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19.06.2015

12:56 Uhr

+++ Liveblog zu Griechenland +++

Kommt der Grexit am Montag?

Kann Griechenland noch gerettet werden? Die EZB hilft noch einmal aus, doch reicht das als Vorbereitung auf den Sondergipfel? Währenddessen horten die Griechen ihr Geld. Die Ereignisse im Liveblog.

Kritik auf Twitter

So spottet das Netz über die Griechenland-Rettung

Kritik auf Twitter: So spottet das Netz über die Griechenland-Rettung

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+++ Brüssel nimmt Wind aus den Segeln +++
EU-Ratspräsident Donald Tusk warnt, es werde auf dem Sondergipfel am Montag keine magische Lösung des Griechenland-Problems geben. Er hatte das Treffen der 19 Staats- und Regierungschefs einberufen.


+++ Merkel dämpft Erwartungen +++
Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel können Entscheidungen nur gefällt werden, wenn es eine Grundlage dafür gebe. Ansonsten diene das Treffen nur Beratungen.

+++ Grexit-Besprechung gegebenenfalls für Montag geplant +++
Die Euro-Finanzminister werden am Montag Insidern zufolge möglicherweise den Umgang mit einem Zahlungsausfall Griechenlands beraten. „Wenn es keine neuen Vorschläge gibt, über die man diskutieren kann, werden die Minister wahrscheinlich darüber sprechen, wie man mit einem Zahlungsausfall umgeht“, sagte ein Vertreter der Euro-Zone am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Zwei weitere Vertraute aus der Euro-Zone berichteten ebenfalls über die Pläne.

+++ Griechen haben am Freitag 1,2 Milliarden Euro abgehoben +++
Die griechischen Geldinstitute leiden unter einem verstärkten Abfluss von Kundeneinlagen. Allein am Freitag seien 1,2 Milliarden Euro abgezogen worden, heißt es aus Branchenkreisen.

+++ 1,8 Milliarden Euro Notkredit +++
Jetzt wurde bekannt, wie hoch die Aufstockung der ELA-Notkredite sein soll, die die Europäische Zentralbank den griechischen Banken gewährt: 1,8 Milliarden Euro.

+++ Chef der Niederlande will Reformen sehen +++
Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte bekräftigt die Bedingungen für Finanzhilfen an Griechenland. Europa sei bereit, dem von der Pleite bedrohten Land Notfallhilfen zu gewähren, wenn es Reformen zustimme, sagte er.

+++ „Wir sind alle nicht besonders enthusiastisch“ +++
„Ich bin skeptisch, dass wir bei der Eurogruppe am Montag mehr vorbereiten können, als wir bereits getan haben“, sagte er am Freitag. Es gebe bisher nicht genug Substanz, um den Gipfel der Staats- und Regierungschefs vorzubereiten. „Wir sind alle nicht besonders enthusiastisch.“ Er wolle seine Skepsis aber nicht als Kritik an EU-Ratspräsident Donald Tusk verstanden wissen, das Sondertreffen einberufen zu haben.

+++ Griechenlands „wirklich letzte Chance“ +++
Der stellvertretende EU-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis bezeichnet die kommende Woche angesichts des auslaufenden Hilfsprogramms als wirklich letzte Chance bezeichnet, um Entscheidungen zu Griechenland zu fällen.

+++ Polen bereitet sich auf Grexit vor +++
Die polnische Ministerpräsidentin Ewa Kopacz hat ein Treffen von Regierungsvertretern mit der Notenbank einberufen, um über die möglichen Folgen eines Grexits zu sprechen. "Wir müssen darauf vorbereitet sein", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur PAP die Regierungschefin in Bratislava.

+++ Italien mahnt zu einer Einigung +++
 „Es ist eine äußerst komplizierte Situation. Es ist nicht nur ein Risiko für Italien, sondern für ganz Europa“, mahnte am Freitag der Präsident des italienischen Industrieverbandes Giorgio Squinzi. „Ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro würde starke Turbolenzen mit sich bringen. Ich weiß nicht, was wirklich passieren wird, das werden wir dann herausfinden“, sagte Squinzi.

