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08.06.2015

08:32 Uhr

„Menschenjagd-Maschine“

Navy-Seals-Spezialeinheit in der Kritik

In einer Nacht töten die US-Elitesoldaten der Navy Seals bis zu 25 Menschen, berichtet die „New York Times“. Gezielte Tötungen seien für die Spezialeinheit zur Routine geworden, die Zielpersonen immer weniger bedeutend.

Das Team 6 war in den vergangenen Jahren unter anderem in Syrien, im Irak, in Somalia und im Jemen im Einsatz. ap

US-Navy-Seals trainieren mit einem Seahawk-Helikopter

Das Team 6 war in den vergangenen Jahren unter anderem in Syrien, im Irak, in Somalia und im Jemen im Einsatz.

WashingtonDas Team 6 der US-Spezialeinheit Navy Seals, das durch die Tötung von Osama bin Laden weltbekannt geworden ist, hat laut einem Bericht der „New York Times“ seine Einsätze in aller Welt in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet.

Das Sondereinsatzteam habe sich seit seiner Vergrößerung ab dem Jahr 2001 zu einer „globalen Menschenjagd-Maschine“ entwickelt, schrieb die Zeitung in einer umfangreichen Analyse, die sich auf Gespräche mit Dutzenden früheren und gegenwärtigen Navy Seals sowie mit anderen Militärvertretern stützt.

Habe es sich früher um eine kleine Einheit mit wenigen Einsätzen gehandelt, seien für sie gezielte Tötungen mittlerweile zur Routine geworden, hieß es in dem Bericht. Nun gebe es zunehmend Besorgnis über exzessives Töten und zivile Opfer der Einsätze. Ein Wendepunkt ereignete sich laut „NYT“ 2006, als der damalige Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, Stanley McCrystal, das Team 6 vermehrt in den dortigen Kampf gegen die radikalislamischen Taliban einband.

Mitstreiter und Gegner der USA im Kampf gegen den Terror

Iran

Iran: Teheran ist sowohl Gegner als auch Mitstreiter der USA. Einerseits kann der Iran eine Militäroperation des Erzfeindes in der eigenen Nachbarschaft nicht einfach absegnen. Andererseits handelt es sich beim IS um einen gemeinsamen Feind.

Ägypten

Auch Ägypten nahm an der Anti-Terror-Konferenz in Dschidda teil. Der Kampf gegen den IS könnte Kairos Beziehungen zum Westen verbessern, die unter dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi durch das Militär vor mehr als einem Jahr gelitten haben.

Katar

Katar könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Finanzquellen der Extremisten auszutrocknen. Kritiker werfen dem Land vor, Radikale dürften dort unbehelligt Geld für Dschihadisten sammeln. Die Regierung weist das zurück.

Jordanien

Auch Jordanien hat den IS vor der Haustür. Anhänger der Miliz kontrollieren Teile Iraks und Syriens, die unmittelbar an das Königreich grenzen. Auch der einzige Grenzübergang zwischen Irak und Jordanien ist in IS-Händen. Jordanien hat daher eine Taskforce gegen IS-Angriffe gegründet. In der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition könnte das Land zum Operationszentrum werden.

Saudi-Arabien

Das Königreich ist einer der wichtigsten US-Partner. Am Donnerstag trafen sich mehrere Länder in der Hafenstadt Dschidda, um über den Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Weil der IS auch an der Grenze zwischen dem Irak und Saudi-Arabien steht, fühlt sich Riad massiv bedroht.

Irak

Kerry reiste zum Auftakt seiner Tour nach Bagdad. Der Irak wird die Hauptlast im Kampf gegen den IS tragen müssen, weil vor allem die Soldaten der Regierung und kurdische Einheiten am Boden gegen die Extremisten kämpfen müssen. Zugleich muss es der neuen Regierung von Ministerpräsident Haidar al-Abadi gelingen, die Sunniten im Land auf ihre Seite zu ziehen - nur so würde der IS seine starke Unterstützung in den sunnitischen Teilen des Landes verlieren.

Türkei

Westliche Länder haben der Türkei vorgeworfen, Extremisten dürften die Grenze zu Syrien ungehindert passieren. Zuletzt attestierte das Pentagon der Regierung jedoch, sie gehe stärker gegen Dschihadisten vor. Dennoch unterstützt Ankara die USA nicht mit voller Kraft. Den Luftwaffenstützpunkt Incirlik will sie nur für humanitäre Hilfsflüge freigeben. Ankara ist in einer schwierigen Lage, weil der IS im Nordirak 49 türkische Diplomaten festhält.

Nato

Zehn Staaten zählen bislang zum Anti-Terrorbündnis der USA, darunter die Nato-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Dänemark, Kanada und die Türkei. Auch Australien hat sich der Koalition angeschlossen. Deutschland will Waffen an die Kurden im Nordirak liefern, London hat das bereits getan. Frankreich hat mittlerweile Bombardements gestartet.

Zwischen 2006 und 2008 habe es Nächte gegeben, in denen die Elitesoldaten zehn bis 15, manchmal sogar bis zu 25 Menschen getötet hätten, schrieb die „NYT“. „Die Typen sind wild geworden, diese Tötungsorgien sind Routine geworden“, zitierte die Zeitung ein Ex-Mitglied, ohne dessen Namen zu nennen.

Zugleich seien die Zielpersonen immer weniger bedeutend geworden. „2010 haben die Jungs Straßendiebe verfolgt. Die bestausgebildeten Soldaten der Welt verfolgten Straßendiebe“, sagte das Ex-Mitglied. Ein früherer hochrangiger Militärvertreter sagte laut „NYT“: „Ob ich denke, dass es mehr Tötungen gab als es gegeben haben sollte? Sicher.“ Die Einstellung der Eliteeinheit habe gelautet: „'Wenn es eine Bedrohung ist, töte es' und später merkst du 'Oh, vielleicht habe ich die Gefahr überschätzt'“.

Dem Bericht zufolge war das Team 6 in den vergangenen Jahren unter anderem in Syrien, im Irak, in Somalia und im Jemen im Einsatz. Etwa 30 aus den Reihen von Team 6 und seiner Helfer in der US-Armee seien im Einsatz ums Leben gekommen und die wenigsten blieben von gesundheitlichen Schäden verschont.

Zu den Erfolgen der Truppe zählte die Befreiung von US-Geiseln in Somalia. An Fehlschlägen nannte die „NYT“ eine versuchte Geiselbefreiung 2009 im afghanischen Ghasi Chan, bei der zehn Dorfbewohner getötet wurden, sowie der Tod der Britin Linda Norgrove im Oktober 2010 bei einer missglückten Befreiungsaktion in Afghanistan.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

08.06.2015, 10:22 Uhr

Das scheint in den Augen der Bundesregierung nicht so schlimm zu sein, agieren sie schließlich nicht in der Ostukraine.

Geht's noch stärker mit der Volksverdummung?

Herr Josef Schmidt

08.06.2015, 11:05 Uhr

Ich wundere mich dass sich die amerikanischen Soldaten für allerlei Kriege missbrauchen lassen und keinerlei Widerstand stattfinden. Da sind die Ukrainer anscheinend intelligenter und desertieren lieber. Sollen die Amis also weiterhin verrecken.

In der von westlichen Werte geprägte westliche Welt bekommen Mörder wie Obama der täglich Mordaufträge unterschreibt um Menschen ausserhalb der USA mit Drohnen zu töten den Friedensnobelpreis. Und solche Länder nennen wir dann Partner.

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