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08.01.2015

20:38 Uhr

+++ Liveblog zum Attentat in Paris +++

Neun Personen festgenommen – aber nicht die Täter

Nach dem Terrorakt gegen „Charlie Hebdo“ scheint die Polizei die mutmaßlichen Täter einzukreisen. Die Brüder haben ihren Fluchtwagen abgestellt, Einsatzkräfte durchsuchen eine nordfranzösische Stadt.

Nach Charlie Hebdo

Franzosen reagieren: Hunderttausende gehen auf die Straßen

Nach Charlie Hebdo: Franzosen reagieren: Hunderttausende gehen auf die Straßen

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ParisEinen Tag nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ist das Entsetzen weltweit weiter groß. Am Abend hatten sich Tausende in europäischen Hauptstädten zu spontanen Trauerkundgebungen versammelt. Im Norden von Paris wurde am Morgen eine Polizistin erschossen, die Hintergründe sind noch ungewiss. Unterdessen läuft die Fahndung nach den zwei mutmaßlichen Hauptverdächtigen am Donnerstag weiter auf Hochtouren. Sie sollen im Norden eine Tankstelle überfallen haben. Ein dritter Beschuldigter hatte sich der Polizei gestellt. Die Ereignisse des Tages im Liveblog.

+++ Eiffelturm verdunkelt +++

In Frankreich galt am Donnerstag offizielle Staatstrauer. Mit einer Schweigeminute wurde landesweit der Anschlagsopfer gedacht. Am Eiffelturm in Paris gingen am Abend die Lichter aus.

+++ Neun Verdächtige in Gewahrsam +++

Die französische Polizei hat nach dem Terroranschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ inzwischen neun Verdächtige aus dem Umfeld der Attentäter festgenommen. Das gab Innenminister Bernard Cazeneuve am Donnerstagabend bekannt. Am Morgen waren es laut Medienberichten erst sieben gewesen.

+++ Sicherheitskonferenz in Paris +++

Nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" findet am Sonntag in Paris ein internationales Treffen zum Kampf gegen den Terrorismus statt. US-Justizminister Eric Holder werde an den vom französischen Innenminister Bernard Cazeneuve anberaumten Gesprächen teilnehmen, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Regierungskreisen in Washington. Bei den Gesprächen werde es unter anderem um die Bedrohung durch ausländische Kämpfer gehen, die sich den Dschihadistengruppen in Syrien und im Irak angeschlossen haben.

+++ Karikaturisten mit Solidaritätsbekundung +++

Nach dem Mordanschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekunden rund 200 Karikaturisten, Cartoonisten und Comiczeichner aus dem deutschsprachigen Raum ihre Anteilnahme und Solidarität mit der Redaktion. Darunter sind bekannte Namen wie BeCK, Hurzlmeier, Til Mette sowie Michael Sowa und Hans Zippert. In einer Erklärung heißt es: „Dieser Anschlag war ein Anschlag auf die Freiheit der Presse, auf die Freiheit der Rede und die Freiheit der Kunst. Ein Anschlag auf das Herzstück jeder freiheitlichen Gesellschaft, die Grundlage unserer Arbeit. Wir werden uns auch in Zukunft nicht davon abhalten lassen, das zu veröffentlichen, was wir für richtig halten.“

+++ „Charlie Hebdo“ mit Millionenauflage +++

Die nächste Ausgabe des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ soll auch nach dem blutigen Anschlag auf die Redaktion in der kommenden Woche erscheinen. Das kündigte der Kolumnist des Magazins, Patrick Pelloux, am Donnerstag in Paris an. Geplant ist eine Veröffentlichung am Mittwoch, dem üblichen Erscheinungstag des religionskritischen Blattes. Der Verlag kündigte eine Auflage von einer Million Exemplaren an. „Charlie Hebdo“ hat erscheint sonst mit rund 60 000 Exemplaren. Nach der Terrorattacke mit zwölf Toten hatten mehrere französische Medien Unterstützung für das Magazin zugesagt.

+++ Niederlande im Zeichen von „Je Suis Charlie“ +++

Nach dem Mordanschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ haben in den Niederlanden Tausende Menschen in Dutzenden Städten am Donnerstagabend für Meinungsfreiheit demonstriert und ihre Solidarität bezeugt. Ministerpräsident Mark Rutte und zahlreiche Minister liefen an der Spitze des Demonstrationszuges in Amsterdam.

Frankreichs Politik sucht Wege nach dem Terror

Bricht Frankreich auseinander?

Präsident François Hollande setzt auf die Karte nationale Einheit. Schon kurz nach dem blutigen Attentat rief er die Franzosen auf, in dieser Zeit zusammenzustehen. Unterstützung hat der 60-Jährige bitter nötig. Hollande ist bei den Franzosen unbeliebt wie kein Staatschef vor ihm in der Nachkriegszeit. Im lange verkrusteten Frankreich sind seine Reformen umstritten, vielen gehen sie auch nicht weit genug. Nach dem Mordanschlag setzt Hollande auf parteiübergreifende Absprachen. Am Mordtag empfing er die Spitzen der in Frankreich relevanten Religionen, zudem lud er seine politischen Gegner zu Gesprächen in den Élyséepalast ein. Unklar bleibt, ob sein Ziel verfängt.