Die meisten Banken in Italien rechnen noch immer mit einer Einigung. „Ich denke, es wird auf einen gewissen Schuldenschnitt hinauslaufen und im Gegenzug werden die Griechen die Renten doch reformieren“ sagte ein italienischer Top-Banker am Freitag. „Ich bin sicher, dass noch Raum da ist, eine Einigung zu finden, weil ein Default oder ein Ausstieg aus dem Euro keinem dient“, erklärte Carlo Messina, Vorstandsvorsitzender der italienischen Großbank Intesa Sanpaolo. 

+++ DZ Bank twittert zu Griechenland +++
Stefan Bielmeier ist Chefvolkswirt und Leiter Volkwirtschaft und Research der DZ Bank. Er twitterte am Freitag, dass die Institutionen des Euroraums stark genug sein sollten, falls es zum Grexit oder Graccident kommen sollte.

+++ Tsipras: Die Krise ist „nicht das Problem Griechenlands“ +++
Der griechische Premierminister Alexis Tsipras sagte auf seiner Rede auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg, dass die aktuelle Krise „nicht das Problem Griechenlands“ sei. Vielmehr müsse die EU „zurückfinden auf den Weg der deklarierten Werte: Solidarität, Fairness und soziale Gerechtigkeit.“ Die Griechen, so Tsipras, „haben keine Angst vor dem Sturm und dem Meer. Wir sind bereit in ein neues Meer zu segeln.“ Der griechische Premier lehnte erneut ein Einlenken seines Landes ab und forderte ein Entgegenkommen der EU: „Die Sparmaßnahmen führen ins Nichts. Wir sind nicht imstande, die alten Fehler weiter zu tragen. Wir brauchen eine neue Entscheidung.“

+++ Griechische Banken sind Achillesferse +++
Das Institut der deutsche Wirtschaft Köln (IW) schätzt die Möglichkeit eines Grexit am Freitag Nachmittag in ihrem Newsletter folgendermaßen ein: Ein Staatsbankrott ist zwar theoretisch mit einem Verbleib im Euro vereinbar, nicht aber unter den gegenwärtigen Bedingungen. Ohne eine Einigung auf substanzielle Reformen kann das griechische Finanzsystem nicht gerettet werden – und Griechenland muss letztlich eine neue Währung einführen. Die Verlierer des anstehenden Endspiels bei den Gipfelverhandlungen am Montag stehen schon fest, wenn es zu keiner Einigung kommt: Es sind die Menschen und die Wirtschaft in Griechenland.

+++ „Grexit“ schreckt deutsche Wirtschaft kaum noch +++
Die deutsche Wirtschaft fordert eine rasche Entscheidung über die Zukunft Griechenlands, auch wenn dies ein Ausscheiden aus dem Euro ("Grexit") bedeuten würde. Bayer -Chef Marijn Dekkers sowie der Versicherungsverband GDV mahnten am Freitag, jetzt müssten die Unwägbarkeiten endlich beendet werden. Der Außenhandelsverband BGA und der Industrieverband BDI halten die Folgen eines "Grexit" für verkraftbar. Am Ende entscheide darüber aber die griechische Regierung, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer.

+++ EZB rettet Griechenland ein weiteres Mal +++
Die Europäische Zentralbank hat den überlebenswichtigen finanziellen Spielraum für die griechischen Banken erneut erweitert. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus Bankenkreisen erfuhr, erhöhte die EZB den Rahmen für die sogenannten ELA-Notkredite. Die Höhe wurde nicht bekannt.

