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20.11.2015

00:36 Uhr

++ Paris-Anschläge und die Folgen

Weitere Verdächtige festgenommen

Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris, Abdelhamid Abaaoud, ist tot. In Schweden wird ein Mann festgenommen. Eine Bombendrohung sorgt in Manchester für Unruhe. Der Tag zum Nachlesen im Newsblog.

Abdelhamid Abaaoud gilt als Drahtzieher der Anschläge von Paris.

Abdelhamid Abaaoud

Abdelhamid Abaaoud gilt als Drahtzieher der Anschläge von Paris.

Der französische Premierminister Manuel Valls befürchtet weitere Anschläge, bei denen auch chemische und biologische Waffen zum Einsatz kommen könnten. Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris wurde getötet. Bei Razzien in Belgien wurden weitere Verdächtige festgenommen. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen im Newsblog.

+++ Frankreich legt UN-Resolution für den Kampf gegen Terrormiliz IS vor +++
Nach Russland hat nun auch Frankreich eine UN-Resolution zur Unterstützung des Kampfes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgelegt. Das Entwurfspapier, das den 15 Mitgliedern des Gremiums am Donnerstag (Ortszeit) in New York übermittelt wurde, verurteilt die jüngsten Terroranschläge des IS unter anderem in Paris und ruft zu verstärkten gemeinsamen Anstrengungen gegen den Terror auf.

Frankreich hoffe, dass die Resolution so bald wie möglich verabschiedet werden könne, sagte ein Sprecher der französischen UN-Vertretung. Auch der britische Botschafter und derzeitige Sicherheitsratsvorsitzende Matthew Rycroft zeigte sich zuversichtlich. „Die Franzosen haben den Entwurf extra auf die Aspekte fokussiert, bei denen es Einheit gibt.“

Zuvor war Russland vorgeprescht und hatte bereits am Mittwoch einen eigenen Resolutionsentwurf vorgelegt. „Ich glaube, unser Text ist sehr ausgewogen, so dass ihn jeder akzeptieren kann“, hatte Moskaus UN-Botschafter Witali Tschurkin das Papier kommentiert. Zahlreiche andere Sicherheitsratsmitglieder lehnen den Entwurf jedoch ab, weil darin auch eine Zusammenarbeit mit dem syrischen Machthaber und russischen Verbündeten Baschar al-Assad vorgesehen ist.

+++ FBI-Boss: Keine Gefahr für die USA nach Pariser Terror +++
Nach den Terroranschlägen von Paris besteht dem FBI zufolge keine glaubhafte Bedrohung für die USA. FBI-Direktor James Comey sagte am Donnerstag im US-Justizministerium, Ermittler seiner Behörde hätten keine Verbindungen zwischen den Pariser Angreifern und den Vereinigten Staaten gefunden. An der Seite von US-Justizministerin Loretty Lynch fügte er hinzu, dass ihm bewusst sei, dass die Terrormiliz Islamischer Staat und seine Unterstützer regelmäßig in Videos und Magazinen Propaganda betrieben und mit ihren Plänen und Möglichkeiten prahlten. Dies reiche jedoch nicht aus, um von einer wirklichen Bedrohung zu sprechen. Dennoch beobachte das FBI die Aktivitäten von Dutzenden IS-Unterstützern in den USA ganz genau.

+++ Zwei Festnahmen in Manchester nach Bombendrohung in Flugzeug +++
Nach einer Bombendrohung eines Passagiers ist im britischen Manchester am Donnerstag ein Flugzeug der Gesellschaft Easyjet evakuiert worden. Nach Polizeiangaben wurden zwei Männer festgenommen. Sämtliche Passagiere wurden erneut einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen, bevor die Maschine mit mehrstündiger Verspätung ins marokkanische Marrakesch startete. Die Polizei wurde nach eigenen Angaben zu dem Flugzeug gerufen, weil ein Passagier behauptete, eine Bombe in seinem Gepäck zu haben. Zwei Männer im Alter von 45 und 46 Jahren seien wegen des Vorfalls festgenommen worden. Ein Sprengsatz wurde nach Polizeiangaben allerdings nicht gefunden. Der Flughafenbetreiber nannte die Evakuierung eine "Vorsichtsmaßnahme".

In der Hauptstadt London wurde nach Polizeiangaben wegen Sicherheitsbedenken der U-Bahnhof Baker Street gesperrt. Demnach wurde in der Nähe ein "verdächtiges Fahrzeug" gesichtet. An diesem sei eine "kontrollierte Explosion" erfolgt, ein krimineller Hintergrund sei aber nicht festgestellt worden. Der Bahnhof wurde geräumt - Züge passierten ihn zwar, hielten aber nicht mehr an.

+++ Mann in Schweden unter Terrorverdacht festgenommen +++
Wenige Tage nach der Anschlagsserie von Paris haben die schwedischen Behörden einen Mann wegen Terrorverdacht festgenommen. Die Aktion sei ohne Gewalt verlaufen, sagte eine Sprecherin der Sicherheitspolizei Säpo am Donnerstag. Es gebe noch immer intensive Ermittlungen. Zu Berichten, wonach der Mann Komplizen hat, äußerte sie sich nicht. Nach dem Verdächtigen war bereits gefahndet worden. Zudem wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

Nach Berichten der Tageszeitung "Dagens Nyheter" und der Nachrichtenagentur TT erfolgte der Zugriff in einem Aufnahmezentrum für Asylbewerber in der Stadt Boliden, die in der nordschwedischen Provinz Västerbotten liegt. Dort seien mehrere Fahrzeuge einer Spezialeinheit gesichtet worden, berichtete das Blatt unter Berufung auf einen Zeugen. Die schwedische Einwanderungsbehörde gab keine Stellungnahme ab.