Bekommt der Staatschef Unterstützung der Opposition?

Nicolas Sarkozy, Vorgänger auf dem Präsidentenposten, ist in seiner Reinkarnation als Chef der konservativen UMP wichtigster Widersacher Hollandes. Der 59-Jährige, dessen Streben nach einem Wiedereinzug in den Präsidentenpalast in Frankreich als ausgemachte Sache gilt, präsentierte sich staatstragend. Es sei seine Pflicht gewesen, auf die Einladung in den Élysée zu reagieren. Er habe damit ein Klima der nationalen Einheit bezeugen wollen, sagte Sarkozy. Bei Forderungen nach verbessertem Terrorschutz setzt der UMP-Chef nach eigenen Worten nicht auf einen Gegensatz von Rechts oder Links. Er sieht einen besseren Schutz des Landes im Mittelpunkt.

Wie ist die Lage für Muslime und Ausländer im Land?

Die Integration von Ausländern, das Nebeneinander der Ethnien ist ein heißes Eisen in Frankreich. Das Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen gilt als angespannt wie lange nicht. In Frankreich leben nach Schätzungen bis zu fünf Millionen Muslime, viele von ihnen in den vernachlässigten Vorstädten. Dort ist fast die Hälfte der Menschen arbeitslos. Der Frust lässt junge Muslime nach Alternativen suchen. Angeblich haben sich etwa 1000 junge Franzosen der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen.

Kann die Rechtsextreme auf Zulauf hoffen?

Die Chefin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, kann nicht nur auf eine Reihe von Erfolgen zurückblicken. Bei der Europawahl war die eurokritische FN sogar stärkste Kraft in Frankreich noch vor Konservativen und Sozialisten. Dabei setzt sie auch auf islam- und ausländerfeindliche Argumente. Der Anschlag von Paris und die Angst vor Gewalt von Islamisten könnte den Rechtsextremen weiter Auftrieb geben. Le Pen betonte als eine der ersten, islamische Fundamentalisten hätten den Anschlag verübt. Für den Fall ihrer Wahl zur Staatspräsidentin 2017 schlägt sie bereits noch schärfere Töne an: Sie will eine Abstimmung über die Wiedereinführung der Todesstrafe.

+++ Höchste Terrorwarnstufe in Nordfrankreich ausgerufen +++
Die französische Regierung hat die höchste Terrorwarnstufe vom Großraum Paris auf die Region Picardie im Norden des Landes ausgedehnt. Diese Entscheidung sei infolge der Ereignisse vom Nachmittag gefallen, hieß es am Donnerstag am Regierungssitz von Premierminister Manuel Valls. Nachdem die beiden Hauptverdächtigen des Anschlags am Morgen in der Nähe einer Gemeinde in der Picardie gesichtet worden waren, wurden am Nachmittag in der Gegend Elite-Einheiten von Polizei (RAID) und Gendarmerie (GIGN) zusammengezogen.

Die Elite-Einheiten waren in einem Umkreis von 15 bis 20 Kilometer um den Ort Crépy-en-Valois im Département Oise im Einsatz, wie es in Ermittlerkreisen hieß. Die Polizisten waren für den Norden, die Gendarmen für den Süden zuständig. Bisher waren die beiden Elite-Einheiten noch nie zusammen im Einsatz.

+++ Helikopter kreisen über Crépy-en-Valois +++
Offenbar vermutet die Polizei die beiden Hauptverdächtigen in Crépy-en-Valois, einem Nachbarort von Villers-Cotterêt. Hubschrauber kreisen über dem Städtchen, berichtet Bürgermeister Bruno Fortier der Nachrichtenagentur Reuters. Außerdem seien Polizisten und Anti-Terror-Kräfte in seiner Stadt stationiert. In der Region gilt die höchste Warnstufe.

+++ Wo sind die Verdächtigen? +++
Die Polizei durchkämmt auf der Suche nach den flüchtigen Attentätern von Paris die Region um den nordfranzösischen Ort Villers-Cotterêt. Nach Hinweisen eines Tankstellenbesitzers waren die Sicherheitskräfte dorthin geeilt. Einsatzkräfte durchsuchten zurzeit die Gegend, in der die beiden Terroristen ihr Fluchtauto stehengelassen haben sollen, hieß es aus der Polizei. Ein französischer Fernsehsender berichtet, dass die Brüder sich in einem Haus in der Gemeinde Crépy-en-Valois verschanzt haben. Die beiden sollen am Vortag den Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ verübt und zwölf Menschen getötet haben.

