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06.07.2015

02:42 Uhr

++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++

Stimmen ausgezählt - 61,31 Prozent für „Nein“

Griechenland hat sich für „Nein“ entschieden. Griechenlands Regierungschef will die Schulden umstrukturieren, Varoufakis will neu verhandeln. Die EZB will nach Insider-Informationen die Nothilfen aufrecht erhalten.

„Oxi“ auf „Nai“: Die Polarisierung der griechischen Gesellschaft hat eine lange Historie. Reuters

Gespaltene Gesellschaft

„Oxi“ auf „Nai“: Die Polarisierung der griechischen Gesellschaft hat eine lange Historie.

Griechenland hat entschieden: Auf 61,31 Prozent der Stimmzettel war „Nein“ angekreuzt. Auf den Straßen feiern die Menschen, hinter den Kulissen arbeiten die Politiker. Die Entwicklungen im Liveblog zum Nachlesen.

+++ Schulz für humanitäres Hilfsprogramm +++

Der Präsident des europäischen Parlaments, Martin Schulz, macht sich nach dem Referendum in Griechenland für ein humanitäres Hilfsprogramm für das Land stark. Darüber sollten die Staats- und Regierungschefs der Euroländer bei ihrem für Dienstag geplanten Sondergipfel auch sprechen, forderte Schulz. Normalbürger, Rentner, Kranke und Kinder in Griechenland sollten nicht den Preis für die dramatische Situation zahlen, für die die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras verantwortlich sei. Daher plädiere er für ein sofortiges Hilfsprogramm.

Nun sei es an Athen, in den nächsten Stunden „aussagekräftige und konstruktive Vorschläge“ zu machen, um die Gespräche mit den anderen 18 Euroländern wieder in Gang zu bringen, sagte Schulz. „Wenn nicht, stehen uns sehr schwierige und sogar dramatische Zeiten bevor.“

+++ 61,31 Prozent lehnen EU-Pläne ab +++

Die Stimmen des Referendums sind ausgezählt. 61,31 Prozent der Wähler stimmten für „Nein“, 38,69 Prozent für „Ja“. Teilgenommen haben 62,5 Prozent der Wahlberechtigten Griechen. 5,8 Prozent der Stimmen waren ungültig.

+++ Griechischer Staatspräsident beruft Treffen der Parteien ein +++

Griechenlands Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos hat ein Treffen mit den Vorsitzenden der sieben im Parlament vertretenen Parteien anberaumt. Damit folge er einer Bitte von Ministerpräsident Tsipras, sagte Pavlopoulos.

Es wird nun erwartet, dass Tsipras Staatspräsident Pavlopoulos bei einem Treffen seine Pläne für eine angestrebte Einigung auf ein neues Rettungspaket unterbreitet.

+++ Japan ist bereit in Finanzmärkte einzugreifen +++

Japan ist nach Angaben eines Regierungsvertreters in engem Kontakt mit anderen Regierungen wegen des Referendums in Griechenland. Die Regierung in Tokio sei bereit, bei Bedarf angemessen zu reagieren, auch mit Eingriffen an den Finanzmärkten, sagte der Insider. Zudem gebe es ein Treffen von Vertretern der Regierung und der japanischen Notenbank.

+++ Schulz bezweifelt schnelle Bankenöffnung +++

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz glaubt nicht daran, dass die Banken in Griechenland nach dem „Nein“ beim Referendum schon am Montag wieder öffnen werden.

„Das Versprechen des Finanzministers (Gianis Varoufakis), dass die Banken morgen öffnen werden und das Geld von morgen oder Dienstag an verfügbar sein wird, scheint für mich sehr schwierig und gefährlich zu sein“, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend in Brüssel.

Auch die Aussage von Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras, dass sich mit einem „Nein“ zu den Sparvorgaben die Situation der griechischen Bevölkerung verbessern werde, zweifelt Schulz an. „In meinen Augen ist das nicht wahr.“ Vielmehr sehe er die griechische Bevölkerung nun in einer Situation, die von Tag zu Tag schwieriger werde.

+++ Ausverkauf an den Börsen droht +++
Mohammed A. El-Erian, früherer Chef der Allianz-Investmenttochter Pimco, warnt vor einem Ausverkauf an den Finanzmärkten. „Hier ein schnelles Update“, schreibt der Finanzmarkt-Experte am Sonntag in den USA. „Wenn sich dieses historische „Nein“ bestätigt“, so El-Erian auf Facebook, (https://www.facebook.com/elerianm/posts/1598193590435437) sollte für Montag „mit einem globalen Ausverkauf bei Wertpapieren und hohem Preisdruck bei Griechenland-Anleihen“ gerechnet werden. Was danach geschehe, werde davon abhängen, ob Griechenland und seine Gläubiger zusammenarbeiten und sich darauf einigen werden, was dieses Nein wirklich bedeute. Außerdem sei entscheidend, ob die katastrophale Situation in Griechenland den Politikern genug Zeit lasse, um sich zusammenzureißen und letztlich, ob die EZB mit neuen Mittel den Zusammenbruch verhindern helfe. „Europa hat Mittel“, so der volkswirtschaftliche Chefberater der Allianz, um „eine Ausweitung der Krise zu verhindern und die Integrität der Eurozone zu retten“. Es sei jedoch „mehr als zweifelhaft“, ob die Griechen den Status einer Vollmitgliedschaft in der Eurozone aufrechterhalten können.

+++ Juncker berät Montag mit EU-Institutionen +++

Nach dem klaren „Nein“ der Griechen zu europäischen Spar- und Reformvorgaben will EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Montag mit Spitzenvertretern der EU-Institutionen über das weitere Vorgehen beraten. Es sei eine Telefonkonferenz mit EU-Gipfelchef Donald Tusk, Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem und dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, geplant, teilte die EU-Kommission am späten Sonntagabend in Brüssel mit. Juncker sei auch mit den Staats- und Regierungschefs der 18 Eurostaaten - dabei ist Griechenland nicht eingerechnet - in Kontakt. Der Luxemburger wolle sich bei einem schon länger geplanten Auftritt im Straßburger Europaparlament am Dienstag äußern.

Kommentare (1)

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Tom Hess

06.07.2015, 10:16 Uhr

Zitat Schulz: "Normalbürger, Rentner, Kranke und Kinder in Griechenland sollten nicht den Preis für die dramatische Situation zahlen, für die die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras verantwortlich sei. Daher plädiere er für ein sofortiges Hilfsprogramm". Ach so, aber der Rest Europas soll schon dafür grade stehen? Bitte nicht falsch verstehen, ich bin sehr für humanitäre Hilfe. Abert solange es in den anderen Ländern und sogar in Deutschland verarmte Rentner, Obdachlose und Kinder, die hungrig in die Schule müssen, gibt, habe ich dafür 0,000 Prozent Verständnis. Schicken Sie doch Ihre Diäten, Herr Schulz und gehen mit gutem Beispiel voran und nehmen nicht dauernd alle Bürger Europas in die Pflicht für eine Politik, die auch SIE zu verantworten haben!

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