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09.07.2015

01:04 Uhr

++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++

Mehreren Banken droht angeblich Schließung

Die Gläubiger stellen ein Ultimatum: Noch diese Woche soll Athen ein Reformpaket vorlegen. Die Notkredite für die angeschlagenen Banken werden offenbar beibehalten. Filialen bleiben bis mindestens Montag geschlossen.

Den griechischen Banken droht das Geld auszugehen. ap

Bankautomat in Athen

Den griechischen Banken droht das Geld auszugehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande fordern vor dem Sondergipfel der Euro-Zone am Abend in Brüssel schnelle Vorschläge aus Athen – die Tsipras auch zusagt. Der neue Finanzminister Griechenlands Euklid Tsakalotos gibt ein wenig Hoffnung, dass doch noch eine Einigung erreicht werden könnte, die Menschen in Griechenland stehen weiterhin vor verschlossenen Banken. Die Entwicklungen des Tages zum Nachlesen.

+++ Insider: Manchen Banken droht die Schließung +++

Auch bei einer Einigung im Schuldenstreit könnte Insidern zufolge ein Umbruch für die angeschlagenen griechischen Banken anstehen. Mehrere große Institute müssten wohl geschlossen werden und mit stärkeren fusionieren, sagten mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Einer der Insider sagte, am Ende könnten von den vier großen Geldhäusern National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus und Alpha Bank noch zwei bestehen bleiben. Einem zweiten Insider zufolge sind zwar Fusionen von Banken notwendig. Ein Umbau der Branche könne aber über eine längere Zeit hinweg erfolgen.

+++ Keine Sonderbehandlung vom IWF +++

Griechenland muss seine Schulden nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) umstrukturieren. Eine Umschuldung müsse Teil eines Plans zur Rettung der griechischen Finanzen sein, bekräftigte IWF-Chefin Christine Lagarde am Mittwoch in Washington. Zu diesem Schritt habe der Fonds - zusammen mit der Forderung nach Reformen - stets geraten, und an dieser Ansicht habe sich auch nichts geändert. Das Land stecke in einer „akuten Krise“, sagte Lagarde in ihrer Rede vor dem Institut Brookings. „Der IWF bleibt der Suche nach einer Lösung, um in Griechenland Stabilität und ein tragfähiges Schuldenniveau wiederherzustellen, voll verpflichtet.“

+++ Griechische Banken bleiben mindestens bis Montag geschlossen +++

Die griechischen Banken bleiben mindestens bis einschließlich Montag geschlossen. Den entsprechenden Ministerialerlass habe Vize-Finanzministerin Nadja Valavani am Mittwoch unterzeichnet, berichtete das Staatsradio (ERT). Auch bleibe das Maximum für Geld-Abhebungen bei 60 Euro pro Tag bestehen.


+++ Lammert rügt „hochmütigen Unterton“ der griechischen Regierung +++

Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) kritisert Auftreten der Athener Regierung nach dem jüngsten Referendum. Es falle ihm „nicht ganz leicht, den hochmütigen Unterton“ der Verantwortlichen zu ignorieren, sagte er der Deutschen Welle in Berlin. Die griechische Regierung halte ihren Kurs durch das mehrheitliche Nein zu den Sparauflagen der Gläubiger für besonders legitimiert und trete entsprechend selbstbewusst gegenüber den europäischen Institutionen auf. Doch auch die Parlamente der 18 anderen Euro-Staaten seien demokratisch gewählt und mit Mitspracherechten ausgestattet. „Und die Erwartungen der dortigen Bevölkerung an den Umgang mit den Regeln der europäischen Haushaltspolitik und des Euro-Regimes sind erkennbar völlig andere als die in Griechenland“, sagte Lammert.

+++ EZB-Ratsmitglied warnt vor Abschreibung griechischer Schulden +++

Das lettische EZB-Ratsmitglied Ilmars Rimsevic hat davor gewarnt, griechische Schulden abzuschreiben. Dies wäre der „Anfang vom Ende“ für die Euro-Zone, sagt er und empfiehlt, vor Diskussionen über einen Grexit noch eine Woche zu warten. Gleichzeitig stellt er fest, dass es Athen mit jedem neuen Vorschlag schwer haben, an Glaubwürdigkeit zu gewinnen.


+++ EZB verlängert offenbar Nothilfen für griechischen Banken +++

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Notfallhilfe für griechische Banken weiterhin unverändert aufrecht. Dies verlautete am Mittwochabend aus Bankenkreisen nach einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt am Main. Damit lägen die Kredite weiter bei knapp 90 Milliarden Euro. Dieser Finanzrahmen soll allerdings fast ausgeschöpft sein. Erst am kommenden Montag solle das Kreditvolumen wieder überprüft werden.

Das Ultimatum gegen Tsipras läuft

Video: Das Ultimatum gegen Tsipras läuft

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+++ US-Finanzminister fordert Europäer zur Einigung auf +++

US-Finanzminister Jacob Lew hat die Eurozone aufgerufen, Griechenland mit einem Deal einen „nachhaltigen“ Weg zu Wachstum und Schuldentragfähigkeit zu ermöglichen. Ohne Aussicht auf Umschuldung werde Ministerpräsident Tsipras die geforderten Reformen in seinem Land nicht durchsetzen können. Ansteckungsgefahren durch die Krise für das weltweite Wirtschafts- und Finanzsystem sieht er kaum. Die Lage sei verglichen mit den Jahren 2010 bis 2012 „sehr anders“, sagte Lew bei einer Veranstaltung am Washingtoner Politikinstitut Brookings.