Die Säpo hatte bereits am Mittwoch erklärt, konkrete Hinweise auf Anschlagspläne zu haben und die Terrorwarnstufe erhöht. Seit Donnerstag wurde öffentlich nach dem Verdächtigen Mutar Muthanna Madschid gefahndet. Medienberichten zufolge ist er irakischer Herkunft und etwa 25 Jahre alt.

+++ Homeland Security warnte im Mai vor Abdelhamid Abaaoud +++
Homeland Security, das US-Ministerium für Heimatschutz, hat im Mai in einem Bericht vor dem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris gewarnt. Der achtseitige, nicht vertraulich gestempelte Bericht analysiert die Folgen aus einem im Januar im belgischen Verviers vereitelten Anschlag. Überschrift: „Künftige IS-Operationen im Westen könnten dem unterbundenen belgischen Plot ähneln“. Er entstand in Zusammenarbeit mit dem FBI und dem nationalen Anti-Terror-Zentrum. Bild.de zitierte am Donnerstag aus dem Bericht. Zuvor hatten Fox, CNN und die „Daily Mail“ darüber berichtet.

Im Januar erschossen Sondereinsatzkräfte im belgischen Verviers zwei mutmaßliche Dschihadisten. Abaaoud sei Kopf dieser Zelle gewesen, heißt es in dem Bericht. Er habe sie von Athen aus gesteuert und sich frei durch Europa bewegt.

Wörtlich schreibt Homeland Security, zwar habe die Gruppe von Verviers wohl Anschläge in Belgien geplant. Bei den Ermittlungen über ihre Aktivitäten seien aber mehrere europäische Länder aufgetaucht, darunter Griechenland, Spanien, die Niederlande - und Frankreich. Der 28 Jahre alte Abaaoud war am Mittwoch bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Er gilt als Drahtzieher der Pariser Anschläge, bei denen 129 Menschen getötet wurden.

+++ Clinton: Europa bei der Terrorabwehr „weit hinterher“ +++
Die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton hat nach den Terroranschlägen in Paris die Zusammenarbeit bei der Terrorabwehr in Europa mit harschen Worten kritisiert. Polizei und Geheimdienste arbeiteten grenzüberschreitend nicht eng genug zusammen. „Europa ist weit hinterher“, sagte Clinton am Donnerstag in New York. „Sie informieren sich nicht einmal gegenseitig, wenn sie einen Terrorverdächtigen an der Grenze zurückschicken oder wenn ein Pass gestohlen wird“. Die Bewerberin der Demokraten um die Nachfolge von Barack Obama im Amt des US-Präsidenten forderte eindringlich Besserung. „Das muss sich ändern“, verlangte Clinton. Nach Terroranschlägen in der Vergangenheit sei deutlich geworden, dass die Täter dem einen oder dem anderen Geheimdienst bekanntgewesen seien. Es habe aber keinen Austausch gegeben. „Die Zeit, dieses Problem zu lösen, ist jetzt“, sagte die einstige First Lady. „Nicht nach dem nächsten Anschlag.“ Clinton forderte im Kampf gegen die Terrormiliz IS auch die Anrainerstaaten Syriens und des Irak zu mehr Engagement auf. „Saudi-Arabien, Katar und andere müssen ihre Leute stoppen, die den Terror direkt finanzieren“, sagte Clinton. Die Türkei müsse den Kampf gegen den IS stärker in den Fokus nehmen. „Manchmal hat es den Anschein, dass sich die Türken mehr mit den Kurden beschäftigen als mit dem IS.“

+++ Papst verurteilt Profiteure des Terrors +++
Papst Franziskus hat Waffenhändler als Profiteure des Terrors verurteilt. Sie seien Verbrecher, die nur an Geldmacherei interessiert seien und dabei einen weltweiten Krieg vorantrieben, sagte der Papst in einer Predigt in der Kapelle des Vatikan-Hotels am Donnerstag. Franziskus erwähnte die Anschläge von Paris nicht, erklärte aber, dass einzelne Kriege an verschiedenen Plätzen des Erdballs geführt würden. Die Menschheit habe einen Pfad des Krieges, des Hasses und der Feindschaft gewählt, und einige sähen die Gewalt als Chance, reich zu werden, sagte der Papst weiter. „Diejenigen, die Krieg treiben, sind verdammt, sie sind Verbrecher. Krieg kann aus vielen Gründen „gerechtfertigt“ werden. Aber wenn die ganze Welt im Krieg ist, so wie sie das heute ist ... dann gibt es keine Rechtfertigung. Und Gott weint.“

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

+++Terrorrazzia im Nordosten Frankreichs - Tür aufgesprengt +++
Bei der Fahndung nach Terroristen hat die französische Polizei am Donnerstagabend nahe der belgischen Grenze eine weitere Razzia durchgeführt. Dabei sei die Tür eines Hauses in Charleville-Mézières aufgesprengt worden, sagte eine Polizeisprecherin. Nähere Einzelheiten wollte sie nicht nennen. Der nach den Terroranschlägen vom Freitag verhängte Ausnahmezustand erlaubt der Polizei solche Razzien ohne richterlichen Durchsuchungsbefehl. Die Nationalversammlung stimmte am Donnerstag dafür, den Ausnahmezustand um drei Monate zu verlängern. Am Freitag soll das auch im Senat bestätigt werden.

+++ Neun Weitere Festnahmen +++

Die belgische Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass die Polizei bei sechs Razzien in Brüssel sieben Personen festgenommen hat. Unabhängig von der Aktion seien zwei weitere Personen festgesetzt worden, die verdächtigt würden, mit den Attacken von Paris im Zusammenhang zu stehen.

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