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28.08.2014

18:58 Uhr

+++ Liveblog zur Ukraine-Krise +++

Uno-Sicherheitsrat vor Dringlichkeitssitzung

Der Ukraine droht eine weitere Front: Russische Soldaten sollen die Kontrolle über eine Grenzstadt übernommen haben. Um Mariupol zieht die Regierung Truppen zusammen. Die EU berät über weitere Sanktionen.

Kämpfe gehen weiter

Ukrainische Soldaten töten 200 Separatisten

Kämpfe gehen weiter: Ukrainische Soldaten töten 200 Separatisten

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Die USA berichten von Panzerkolonnen, die in die Ostukraine vordingen. Kiew bezichtigt Russland, eine zweite Front eröffnen zu wollen. Ziel sei eine Landverbindung zur bereits annektierten Halbinsel Krim. Moskau bleibt bei seiner Aussage, dass man nur einen weiteren Hilfskonvoi schicken werde. Die Ereignisse des Tages im Liveblog.

+++ Putin: 100 tote russischen Soldaten +++

Mehr als 100 russische Soldaten sind Beratern von Präsident Wladimir Putin zufolge vor zwei Wochen bei einer Schlacht in der Ostukraine getötet worden. Zwei Mitglieder des von Putin eingesetzten Menschenrechtsrates, Ella Poljakowa und Sergej Kriwenko, beriefen sich am Donnerstag auf Augenzeugenberichte und Verwandte der Opfer. Am 13. August sei ein mit Munition beladener Konvoi nahe Snischnje in der Provinz Donezk von einer Salve „Grad“-Raketen getroffen worden, erklärten sie. „Mehr als 100 Menschen starben“, sagte Kriwenko per Telefon. Poljakowa sagte, ihr sei die selbe Zahl von getöteten russischen Soldaten zugetragen worden. Zudem habe es etwa 300 Verletzte gegeben. Das Verteidigungsministerium in Moskau wies Berichte über die Präsenz russischer Soldaten in der Ukraine entschieden zurück. Ein Vertreter sagte der Nachrichtenagentur Interfax, man wisse von einer entsprechenden „Ente“. „Wir müssen die ausländischen Autoren und ihre wenigen Unterstützer in Russland enttäuschen“, sagte er. Die Inhalte „hätten keinen Bezug zur Realität“.

+++ Ukraine und Russland beraten weiter +++

Trotz massiver Vorwürfe aus Kiew über eine russische Militäroffensive in der Ostukraine haben sich erstmals Vertreter der Generalstäbe Russlands und der Ukraine beraten. Sie hätten über einen Gefangenenaustausch gesprochen, sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am Donnerstag bei einer Sitzung des Sicherheitsrates in Kiew. Den Grenzschutz wies Poroschenko an, im umkämpften Osten gemeinsame Patrouillen mit russischen Kollegen zu organisieren. Pläne für die Konsultationen von Generalstab und Grenzschutz hatte Poroschenko nach seinem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin beim Minsker Krisengipfel am Dienstag angekündigt. Die ukrainischen Streitkräfte brachten die Situation im umkämpften Osten des Landes nach Angaben Poroschenkos „unter Kontrolle“. Er bekräftigte seine Anschuldigung gegen Moskau, russische Soldaten seien über die Grenze gekommen. Russland wies dies zurück.

+++ Merkel: Weitere Sanktionen möglich +++

Die Europäische Union wird bei ihrem Sondergipfel in Brüssel am Samstag über eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland beraten. Dies kündigte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der neuen Zuspitzung im Osten der Ukraine am Donnerstagabend in Berlin an. „Wir wollen diplomatische Lösungen, wir werden da auch nicht nachlassen“, sagte Merkel. „Aber wir müssen feststellen, dass sich die Dinge in den letzten Tagen wieder erschwert und verschlechtert haben.“

Die Kanzlerin verwies auf Vereinbarungen innerhalb der EU, wonach bei einer weiteren Eskalation in der Ukraine über weitere Strafmaßnahmen gesprochen werden müsse. Jetzt gebe es Berichte, wonach es eine „verstärkte Präsenz auch russischer Soldaten gibt und auch neue Unruhen und neue Vormärsche“. Deshalb würden sich die Staats- und Regierungschefs der 28 EU-Länder neu mit der Frage von Sanktionen beschäftigen. „Das Thema wird auf der Tagesordnung des Rates sein.“

+++ Sondertreffen zwischen Nato und Ukraine am Freitag +++
Die Botschafter der Nato-Staaten und der Ukraine kommen am Freitag zu einem Sondertreffen zusammen, wie ein Vertreter des Verteidigungsbündnisses sagt. Demnach bat das osteuropäische Land um die Sitzung.

+++ Poroschenko warnt vor Panik +++
Nach dem Eindringen russischer Soldaten in die Ukraine hat deren Präsident Petro Poroschenko seine Landsleute zur Ruhe gemahnt. „Destabilisierung der Lage und Panik, das sind genauso wichtige Waffen des Feinds wie Panzer“, sagte Poroschenko nach einem Bericht der Agentur Interfax auf einer Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrats am Donnerstag.

