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08.08.2014

15:08 Uhr

100 Jahre Erster Weltkrieg

Der Film als Propaganda-Instrument

Dank eines EU-Projekts sind Filme von 1914 bis 1918 zum ersten Mal leicht zugänglich. Das ist nicht nur für die Geschichte des Ersten Weltkriegs interessant, sondern auch für die Geschichte des Kinos.

Oft verfilmt: Die Schlacht an der Somme: Hier ein echtes Foto von französischen Soldaten. ap

Oft verfilmt: Die Schlacht an der Somme: Hier ein echtes Foto von französischen Soldaten.

FrankfurtAllzuviel ist es nicht, was an Filmen aus dem Ersten Weltkrieg erhalten ist. Und das Wenige war bisher kaum zugänglich: Die Filmrollen verstaubten in Archiven. Jetzt sind rund 660 Stunden historisches Material für jedermann online - dank des Deutschen Filminstituts in Frankfurt. Georg Eckes und Julia Welter koordinieren von hier aus das Projekt „European Film Gateway 1914“. Im Februar soll es abgeschlossen sein.

Zwei Jahre lang haben 21 europäische Filmarchive und Kinematheken aus 15 Ländern rund 2500 Titel - Wochenschauen, Dokumentationen, Spielfilme und Animationsfilme - digitalisiert. Die Hälfte der Kosten von rund 4,2 Millionen Euro trägt die EU. Diese Filme zugänglich zu machen, sei „ein europäisches Erinnerungsprojekt von immenser Bedeutung für die wissenschaftliche und journalistische Recherche“, sagt Claudia Dillmann, Direktorin des Deutschen Filminstituts.

Die wichtigsten Worte des Ersten Weltkrieges

Im Krieg entstanden

Viele bis heute verwendete Wörter stammen aus dem Ersten Weltkrieg oder kamen in dieser Zeit in Gebrauch. Bei manchen ist der Bezug zum Krieg längst in Vergessenheit geraten. Eine kleine Dokumentation mit Unterstützung des Duden-Verlags und des Instituts für Deutsche Sprache:

Keks

Eindeutschung des englischen Wortes «Cakes», das bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg auch in Deutschland gebräuchlich war. Der immer stärker werdende Nationalismus führte zur Eindeutschung vieler Fremdwörter.

Blindgänger

Wurde zur Zeit des Ersten Weltkrieges auch im übertragenen Sinne benutzt, zum Beispiel für einen Angeber, der sich bei Gefahr schnell in Sicherheit bringt.

Etappe

Bezeichnete ursprünglich die nächste Verpflegungsstation, wurde aber auch in einem heute nicht mehr bekannten Sinne von «besetztes Hinterland» oder «Gebiet hinter den Kampfhandlungen» verwendet. Daraus ergaben sich abwertende Wortbildungen wie «Etappenhase» oder «Etappenhengst» für diejenigen, die sich vor dem Fronteinsatz gedrückt haben.

Kanonenfutter

Stammt ursprünglich aus Shakespeares Drama «Heinrich IV.» («Food for powder»). Schon dort verwendet es die Figur Falstaff für Soldaten, deren Leben kein Wert beigemessen wird. 1873 wurde die deutsche Übersetzung im Grimm'schen Wörterbuch verzeichnet. Im Ersten Weltkrieg wurde der Begriff dann besonders häufig verwendet, weil für minimale Geländegewinne massive Verluste an Menschenleben in Kauf genommen wurden.

Trommelfeuer

Ein um 1915 geläufig gewordener Kriegsterminus, der heute auch in vielen anderen Zusammenhängen verwendet wird.

Durchhalten

Eines der meistverwendeten Propagandawörter während des Krieges.

Fallschirm

Das Wort wurde 1915 erstmals in den Duden aufgenommen. Im Ersten Weltkrieg kam es bereits zu vereinzelten Fallschirmabsprüngen.

Fernglas

Ebenfalls 1915 zum ersten Mal im Duden.

Grabenkampf

Der Begriff kam um 1915 unter dem Eindruck des Stellungskriegs auf. Heute werden auch verbissene Auseinandersetzungen in nicht militärischen Bereichen als Grabenkämpfe bezeichnet.

08 15

War die Nummer eines massenhaft im deutschen Heer verwendeten Maschinengewehrs, der IMG 08/15. Nun schon viele Jahrzehnte ein populäres Synonym für Mittelmaß.

Nur rund 20 Prozent der zwischen 1914 und 1918 produzierten Filme sind erhalten, berichtet Projektleiter Eckes, vieles sei verbrannt, zum Beispiel, als das Reichsfilmarchiv im Zweiten Weltkrieg von einer Bombe getroffen wurde. Bisher war es für Wissenschaftler und Dokumentarfilmmacher aufwendig, an dieses Material heranzukommen. Nun besteht erstmals die Möglichkeit, die gesamte Filmproduktion dieser Zeit zu sichten - und zwar ohne nationale Brille.

Das ermöglicht vielleicht keine radikale Neubewertung des Ersten Weltkriegs, aber doch verblüffende Erkenntnisse. Zum Beispiel über die Alpenfront: In einem österreichischen Wochenschau-Film von 1917 wird der «Heldenkampf in Schnee und Eis» in handkolorierter Bergkulisse als alpines Abenteuer verkauft. Der italienische Dokumentarfilm «Krieg in den Alpen» von 1917 zeigt hingegen die Mühsal der Gebirgsjäger mit schwerem Gerät in eisigen Höhen.

Die Filme aus dieser Zeit wurden streng zensiert, „deshalb gibt es auch kaum Aufnahmen des eigentlichen Kampfgeschehens“, wie Filmmuseums-Sprecherin Frauke Haß erklärt. Viele Streifen dienten der Propaganda: „Im Ersten Weltkrieg wurde die Wirkmacht des Films erstmals bewusst propagandistisch eingesetzt.“

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