Bankrun in Griechenland

Pleitepanik: Griechen räumen ihre Konten leer

Bankrun in Griechenland: Pleitepanik: Griechen räumen ihre Konten leer

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+++ Unser Reporter ist live in Athen +++
Geschäftiges Treiben am Nachmittag vor den Geldautomaten und in den Banken: In allen Banken, in denen Handelsblatt-Reporter Georgios Kokologiannis nachfragte, gab es die gleiche Auskunft: Weder bei Abhebungen noch bei Überweisungen gebe es oder seien irgendwelche Restriktionen geplant. Eine gewisse Unruhe bei den Wartenden ist laut Kokologiannis hier und da doch zu erahnen.

+++ Öl-Versorgung angeblich nicht gefährdet +++
Griechenlands größte Raffinerie Hellenic Petroleum sieht sich mit einem Notfallplan für nationale Zwangslagen gerüstet. Die Versorgung mit Öl sei für mehrere Monate sichergestellt, sagte ein Firmensprecher.

+++ „Wir gehen davon, dass jedes Land einen Notfallplan hat“ +++
„Die Situation um Griechenland dürfte sich wie erwartet weiter zuspitzen“, hieß es bei Raiffeisen Bank International. Schnelle Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland – erzwungen durch keine weitere Liquiditätsaufstockung via ELA – wären aus Sicht der Rest-Eurozone „etwas Positives“ und würden die Aussicht auf eine Einigung im Schuldenstreit stark beschleunigen. Außerdem würde sich die Ansteckungsgefahr einer ähnlichen Verhaltensweise, wie sie die griechische Regierung praktiziert, in anderen Ländern der Eurozone deutlich verringern.

Die Länder in Südosteuropa haben sich auf einen Austritt Griechenlands vorbereitet. „Wir gehen davon, dass jedes Land einen Notfallplan hat“,  sagte Valentin Hofstätter, Finanzanalyst der Raiffeisen Bank International, dem Handelsblatt. Die österreichische Bank gehört zu den wichtigen Finanzinstituten in Ostereuropa.

Der Titel des Magazins ist eindeutig.

The Economist

Der Titel des Magazins ist eindeutig.

+++ „My Big Fat Greek Divorce“ +++
Es ist ein einprägsames Bild, das das britische Wirtschaftsblatt „Economist“ für die sich anbahnende Staatspleite Griechenlands findet: Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras und Bundeskanzlerin Angela Merkel mit voneinander abgewandten Gesichtern am Rande einer tiefen Klippe stehend – und dazu die Überschrift „My Big Fat Greek Divorce“, meine große griechische Scheidung, eine Anspielung auf einen Film-Titel „My Big Fat Greek Weeding“, der allerdings von einer turbulenten Hochzeit erzählt.

Zanny Minton Beddoes, Chefredakteurin des Blattes , kommt in ihrem Editoral zu dem Schluss, dass es immer noch besser für alle wäre, eine Scheidung zu vermeiden. Doch diese Ehe sei es nicht wert, zu jedem Preis gerettet zu werden. So machen die Briten, die selbst nicht Mitglied in der Eurozone sind, auf allen Seiten schwere Fehler aus. Ein Deal sei immer noch möglich, aber das Verhältnis zwischen beiden Seiten sei inzwischen zerrüttet. Wenn dies eine Ehe sein würde, dann hätten jetzt die Anwälte ihren Auftritt. Eine Scheidung wäre für alle zwar eine Katastrophe. Das Problem sei nur, dass auch ein Zusammenbleiben unter den jetzigen Umständen nicht viel besser sei.

+++ Slowakei fordert Griechenland auf, seine „Hausaufgaben“ zu machen +++
Der slowakische Regierungschef Robert Fico sagte, dass sein Land „mental und technisch“ auf den Grexit vorbereitet sei. Zu Details des Notfallplans der slowakischen Regierung war aber nichts in Bratislava zu erfahren. Der sozialdemokratische Regierungschef hatte sich bereits in der Vergangenheit kritisch zu Griechenland geäußert. Am Wochenende erneuerte Fico seine Kritik: „Wir wollen, dass Griechenland in der Eurozone bleibt, aber nicht um jeden Preis“, sagte der Premier. Er legte Griechenland an Herz, seine „Hausaufgaben“ zu machen. Das Euroland Slowakei ist hinsichtlich des Bruttosozialprodukts ärmer als Griechenland.

