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02.07.2015

04:46 Uhr

++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++

Varoufakis sieht Bankenschließung als Erpressung

Tsipras hält am Referendum fest und wirbt in seiner Rede an die Nation für ein „Nein“. Eurogruppenchef Dijsselbloem erinnert ihn an ein Versprechen und IWF-Chefin Lagarde fordert „ein bisschen mehr Erwachsensein“.

Die Bundesregierung bereitet sich auf einen humanitäre Notfall in Griechenland vor und richtet sich auf eine Notversorgung ein. dpa

Krise trifft die Bevölkerung

Die Bundesregierung bereitet sich auf einen humanitäre Notfall in Griechenland vor und richtet sich auf eine Notversorgung ein.

Die Euro-Zone steht vor einer gewaltigen Erschütterung. Athen steuert auf die Pleite zu. Die Notenbank führt Kapitalverkehrskontrollen ein. Die Menschen gehen zu Hamsterkäufen über, Schlangen bilden sich an Apotheken und Tankstellen. Die griechische Regierung wehrt sich gegen einen möglichen Grexit – und hält doch weiter am Referendum fest. Das will die Eurogruppe nun erst einmal abwarten. Alle Ereignisse des Tages im Liveblog.

+++ Obama diskutiert Griechenland-Lösung mit Renzi +++

US-Präsident Barack Obama spricht mit Italiens Regierungschef Matteo Renzi über den anhaltenden griechischen Schuldenstreit. In einem Telefongespräch am Mittwoch hätten die beiden darüber diskutiert, wie Griechenland in der Eurozone gehalten werden könne, teilte das Weiße Haus mit. Obama und Renzi hätten übereingestimmt, dass es wichtig sei, Griechenland bei Reformen zu helfen, Wachstum zu ermöglichen und die Zukunft des hoch verschuldeten Landes in der Eurogruppe zu sichern. Die beiden sprachen laut Angaben aus Washington außerdem darüber, wie sie weitere Finanzmärkte während der Griechenlandkrise beobachten.

+++ Lagarde rät Griechenland zum Erwachsenwerden +++

Nach der Zuspitzung der griechischen Finanzkrise hat die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, der linksgerichteten Regierung in Athen indirekt Unvernunft vorgeworfen. "Angesichts des Maßes an Unsicherheit, Verwirrung und ständiger Bewegung wäre aus meiner Sicht weiterhin ein bisschen mehr Erwachsensein erforderlich", sagte Lagarde am Mittwoch dem US-Fernsehsender CNN. Dass Griechenland gegenüber dem IWF in Zahlungsverzug geraten sei, sei "eindeutig keine gute Entwicklung". Schließlich hindere dies den Fonds derzeit daran, Griechenland weitere Hilfen zukommen zu lassen.

Voraussetzung für weitere Hilfen seien weitere tiefgreifende Reformen, wie der IWF und die EU sie von Athen gefordert hatten, hob Lagarde auf CNN hervor. "Das sind strukturelle Reformen, steuerliche Anpassungen, um sicherzustellen, dass das Land auf einem nachhaltigen Weg ist", fügte die IWF-Chefin hinzu.

+++ Varoufakis macht Gläubiger für Bankenschließung verantwortlich +++

Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis hat die internationalen Gläubiger für die Schließung der griechischen Banken verantwortlich gemacht. „Dies ist ein sehr dunkler Moment für Europa“, sagte Varoufakis am Mittwoch in einem Live-Interview im staatlichen Fernsehen. „Sie haben unsere Banken geschlossen für den einzigen Zweck, um was zu erpressen? Ein „Ja“-Votum über eine nicht-tragfähige Lösung zu bekommen, die schlecht für Europa wäre.“

Obwohl er sich öffentlich gegen die weiteren Euro-Finanzminister stellte, sagte Varoufakis auch, dass Athen und seine Gläubiger in der Frage nach ausgabenkürzenden Reformen weiterhin „sehr nah“ beieinander seien. Eine Einigung könne möglicherweise nach dem Referendum am Sonntag erreicht werden. Man müsse jedoch weiter verhandeln, um die griechische Lage bei der Staatsschuldung nachhaltig tragbar zu machen.

+++ Dijsselbloem erinnert Tsipras an ein Versprechen +++

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat den griechischen Premier Alexis Tsipras dazu aufgefordert, fällige Kredite an Gläubiger zurückzuzahlen. Das habe die griechische Regierung bei der Verlängerung des damaligen Hilfsprogramms am 20. Februar zugesagt, schrieb Dijsselbloem in einem am Mittwochabend veröffentlichten Brief. Athen hatte die am Dienstag fällige Kreditrate an den Internationalen Währungsfonds von rund 1,6 Milliarden Euro nicht bezahlt. Der Niederländer teilte dem griechischen Regierungschef außerdem mit, dessen Antrag auf einem 29-Milliarden-Euro-Kredit vom Eurorettungsschirm ESM werde erst nach dem Referendum an diesem Sonntag bearbeitet.

+++ Moody's stuft Griechenland herab +++

Die Ratingagentur Moody's setzt die Bonität Griechenlands auf die Stufe CAA3 herab. Und damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: Eine weitere Herabstufung sei möglich, teilt die Agentur mit. Moody's begründete den Schritt mit dem für Sonntag geplanten griechischen Referendum über die Reformforderungen der internationalen Geldgeber. Die Ankündigung dieser Volksabstimmung sei ein "zusätzliches Risiko" für Griechenlands private Gläubiger.

+++ Varoufakis setzt auf Einigung am Montag +++

Die griechische Regierung strebt nach den Worten von Finanzminister Yanis Varoufakis eine Vereinbarung mit den Gläubigern am Montag an. Die Regierung sei bereit, harte Maßnahmen zu akzeptieren, wenn die Schuldenlast tragfähig ist. Unterdessen kursieren auf Twitter Umfrageergebnisse zum Referendum.