+++ Großbritannien verschärft Kontrollen +++
Großbritannien hat die Sicherheitsvorkehrungen an seinen Häfen und Grenzübergängen verschärft. Reisende, Fahrzeuge und mitgebrachte Waren aus Frankreich und anderen europäischen Ländern würden verstärkt kontrolliert, erklärte Innenministerin Theresa May. Die Terrorwarnstufe bleibt aber auf der zweithöchsten Stufe, wie Premierminister David Cameron ergänzte. Das bedeutet, dass Geheimdienste einen Anschlag für sehr wahrscheinlich halten. Doch gibt es nach Angaben der Behörden keine spezifische neue Terrordrohung gegen Großbritannien.

+++ Dschihad-Flaggen und Molotowcocktails +++
Die Polizei hat in dem am Mittwoch in Paris stehengelassenen Fluchtauto der mutmaßlichen Attentäter in Paris Molotowcocktails und Dschihad-Flaggen gefunden. Es gehe um etwa zehn Brandsätze und Fahnen, mit denen zum Heiligen Krieg aufgerufen werde, zitierte die Nachrichtenagentur AFP eine Quelle, die mit der Untersuchung vertraut ist. Das zeige, wie radikalisiert die Terroristen seien und dass sie möglicherweise weitere Taten geplant hätten. Bei ihrer Flucht hätten die Attentäter am Mittwoch ihr Auto im Nordosten von Paris stehengelassen, nachdem sie mit einem anderen Wagen zusammengestoßen seien.

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+++ Flaggen in Bundeseinrichtungen auf Halbmast +++
Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) kündigt eine bundesweite Trauerbeflaggung der obersten Bundesbehörden und anderer Einrichtungen des Bundes an. Von Donnerstag bis Samstag würden dort die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Auch mehrere Bundesländer ordnen Trauerbeflaggung an.

Netz-Reaktionen: Trauer, Wut und Satire

Netz-Reaktionen

Trauer, Wut und Satire

#JeSuisCharlie, #CharlieHebdo, #PrayersforParis: Die Reaktionen auf den Terroranschlag in Paris sind überwältigend. Weltweit trauern Menschen mit „Charlie Hebdo“ – und plädieren für eine neue Debatte in der Medienethik.

+++ Oppermann: „Wir dürfen keine Panik verbreiten“ +++
SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann warnt vor einer Debatte um neue Anti-Terror-Gesetze. „Der Terroranschlag, der in Paris passiert ist, hätte überall in Europa passieren können“, sagte er am Rande einer Klausurtagung. „Wir dürfen keine Panik verbreiten. Das wollen die Terroristen, dass wir alle in Angst und Schrecken und in wilden Debatten übereinander herfallen.“ Er habe großes Vertrauen in die Sicherheitsbehörden, sagte Oppermann. Nötig sei aber mehr europäische Zusammenarbeit, etwa bei der Überwachung von Kämpfern, die aus dem Irak und Syrien zurückkehren. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die große Mehrheit der friedlichen Muslime in Deutschland und Europa haftbar gemacht wird für diese Terrortaten einzelner irregeleiteter Menschen“, sagte Oppermann.

+++ Tankstelle überfallen? +++
Nach Internetberichten des Magazins „Le Point“ und anderer Medien könnten die mutmaßlichen Attentäter von Paris bei ihrer Flucht einen Überfall auf eine Tankstelle in dieser Region verübt haben. Bei dem Raub an einer Nationalstraße stahlen zwei maskierte Männer Benzin und Essbares. Dann flohen sie, hieß es in den Berichten. Ein Reporter von AFP twitterte dieses Foto:

+++ Zwei Tatverdächtige „aufgespürt“ +++
Die Fahnder haben offenbar die zwei Tatverdächtigen des Angriffs auf „Charlie Hebdo“ gefunden. Das berichtet die Nachrichtenagentur mit Verweis auf Ermittler. Nach den Angaben wurden sie in Nordfrankreich gesichtet – laut dpa angeblich an einer Tankstelle. Sie seien bewaffnet und mit einem grauen Clio unterwegs gewesen, hieß es von Seiten der Ermittler. Demnach hielten sich die beiden im Département Aisne auf. Sie seien den Informationen zufolge schwer bewaffnet. Die beiden Tatverdächtigen führten offensichtlich Schnellfeuerwaffen mit sich, heißt es. Die Rede war auch von einer Panzerfaust.

+++ Furcht vor wachsendem Anti-Islamismus +++
Nach dem Terroranschlag könnte sich hierzulande die Stimmung mit anti-islamischen Tendenzen weiter aufheizen. Das befürchtet die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, die auch Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bunds in Köln ist. Die barbarische Tat könne auch „Wasser auf die Mühlen der Scharfmacher auf beiden Seiten“ in Deutschland sein, sagte Religionspädagogin Kaddor. Auftrieb bekommen könnten islamische Fundamentalisten einerseits und Islamgegner wie die Pegida auf der anderen Seite. Sie halte es für gefährlich, dass die Anti-Islam-Bewegung Pegida Tausende für ihre Demos gewinnen könne, betonte Kaddor. Viele Muslime in Deutschland seien innerlich zerrissen und frustriert.

Kommentare (1)

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Frau Marie Schöneburg

08.01.2015, 08:09 Uhr

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