+++ Berlin äußert sich +++
„Wenn der Rat am Montag keine Entscheidungsgrundlage hat, kann er nur ein Beratungsgipfel sein, und dann werden weitere folgen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. „Dass die Zeit knapp ist, kann jeder von uns nachvollziehen.“ Bei einer Einigung Athens mit den drei Institutionen EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF) gehe es nicht nur um eine bestimmte Summe, sondern um strukturelle Maßnahmen für Haushaltssanierung und Wachstum: „Es ist nicht zu spät dafür, und natürlich hoffen wir, dass eine solche Einigung möglich ist.“

Griechenland seit 2009: Der Weg in die Krise

Griechenland seit 2009

Der Weg in die Krise

Grexit, Reparationen, Schuldzuweisungen: Die Griechen entkommen der Krise nicht – und wissen keinen Ausweg. Handelsblatt Online zeigt in einer interaktiven Chronik, wie es dazu kam. Von 2009 bis heute.

+++ Juncker schaltet sich persönlich ein +++
Zur Lösung der Griechenland-Krise vermittelt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf Spitzenebene: Juncker habe mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und dem holländischen Premier Mark Rutte telefoniert, sagte ein Kommissionssprecher am Freitag in Brüssel. Der EU-Kommissionschef werde auch in den nächsten Tagen in engem Kontakt mit den Regierungschefs bleiben. Der Sprecher erinnerte daran, dass es Ziel der EU-Kommission sei, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibe.

+++ Euro-Finanzminister tagen vor Sondergipfel zu Griechenland +++
Vor dem Sondergipfel zu Griechenland kommen am Montag erneut die Finanzminister der Eurozone zusammen. Die Minister der 19 Staaten der Währungsunion würden sich am Nachmittag (15 Uhr) treffen, teilte ein Sprecher von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am Freitag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Das Treffen diene dazu, „den Gipfel der Eurozone vorzubereiten“, der am Abend (19 Uhr) beginnt.

KTG: Griechische Schulden bei den Euroländern Teil 1

Litauen

Insgesamt schulden die Griechen den Litauern 700 Millionen Euro. Pro Kopf sind das 238 Euro – der geringste Wert unter den Euro-Ländern.

Lettland

Auch die Belastung für jeden einzelnen Letten hält sich mit 250 Euro noch in Grenzen. Insgesamt ist Griechenland mit 500 Millionen Euro bei dem Baltenstaat verschuldet.

Portugal

Mit 403 Euro steht Griechenland bei jedem einzelnen Portugiesen in der Kreide. In toto macht das 4,2 Milliarden Euro.

Zypern

400 Millionen Euro schuldet Griechenland dem zyprischen Staat. Für jeden Zyprioten sind das schon 466 Euro.

Slowakei

Die griechischen Schulden bei der Slowakei betragen 2,7 Milliarden Euro – pro Kopf rund 499 Euro.

Irland

Die krisenerfahrenen Iren haben den Griechen 2,4 Milliarden Euro geliehen. Damit steht Griechenland bei jedem Iren mit 521 Euro im Soll.

Estland

Jedem Esten schuldet Griechenland 532 Euro – insgesamt sind das rund 700 Millionen Euro.

Malta

300 Millionen Euro Schulden hat Griechenland bei Malta. Damit kommt jeder Maltese auf einen Betrag von 705 Euro.

Slowenien

Slowenien kommt auf 1,5 Milliarden Euro griechische Schulden – 728 Euro pro Einwohner.