+++ Banken bleiben am EZB-Tropf +++

Griechische Geldhäuser bekommen weiter frisches Notenbankgeld. Die EZB genehmigt die so genannten ELA-Notkredite an die Institute, sagt ein Sprecher.

+++ Athen zahlt auch Schulden bei eigener Notenbank nicht zurück +++

Die griechische Regierung hat außer beim IWF auch bei der eigenen Zentralbank fällige Schulden nicht zurückgezahlt. Das erfuhr die dpa aus Notenbankkreisen, die damit einen Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ bestätigten. Demnach wurde ein fälliger Kredit im Umfang von 470 Millionen nicht beglichen. Es handele sich um Altlasten aus der Zeit vor der Einführung des Euro. Kredite der Zentralbank an die Regierung eines Landes sind nach den Regeln des Eurosystems heute nicht mehr erlaubt.

Nach Informationen der „Welt“ konnte die Regierung allerdings die formale Feststellung eines Zahlungsausfalls vermeiden. Sie habe mit der Zentralbank vereinbart, dass die Altschuld mit zukünftigen Notenbankgewinnen und anderen Forderungen der Regierung verrechnet werde.

+++ Tränen am Geldautomaten +++

Auch unseren Griechenland-Korrespondenten Gerd Höhler lässt die Krise nicht kalt: „Heute Abend war ich am Geldautomaten. Ich brauchte 200 Euro, um Rechnungen zu bezahlen, im Supermarkt einzukaufen und vollzutanken – wer weiß, wie lange es noch Sprit gibt. Vor mir standen an dem Geldautomaten im Stadtteil Glyfada fünf Wartende, darunter zwei Rentner. Einer von ihnen, ein Mann von vielleicht Mitte 70, hatte seinen kleinen Hund dabei. Er stand vor mir in der Schlange. Als er zum Geldautomaten ging und die Bankkarte aus seiner Brieftasche zog, zitterte seine Hand. Ich stand vielleicht fünf Meter hinter ihm. Aber ich sah: Es dauerte lange, bis er die richtigen Tasten traf. Dann war er fertig. Er drehte er sich um, hielt drei 20-Euro-Scheine in der Hand. „Das ist alles“, sagte er fassungslos zu mir. Er hatte Tränen in den Augen. 60 Euro, das ist das Tageslimit, das die Griechen seit Montag an den Bankautomaten bekommen. Mit meiner deutschen Bankkarte konnte ich problemlos 200 Euro ziehen. Noch nie in meinen 36 Griechenland-Jahren habe ich mich so mies gefühlt wie in diesem Augenblick.“

Kommentare (69)

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Herr Fred Meisenkaiser

01.07.2015, 07:20 Uhr

Die Propagandamedien verdrehen die Tatsachen völlig! Tsipras sitzt erstaunlich fets im Sattel.

Im Übrigen : Die Konservativen Vorgängerregierungen haben die Schulden angehäuft. Nicht Tsipras!!!

Tsipras hat als erster erkannt, das Griechenland die Gelder nicht zurückzahlen kann. Ach so, unter der Troika haben sich dieSchulden verdoppelt! Soviel zum erfolg der Troika-Maßnahmen.

Herr Ingo Tietz

01.07.2015, 07:59 Uhr

@ Fred Meisenkaiser

Volle Zustimmung, ich teile ihre Meinung. Was für ein mediales Mainstreammedien-Schmierentheater, welches man uns in den Medien landesweit tagtäglich auftischt.

Schauen Sie sich die Plasberg-Sendung von gestern Abend an:
https://www.youtube.com/watch?v=Uv-nsL91kXw

Das ist pure einseitige Meinungsmache der Inbegriff des manipulativen Journalismus eines öffentlich-rechtlichen Senders. Welche Parteikader sitzten beim WDR in den entscheidenden Positionen und warum machen sich Journalisten wie Plasberg und Jauch mit einer Sache gemein, anstatt unabhängig und unvoreingenommen zu moderien?! Egal was man schaut, egal welche Artikel man liest, die Griechen sind an allem schuld, man hat sich auf ein neues Feinbild eingeschossen. Und was macht der deutsche Michel? Lässt sich von den Medien weiter aufhetzen, anstatt sich im Internet über die tatsächlichen Ursachen und Zusammenhänge dieser Schuldenkrise zu informieren. Wo bleibt eigentlich die Empörung darüber, dass man von politischer Seite die (Zocker)Verluste der Gläubiger jetzt auf alle europäischen Steuerzahler umverteilt hat. Das ist doch der eigentliche Skandal, nicht die Griechen sind an allem schuld, sondern verantwortungslose Politiker, die wieder mal die Bonzen retten und die Masse der Mittel- und Unterschicht verkaufen und für ihr Geldsystem des leistungslosen Einkommens (Zinseszins) weiterhin versklaven. Liebe Landsleute, wo bleibt da euer Aufschrei und euer Widerstand, nichts zu hören, Geld regiert und alle schlafen.

Herr Ragin Allraun

01.07.2015, 08:03 Uhr

Griechenland ist und war noch NIE ein Industrieland. Wer sowas verbreitet leidet unter Realitätsverlust.

Griechenland ist ein 3. Welt Land und d genau darin liegt ja die Krux. Man kann die erste und dritte Welt nicht unter eine Währung zwingen, ohne das die 1. Welt, für die 3. Welt monetär und zivilisatorisch ausblutet.

Es war und ist nach wie vor Idiotie. Und es wird auch weiter ideologische Idiotie bleiben, von Griechenland genauso, wie von der Eurogruppe die sich alles schön singen.

ERBÄRMLICH.

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