+++ Cameron warnt Putin +++

Der britische Premierminister David Cameron fordert Russland auf, sofort das Überqueren der ukrainischen Grenze mit russischen Panzern zu stoppen. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin warnt er vor „weiteren Konsequenzen“.


+++ Weizenpreis zieht an +++
Die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine - zwei der weltgrößten Weizen-Exporteure - haben am Donnerstag die Preise für das Getreide in die Höhe getrieben. An der Chicagoer Börse verteuerte sich ein Scheffel US-Weizen zur Lieferung im Dezember um bis zu drei Prozent auf rund 5,79 Dollar. EU-Weizen zur Lieferung im November kostete mit 176 Euro je Tonne 1,4 Prozent mehr. „Es gibt zwar noch keine Anzeichen dafür, dass die Ausfuhr der Ukraine behindert wird, aber die Krise rückt näher an den Handelshafen Mariupol heran“, sagte ein Händler.

+++ Ukraine sammelt Truppen bei Mariupol +++
Das ukrainische Militär hat nach Angaben eines Sprechers Truppen zur Verteidigung der ostukrainischen Stadt Mariupol zusammengezogen. Es stünden genügend Soldaten zur Verfügung, um zu verhindern, dass die Stadt von feindlichen Kräften erobert werde.

+++ Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrat +++

Der Uno-Sicherheitsrat kommt noch am Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Wie Diplomaten in New York mitteilten, treffen sich die 15 Mitglieder des mächtigsten Uno-Gremiums um 18.00 Uhr (MESZ) am Sitz der Vereinten Nationen in der US-Metropole zusammen. Die Sitzung sei durch das EU-Land Litauen beantragt worden, das derzeit zu den zehn nicht ständigen Mitgliedern im Sicherheitsrat gehört.

+++ Polen besorgt +++
Polens Außenminister Radoslaw Sikorski wirft Russland ein aggressives Vorgehen in der Ukraine vor. Es handle sich um die schwerste Sicherheitskrise seit Jahrzehnten.

Ukraine-Krise: Rebellen nehmen ukrainische Armee in die Zange

Ukraine-Krise

Rebellen nehmen ukrainische Armee in die Zange

Die prorussischen Rebellen gehen zum Gegenangriff über. Im Südosten des Landes eröffnen sie eine neue Front. Ein Durchbruch bis zur Halbinsel Krim scheint möglich. Angeblich kämpfen russische Soldaten an ihrer Seite.

+++ Außenminister: Russland zieht „ganze Welt“ in einen Krieg hinein +++
Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin wirft Russland vor, mit russische Fallschirmjägern und anderen Soldaten sein Land „und die ganze Welt“ in einen Krieg hineinzuziehen. Die Lage habe sich dadurch dramatisch geändert, zitiert ihn die „Bild“. Er erwarte daher von Europa eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland sowie militärische und technische Hilfe.

+++ EU sehr besorgt über Lage in Ukraine +++
Die EU zeigt sich angesichts der eskalierenden Lage in der Ukraine sehr besorgt. Russland müsse jegliche Feindlichkeiten an der Grenze einstellen, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Donnerstag in Brüssel. „Das umfasst natürlich die Bewegung von Waffen, Ausrüstung und Militärangehörigen von Russland in die Ukraine.“ Die Sprecherin reagierte damit auf den Vorwurf des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, Russlands Militär sei in sein Land einmarschiert. Der Staatschef aus Kiew wird am Samstag zu Gesprächen in Brüssel erwartet.

+++ Nato spricht von mehr als 1000 Soldaten +++
Russland setzt nach Angaben der Nato derzeit mehr als 1000 eigene Soldaten in der Ukraine ein. „Wir schätzen, dass deutlich mehr als 1000 russische Soldaten innerhalb der Ukraine operieren“, sagte ein ranghoher Offizier der Nato am Donnerstag im militärischen Nato-Hauptquartier in Mons. „Das ist eine eher konservative Schätzung. Dahinter steht sehr große militärische Stärke.“ „Sie unterstützen die Separatisten, sie kämpfen mit ihnen“, sagte der Offizier. Es habe in den vergangenen beiden Wochen eine deutliche Verstärkung der russischen Militäroperationen gegeben. Im russischen Grenzgebiet zur Ukraine seien schätzungsweise rund 20.000 Soldaten stationiert. Sie seien besser ausgerüstet als zuvor eingesetzte Truppen. „Das ist eine Invasionsarmee.“

Börse Frankfurt : Ukraine-Krise wird zum Stolperstein für den Dax

Börse Frankfurt

Ukraine-Krise wird zum Stolperstein für den Dax

Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland macht sich auf den Aktienmärkten bemerkbar. Viele Anleger nehmen aus Angst vor weiteren Eskalationen ihre Gewinne mit. Für Belastung sorgen außerdem EZB-Spekulationen.


