ausgeben.

Wie kompromissbereit sind die Russen?

Sie wollen eine Lösung, damit ihre eigene Wirtschaft nicht weiter leidet. Kremlchef Wladimir Putin hat bereits eingeräumt, dass die vom Westen gegen Russland im Ukraine-Konflikt verhängten Sanktionen sich schädlich auf die Wirtschaft auswirken. Die Führung in Moskau kämpft mit Konjunkturproblemen, Kapitalflucht, aufziehender Rezession, Wertverfall des Rubel und mit einem schlechteren Investitionsklima.

+++ EU will Gaspipeline South Stream nicht blockieren +++
EU-Energiekommissar Günther Oettinger ist nicht grundsätzlich gegen den Bau der von Russland vorangetriebenen Gaspipeline South Stream. „Die Pipeline ist für mich kein Problem, wir wollen sie nicht blockieren, sie hat aber auch keine Priorität“, sagte er der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“. Bislang stand die EU dem Projekt kritisch gegenüber, weil es die Abhängigkeit Europas von russischem Gas nicht reduziert, sondern lediglich die Ukraine als Transitland umgeht. Dessen ungeachtet hat der österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV vor wenigen Tagen mit dem russischen Lieferanten Gazprom vereinbart, dass die Röhre bis in die Alpenrepublik reichen soll.

+++ Mehrheit der Ukrainer will Einheit des Landes +++
Mehr als 70 Prozent der Ukrainer unterstützen laut Umfragen den Erhalt der Einheit des Landes. Wie das Pew Research Center in den USA auf seiner Internetseite bekanntgab, sprachen sich 77 Prozent der befragten Ukrainer für eine Einheit des Landes aus. Im Westen der Ukraine unterstützen den Angaben zufolge 93 Prozent die Einheit, im Osten waren es 70 Prozent. Die Umfrage wurde Ende April durchgeführt – nach der Annexion der Krim durch Russland, aber noch vor den jüngsten Ausschreitungen in Odessa und anderen Städten im Osten des Landes. Die meisten Ukrainer stehen der Übergangsregierung in Kiew der Umfrage zufolge kritisch gegenüber. Lediglich 41 Prozent der Ukrainer (die Krim ausgenommen) meinten, dass die Zentralregierung eine positive Wirkung auf die Entwicklung des Landes habe.

+++ Merkel bespricht Krise mit Hollande +++
Fernab der großen politischen Bühne trifft Kanzlerin Merkel Frankreichs Präsident Hollande – in ihrem Heimatwahlkreis an der Ostsee. Abseits der Tagespolitik wollen sich beide zwei Tage Zeit für ausführliche Gespräche nehmen. Dabei dürften vor allem die Krise in der Ukraine und die Zukunft des französischen Energie-Konzerns Alstom eine Rolle spielen.

TV-Kritik Maybrit Illner: „Europa muss sich von Amerika emanzipieren”

TV-Kritik Maybrit Illner

„Europa muss sich von Amerika emanzipieren”

Russland oder Amerika? Sind die transatlantischen Leinen spröde geworden? Maybrit Illner lud zur Diskussion über das Thema mit hochkarätiger Besetzung. Als die Sendung Fahrt aufnimmt, ist sie vorbei.

Kommentare (41)

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09.05.2014, 10:51 Uhr

" Russland liefert Ukraine Gas nur noch gegen Vorkasse "
Mein versorger sperrt mir den Gashahn, wenn ich nicht den von ihnen via Ölpreisbindung willkührlich festgelegten Gaspreis im Voraus zahle.
Wie kann man von den Russen verlangen, dass sie der Ukraine das Gas subventionieren?

Account gelöscht!

09.05.2014, 10:54 Uhr

Würde ich an Russlands Stelle auch machen!

Account gelöscht!

09.05.2014, 10:54 Uhr

Zitat : Russland liefert Ukraine Gas nur noch gegen Vorkasse

- keiner hat etwas zu verschenken, auch die Russen nicht !

Und der Lieferstopp wäre auch keine Drohung, sondern die einzige richtige Gegenmaßnahme für die Nichteinhaltung der Verträge !

Oder kennt man bei uns Verträge, nach denen die Bezahlung der Ware ausbleibt und der Lieferant weiter liefert...?


Wohl kaum !


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