+++ Merkel und Hollande telefonieren ++++
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francoise Hollande haben telefoniert, berichtet das französische Fernsehen. Hollande habe Merkel gesagt, dass der Gipfel Anfang nächster Woche zu spät komme und man das Wochenende über verhandeln müsse. Hollande sagte weiterhin: Man müsse „alles“ für einen „Kompromiss“ mit Griechenland zu tun. Bis zum europäischen Sondergipfel am Montag müsse „die Zeit genutzt“ werden, damit die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, sagte Hollande am Freitag bei einem Besuch in Bratislava in der Slowakei. Ein Kompromiss müsse aber auf Basis der europäischen Regeln gefunden werden.

+++Griechenland muss Reformen umsetzen +++
Athen muss nach den Worten des deutschen Regierungssprechers eigene Reformen umsetzen und damit die Voraussetzungen für eine Einigung mit den Gläubigern schaffen. Ansonsten könne das Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone am Montag zu Griechenland nur ein Beratungsgipfel sein und weitere müssten dann folgen, sagte der Merkel-Sprecher.

+++ Varoufakis: Griechenlands Vorschlag wurde nicht diskutiert +++
Der griechische Vorschlag für eine Lösung im Schuldenstreit ist Finanzminister Yanis Varoufakis zufolge beim Eurogruppen-Treffen am Donnerstag nicht diskutiert worden.

KTG: Griechische Schulden bei den Euroländern Teil 2

Spanien

Spanien, selbst Krisenland, hat den Griechen die stattliche Summe von 38,8 Milliarden Euro geliehen. 834 Euro sind das für jeden Spanier.

Italien

Jedem Italiener schuldet der griechische Staat 934 Euro. Insgesamt sind das 56,8 Milliarden Euro.

Frankreich

Bei jedem Franzosen steht Griechenland mit 989 Euro in der Kreide. Das macht total 65,1 Milliarden Euro.

Belgien

Mit 11,5 Milliarden Euro hat sich Griechenland bei Belgien verschuldet. Für jeden Belgier macht das 1026 Euro.

Deutschland

Insgesamt ist Deutschland der größte Gläubiger Griechenlands: mit 85,2 Milliarden Euro Schulden. Auf die Einwohnerzahl umgerechnet sind das jedoch nur 1055 Euro für jeden Deutschen.

Österreich

Leicht darüber liegt Österreich: mit 1058 Euro pro Einwohner. Die Gesamtlast jedoch ist im Vergleich geringer. Demnach schulden die Griechen dem österreichischen Staat rund neun Milliarden Euro.

Finnland

Insgesamt schulden die Griechen den Finnen 5,8 Milliarden Euro. Pro Kopf sind das 1064 Euro.

Niederlande

Platz 2 geht an die Niederländer, die je Einwohner mit 1099 Euro haften, sollte den Griechen das Geld ausgehen. Insgesamt macht das 18,5 Milliarden Euro.

Luxemburg

Spitzenreiter sind die Luxemburger, die ein griechischer Zahlungsausfall pro Einwohner den Höchstwert von 1637 Euro kosten würde. Mit 900 Millionen Euro ist der Gesamtwert jedoch eher im unteren Mittelfeld.

+++ Griechenland versichert Stabilität des Bankensystems +++
Die griechische Regierung hat versichert, dass das Bankensystem des pleitebedrohten Eurolandes stabil sei und durch gemeinsame Aktionen der Zentralbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) gesichert werde. „Der Chef der Bank hat die Stabilität des Bankensystems bestätigt“, hieß es in einer Regierungserklärung vom Freitag. Zuvor hatte sich Zentralbankchef Ioannis Stournaras in Athen mit dem stellvertretenden Außenminister Euklides Tsakalotos, dem Chefunterhändler bei den Verhandlungen mit den Gläubigern, getroffen.

+++ Russland könnte helfen +++
Russland ist nach Worten des stellvertretenden Ministerpräsidenten Arkadi Dworkowitsch bereit, über Finanzhilfen für Griechenland nachzudenken. „Wir werden jede Lösung zur Beilegung der griechischen Schuldenkrise unterstützen, die Athen und unsere europäischen Partner vorschlagen“, sagte er der Agentur Tass zufolge im Fernsehen.