+++ EU prüft Hilfsantrag aus Griechenland +++

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat nach dpa-Informationen die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) damit beauftragt, den griechischen Antrag auf neue Rettungsgelder zu überprüfen. Die Institutionen werden nun die finanzielle Lage des akut pleitebedrohten Landes untersuchen. Nach Angaben von Luxemburgs Finanzminister Gramegna sei der Antrag jedoch bei den Schlüsselfragen Steuer- und Rentenreform „vage“.


+++ Gegenbewegung: Top-Ökonomen fordern Grexit +++

Der Kronberger Kreis, wissenschaftlicher Beirat der Stiftung Marktwirtschaft, hat sich für einen einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion ausgesprochen. Dem Kreis gehören unter anderem auch die zwei Wirtschaftsweisen, Lars P. Feld und Volker Wieland, an. Ein Austritt Griechenlands gefährde weder den Euro, noch Europa; ein „Nachgeben gegenüber der griechischen Forderung nach neuen Krediten oder einem Schuldenerlass ohne Bedingungen“ dagegen umso mehr, teilte das Gremium in Frankfurt am Main mit. „Mit dem Austritt Griechenlands scheitert weder der Euro noch Europa.“

Kommentare (64)

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Herr Ercole Domenico

08.07.2015, 07:25 Uhr

Warum Frankreich der Hauptverantwortliche ist.

Weil Frankreich (ab Giscard d’Estaing, Chirac, Mitterrand und Sarkozy) das einzige Land war dass die EU-Verträge in der jetzigen Form hätte verhindern können.
Die EU-Verträge führen zwangsläufig zur verstärkten Divergenzen zwischen den starken Wirtschaften und den schwächeren Wirtschaften in der Europäische Währungsunion.
Der größte Nutznießer der Verträge ist bei weitem, wegen der Großkonzerne, Deutschland, der größte Verlierer ist wahrscheinlich Italien (- 25% in den letzten 4 Jahren).
Die enorme Gewinne die diese Großkonzerne in Südeuropa erzielen werden in Nordeuropa investiert, was einer starken Kapitalflucht gleichkommt.
Wenn nichts grundsätzliches geändert wird ist die nächste Eurokrise schon vorprogrammiert.
Liebe Politiker, denkt weniger national und mehr europäisch.

Herr Oliver Klima

08.07.2015, 08:31 Uhr

"No Triumphalism"

Es müsste schon ein Wunder passieren, um kurzfristig ein Rettungspaket für die Griechen auf die Beine stellen zu können.

Und dies aus folgenden Gründen:

1. Tsipras wird nicht ernsthaft an einem weiteren Rettungspaket interessiert sein. Noch immer fabuliert er von der Ehre seines Volks, einem Argument, das man in einer bevorstehenden humanitären Krise bestenfalls als Verlust der Bodenhaftung einstufen kann.

2. Realitätsverlust kann man auch dem neuen Finanzminister Tsakalotos attestieren, denn seine Randnotiz "No Triumphalism" auf seinem Rednermanuskript verrät, dass er sich als Sieger für etwas sieht. Nur leider gibt es keine Sieger. Und wer ein Referendum als Sieg einstuft, der unterliegt einer Selbsttäuschung.

3. Im Ergebnis hat sich also an der griechischen Verhandlungsposition nichts geändert. Das Nein des Referendums will Tsipras offiziell nicht als Grexit verstehen. In Wahrheit aber plant er seit Monaten genau das, denn wenn er wirklich Hilfen der EU wünschen würde, dann hätte er längst einen perfekten ESM-Antrag gestellt.

4. Finnland hat in der Parteienlandschaft einen sehr breiten Konsens, dass die griechische Regierung unter diesem Gebaren nicht gefördert werden kann. Bereits an dieser sehr starken Position wird sich kein weiteres Rettungspaket ergeben.

5. Die Haltung von Juncker, Renzi, Hollande und vielen anderen Mitstreitern ist auf jeden Fall zu würdigen. Etwas wie wir es die letzten Monate erlebt haben, sollte sich nicht wiederholen. Was jetzt auf die Griechen zukommt, wird schrecklich sein. Und wenn Castro und Kirchner hierzu auch noch applaudieren, dann auch zu dem Elend, das den Griechen bevorsteht. Makaber? Ja! Hungern für Ideologien.

6. Wenn es zum Scheitern eines weiteren Rettungspaketes kommt, dann würde ich mir ein realistisches und starkes Bekenntnis der EURO-Länder auch im Sinne notwendiger Verbesserungen am Controlling, der Fiskalunion und einem EU-Staaten-Insolvenzrecht wünschen.

aza azaziel

08.07.2015, 08:35 Uhr

Hollande sagte: … Und weiter: „Es ist nicht so, dass ein Land, das sich nicht an die Regeln hält, ewig in derselben Währungszone bleiben kann.“

Ha, ha, ha, ha! Frankreich!

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