+++ Separatisten widersprechen Berichten +++
Die Separatisten in der Ostukraine haben Berichten der Regierung in Kiew über eine russische Intervention widersprochen. „In Kiew wiederholt man sich mit dem Einmarsch, um die Niederlagen der ukrainischen Armee irgendwie zu erklären“, teilten die Aufständischen am Donnerstag mit. Es gebe keine russischen Truppen im Kampfgebiet. Russische Abgeordnete kritisierten den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko wegen seines Vorwurfs einer Militärintervention scharf. „Wir haben schon mehrere Erklärungen der ukrainischen Führung gehört, die sich als Lügen erwiesen haben. Jetzt sind wir Zeugen einer neuen Ente“, sagte etwa Jewgeni Serebrennikow vom Föderationsrat in Moskau.

+++ Röttgen: EU sollte neue Sanktionen beschließen +++
Die EU und der Westen müssen nach Ansicht des CDU-Politikers Norbert Röttgen entschlossen auf das russische Vorgehen in der Ukraine reagieren. „Wir haben jetzt die Situation, die steht inzwischen fest, dass Russland außerhalb des bisherigen Gebietes mit eigenen Kräften, mit Panzern und Soldaten militärisch in der Ukraine präsent ist“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. „Es muss als Antwort neue Sanktionen geben und darüber muss auf dem EU-Sondergipfel am Samstag beraten und am besten bereits beschlossen werden.“ Zögerlichkeit werde vom russischen Präsidenten Wladimir Putin nur als Schwäche der Europäer ausgelegt, die ihn ermuntere, weiter zu machen.

Kommentare (74)

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28.08.2014, 09:25 Uhr

Die aktuellen Nachrichten fordern eine kritische Analyse:

1. Die USA sprechen von einer Gegenoffensive, die sogar Mariupol bedroht. Da dies für sie ungünstig ist, muss man davon ausgehen, dass es der Wahrheit entspricht. Es gibt eine schlagkräftige Gegenoffensive der Aufständischen.

2. Dass (wieder einmal) die Russen dahinter stecken, entspricht der Propagandatopik von Zentralregierungen angesichts innerer Unruhen. Auch der Volksaufstand vom 17. Juni in der DDR war bekanntlich laut SED vom Ausland gesteuert.

Wenn eine Zentralregierung zugeben würde, dass die Unruhen von lokalen Kräften getragen werden, würde sie ja indirekt zugeben, dass sie etwas falsch gemacht hat. Eine Regierung gibt aber niemals Fehler zu. Also müssen auch die Aufstandsbewegungen im Donbass aus Sicht der USA und der Zentralregierung in Kiew ausländische Wurzeln haben.

3. Es wird von Demonstrationen in Kiew berichtet, die eine "Rettung" der eingekesselten Truppen im Donbass fordern. Da das für die Regierung peinlich ist, dürfte es stimmen, dass bedeutende Truppenteile von den Aufständischen eingekesselt sind. Also dürften auch die Berichte zutreffen, dass sich viele von ihnen ergeben haben. Den Aufständischen dürften also erneut große Mengen an schweren Waffen in die Hände gefallen sein. Nichts spricht dagegen, dass die Panzer vor Mariupol solche Beutewaffen sind.

Fazit: Die Hoffnung des Westens und unserer Regierung, die Regierung in Kiew werde den Aufstand schnell mit brutaler Gewalt niederschlagen und die gesamte Unkraine dem westlichen Militärbündnis zuführen, geht offenbar nicht auf. Der Westen steht vor einer krachenden militärischen Niederlage.

Herr C. Falk

28.08.2014, 09:54 Uhr

Also, die Nachrichtenlage ist so, dass selbst der nationale Sicherheitsrat in Kiew die Berichte über eine russische
Panzerkolonne auf ukrainischem Boden nicht bestätigt.

Das sollte im Moment wohl ausreichen, um Gerüchten gleich von wem sie gestreut werden, nicht sofort auf den Leim zu gehen.

Herr Ronald Bernard

28.08.2014, 10:17 Uhr

+++EU-Energiekommissar Günther Oettinger dringt auf eine eine Lösung des Gasstreits der Ukraine mit Russland. „In einem langen und kalten Winter hat die Ukraine nicht genügend Speichergas, nicht genügend eigenes Gas, und dann besteht die Gefahr, dass Gas gestohlen wird, auf dem Wege von Ost nach West einfach verloren geht“, ...++

Jetzt wo der Sommer langsam zu Ende geht, kommt das wichtigste Thema - Energieversorgung mit Gas - vom schlauen Schwaben wieder auf den Tisch.

Es wurde schon immer Gas in der Ukraine "gestohlen", wenn die Energierechnung nicht bezahlt werden konnte und der Winter kalt und lang war. Das ist nichts Neues.

Dafür braucht man keinen hochbezahlten Energiekommissar.
Es fehlt nur noch die Bitte, "Liebe Ukrainer stehlt nicht zu viel, sonst kommt bei uns nichts mehr an."

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