Schuldenschnitt bis „Grexit“ – wichtige Begriffe in der Schuldenkrise

Griechisches Schuldendrama

Vom Rettungsschirm über den Schuldenschnitt bis zum „Grexit“ – im griechischen Schuldendrama kommen immer wieder schwierige Begriffe vor. Was verbirgt sich dahinter eigentlich?

Hilfsprogramm

Dies bezeichnet aus Sicht der EU-Finanzminister die finanziellen Hilfen plus der von Griechenland versprochenen Sparprogramme und Reformen. Für die Europartner gibt es derzeit nur die Option, das aktuelle Hilfsprogramm inklusive der Sparauflagen zu verlängern.

Kreditprogramm

Die neue griechische Regierung forderte hingegen bislang eine Verlängerung des „Kreditprogramms“. Damit will sie nach Einschätzung der Geldgeber ausdrücken, dass sie das Geld weiter will - aber nicht die Auflagen des Hilfsprogramms.

Anleihe

Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

Schuldenschnitt

Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

Rettungsschirm

Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

Primärüberschuss

Griechenlands Schuldenberg ist – gemessen an der Wirtschaftsleistung – der höchste in der Eurozone. Das sind nicht nur Altlasten, auch im laufenden Betrieb kommt das Land wegen der hohen Zinsbürde nicht ohne neue Schulden aus. In den Verhandlungen mit den Geldgebern musste Athen aber versprechen, zumindest unter Ausblendung der Zinsen weniger auszugeben als einzunehmen. Das nennt man Primärüberschuss.

Troika

In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

Grexit

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für Griechenland (Greece) und Ausstieg (Exit) gebildet – gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung im Rücken ihre Produkte viel günstiger anbieten.

Grimbo

Der Begriff „Grimbo“ ist eine Fusion von Greece, also Griechenland und Limbo, zu deutsch Limbus. Limbus kommt aus der katholischen Theologie und bezeichnet die Vorstellung einer Art Vorhof zur Hölle, in dem sich nach dem Tod jene Seelen aufhalten, denen der Zutritt zum Himmel verwehrt wurde, die aber auch nicht in die Hölle gekommen sind. Der Ausdruck steht für etwas, das sich in der quälenden Schwebe befindet. Gemünzt auf Griechenland meint „Grimbo“ ein Szenario, in dem Athen von den Europäern kein Geld bekommt und es auf absehbare Zeit keine Lösung gibt.

Graccident

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für Griechenland (Greece) und Unfall (Accident) gebildet. Das Wort beschreibt die Möglichkeit, dass Griechenland das Geld ausgeht und es deshalb den Euro verlassen muss. Wie groß die Gefahren eines „Graccident“ wären, darüber gehen die Schätzungen auseinander. Wer eher für großzügige Griechenland-Hilfen argumentiert, hält die Gefahren eines „Graccident“ für größer – oder umgekehrt.

Moral Hazard

Moral Hazard ist die englische Bezeichnung für moralisches Wagnis. Gemeint ist die Ausnutzung der Solidarität aus rücksichtslos verfolgtem Eigeninteresse. Würden alle Staaten nur an sich denken, würde zunächst Griechenland (Verbindlichkeiten von knapp 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach OECD-Prognose) einen Schuldenschnitt bekommen. Dann stünde Portugal (140 Prozent des BIP) und dann Italien (150 Prozent des BIP) auf der Matte. Spätestens an diesem Punkt würde die globale Finanzwelt in die Katastrophe stürzen, weil einer der größten Anleihemärkte der Welt implodieren würde.

+++ „Wir müssen nun auf das Schlimmste vorbereitet sein“ +++
Der britische Finanzminister George Osborne hofft nach eigener Auskunft in der Griechenland-Krise auf das Beste. „Aber wir müssen nun auf das Schlimmste vorbereitet sein“, sagt er vor dem Treffen der EU-Finanzminister in Luxemburg.


