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08.06.2012

11:44 Uhr

Rettungspakete

Was die Euro-Krise Deutschland kosten kann

VonDonata Riedel, Dirk Heilmann

Deutschland gilt bisher als Krisengewinner. Doch schon seit dem ersten Hilfspaket für Griechenland hat es sich zu immer neuen Rettungsmaßnahmen verpflichtet. Dabei macht jeder weitere Schuldenschnitt die Rettung noch teurer.

Wenn Griechenland die Kredite später zurückzahlt, hat Deutschland ein gutes Geschäft gemacht. dapd

Wenn Griechenland die Kredite später zurückzahlt, hat Deutschland ein gutes Geschäft gemacht.

Düsseldorf/BerlinDie Risiken, die Deutschland bisher für die Rettung der Europäischen Währungsunion eingegangen ist, klingen in offizieller Lesart nicht dramatisch. Die bisherigen Rettungsprogramme für Griechenland, Portugal und Irland umfassen nach einer Aufstellung des Bundesfinanzministeriums Bürgschaften über 73 Milliarden Euro - wenn sie vollständig ausgezahlt sind. 60 Milliarden Euro davon werden - bis 2015 - auf das Konto Griechenlands gehen. Bisher garantiert hat Deutschland knapp die Hälfte dieser Summe.

Als Verlust fällt das Geld für den deutschen Steuerzahler erst an, wenn Rettungsaktionen scheitern und - etwa Griechenland - seine Kredite nicht mehr bedienen würde. Dann erst würden die Bürgschaften fällig.
Gelingt es den Empfängerländern trotz der sich verschärfenden Wirtschaftskrise, ihre Sparzusagen einzuhalten und die Kredite später nach und nach zurückzuzahlen, dann würden die bisherigen Rettungsaktionen für Deutschland sogar ein gutes Geschäft. Denn der Bund kann sich das Geld derzeit für Zinsen nahe null an den Märkten leihen.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Bis Ende 2011 hat Griechenland für die Hilfskredite bereits 380 Millionen Euro an Zinsen gezahlt. Noch dazu kommt der Zinsvorteil für den deutschen Staatshaushalt, denn der Bund profitiert auch von der Krisenangst: Weil deutsche Staatsanleihen als absolut sicher gelten, zahlt er nur geringe und oftmals auch gar keine Zinsen auf neu ausgegebene Staatsanleihen.
Bis Ende 2011 schätzt das Finanzministerium die Zinsersparnis des Bundes auf 3,5 Milliarden Euro. In diesem Jahr dürfte der Betrag noch höher ausfallen. Bisher ließe sich Deutschland also mit Fug und Recht als Krisengewinner bezeichnen.

Countdown für Griechenlandwahl läuft

Video: Countdown für Griechenlandwahl läuft

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Dass das allerdings so bleibt, ist sehr fraglich. Denn Deutschland hat sich seit dem ersten Hilfspaket für Griechenland zu immer neuen Rettungsmaßnahmen verpflichtet. Der deutsche Anteil an den kombinierten Rettungsschirmen ESM und EFSF, die zusammen bis zu 700 Milliarden Euro Kredite ausreichen können, beträgt maximal 280 Milliarden Euro.

Er setzt sich zusammen aus dem deutschen Anteil von 190 Milliarden Euro an den Garantien für den ESM und den gut 90 Milliarden, die der Bund für die bisher zugesagten Hilfskredite des EFSF bürgen muss. Mit 15 Milliarden Euro ist Deutschland außerdem an den Beiträgen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu den Rettungspaketen beteiligt.

Kommentare (24)

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gdopamin

08.06.2012, 12:32 Uhr

„Am teuersten wäre ein Ende des Euros - dann wären die Bürgschaften womöglich vollständig verloren.“

Am teuersten wird ein „Weiter so!“, mit dem auch noch spanische, italienische und am Ende französische Banken gerettet werden.

Das de Euro überlebt, glauben doch inzwischen nur noch Leute auf Droge.

Ganz einfach. Kredite mit harten Assets (GOLD, Immobilien unterlegen lassen, sonst gibt kein Geld. Wird bei jeder Sparkasse in Ostfriesland oder Hintertupfingen so gehandhabt.

Bei Weigerung wissen beide Seiten wenigsten konkret woran sie sind.

Rob

08.06.2012, 13:20 Uhr

Deutschland hat das schlechteste Blatt, dabei spreche ich
nicht von einem Fullhouse.
Deutschland hat vier von der gleichen Art. CDU/CSU, FDP, SPD, GRÜNE.
Der Euro kann mit diesem Alptraumblatt nur aufgegeben werden!
Hoffentlich ist bald Schluss mit diesem verlogenem Murks auf Kosten der Menschen.

Account gelöscht!

08.06.2012, 13:55 Uhr

Das mit den Zinsen ist doch Wolfgang-Schäuble-Gerede. Da streitet sich D wegen ein paar Euro Betreuungsgeld und verliert gleichzeitig monatlich Milliarden über Target 2, die bislang lediglich noch nicht zahlungswirksam geworden sind. Die Südländer werden ihre Schulden nicht zurückzahlen, da sie nicht mal in der Lage sind, sie nicht weiter anwachsen zu lassen. Das was hier betrieben wird, ist Insolvenzverschleppung und unsere Politiker sind genau so naiv wie alle Insolvenzverschlepper. Die Erkenntnis für die eigene Lage setzt erst ein, wenn gar nichts mehr geht. Doch dieser Punkt wird kommen, hoffentlich bald, denn jeder Tag macht die Sache schlimmer.

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