+++ Tsipras begrüßt Sondergipfel +++
Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras begrüßt den Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Eurozone am Montag als positive Entwicklung. Es werde eine Lösung geben, die Griechenland eine Rückkehr zu Wachstum innerhalb des Euro ermögliche.

Kommentare (22)

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Herr Manfred Zimmer

19.06.2015, 13:38 Uhr

"Juncker telefoniert mit EU-Chefs"

Hat jemand nachgefragt, ob er niedergelegt hat? Ein großer Teil dieses Desasters ist ihm anzulasten.

Griechische Bürger heben bei den Banken ihr Erspartes ab. Wer will es ihnen verdenken, ihr Vermögen zu schützen. Sie haben schließlich sehr lange zugesehen.

Auch bei unseren Politikern muss klar sein, dass diese Situation schon lange bekannt ist. Wenn Frau Larfarge heute von Kindern am Verhandlungstisch spricht, dann muss auch sie sich fragen lassen, ob ihr dieser Stern erst heute aufgegangen ist.

Eine Kanzlerin, die deutsche Steuergeld als "Rettungsschirm" verkaufen will und angibt, dass sie lediglich "Zeit" kaufen will, die muss doch mit einem Staubbeutel gepudert sein.

Weshalb gingen die Journalisten nicht mit den deutschen Politikern, mit Richtern härter um, als sie uns Bürger für dumm verkauften und dies auch weiterhin tun wollen?

Hören Sie doch hin! Es kommt doch nur dummes Zeug aus dem Mund der Politiker. Schreiben sie es auf und erklären es den Leuten auf eine sachliche Art wie sie "beschissen" werden. Sorry für den Ausdruck, aber solches Vokabular muss heute in den Mund genommen werden. Heute zu einem Zeitpunkt wo die EZB die Haftung, konkreter den Schaden für die Bundesbürger, dabei ist zu vergrößern.

Wo ist denn heute diese Haushaltshoheit, die die Richter des Bundesverfassungsgerichts dem Bundestag zugestanden, ihm zu schrieben und bestätigten, dass er dies habe?

Hat schon einmal jemand nach gesehen und festgestellt, dass Deutschland eine Haftung vom hundertfachen der Luxemburger, aber eine Stimme weniger in der EZB hat bzw. und lediglich mit nachgeordneten Fürhungskräften vertreten ist?

Ist es nicht das System Blatter (FIFA), dass auch in der EZB gelebt wird. Es wird nicht nach Kapitalanteilen sondern nach Nasen abgestimmt!

Reden wir nicht mehr von Griechenland. Reden wir von dem Präzedenzfall, der hier stautiert wird. Wie reagieren Portugal, Spanien, ... und demnächst auch Kroatien darauf?

Herr Manfred Zimmer

19.06.2015, 13:44 Uhr

Wir sollten auch nicht vergessen, dass die Juristen der Deutschen Bundesbank an diesen Verträgen mitgearbeitet haben. Es seien die gleichen Juristen gewesen, die am Einigungsvertrag mitgeschrieben haben.

Weshalb sollte diese Verträge der EU und zur EZB besser sein als damals der Einigungsvertrag?

Fragen Sie die Bürger der ehemaligen DDR was sie davon halten. Addieren sie für die Bundesbürger einmal die Summe, die sie für den Soli aufgebracht haben. Schauen Sie einmal nach, wer sich bereichert hat.

Die Bürger in der DDR haben das wenigste davon erhalten. Der Fall Griechenland und der Fall EU sind nicht anders gestrickt. Es gibt nicht nur Verlierer, aber das Volk wird nicht der Gewinner sein.

Frau Margrit Steer

19.06.2015, 14:06 Uhr

Wie lange wollen unsere Volsverräter dieses Theaer noch mitmacen

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