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11.03.2017

10:32 Uhr

100 Jahre Irak

Wie die Briten den Staat Irak schufen

Vor 100 Jahren marschierten die Briten im Irak ein und etablierten in der Folge moderne Regierungsmethoden. Die Fehler von damals wirken noch heute, der IS weiß das zu nutzen.

Britische Truppen ziehen durch Bagdad, das sie zwei Jahre zuvor erobert hatten. Foto: Internet Archive BookImages/dpa dpa

Irak 1919

Britische Truppen ziehen durch Bagdad, das sie zwei Jahre zuvor erobert hatten. Foto: Internet Archive BookImages/dpa

Als erschöpfte britische Soldaten im März 1917 in Reih und Glied in Bagdad einmarschieren, bietet sich ihnen ein trauriger Anblick. Bagdad, das war unter dem Kalifat der Abbassiden lange das Zentrum der Welt gewesen, das Träume weckte. Dichter, Ärzte, Mathematiker und Wissenschaftler zogen in die Stadt, um dort ihr Glück zu suchen und finden. Eine Million Menschen sollen in den Straßen und Gassen gelebt haben. Rund 100 Jahre später ist vom einstigen Glanz der Metropole wenig übrig geblieben. Londons Soldaten stapfen über sandige Wege vorbei an ärmlichen Häusern.

Doch der Einmarsch der Briten am 11. März 1917 sollte für Bagdad und den heutigen Irak nicht nur ein Wendepunkt in der Geschichte sein, sondern auch Fakten schaffen, die bis heute im Kampf um das Land eine gewichtige Rolle spielen. Die Stadt selbst rückte wieder ins Zentrum, nachdem die Osmanen sie unter ihrer 400-jährigen Ägide vernachlässigt hatten. Ihre Herrschaft nutzten die Briten gleichzeitig dazu, um den modernen Staat Irak zu schaffen. Dabei legten sie Grenzen fest, die vor allem den Interessen der Kolonialmacht dienten – die Wünsche der Bevölkerung aber weitgehend ignorierten.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nutzt die damalige Politik der Kolonialmacht heute für ihre Propaganda gegen die „ungläubigen Kreuzfahrer“. Als die Extremisten im Sommer 2014 im Irak und in Syrien das „Kalifat“ ausriefen, wollten sie nicht nur das einst mächtige islamische Reich wieder auferstehen lassen, sondern zugleich die Grenzen auflösen, die die Briten zusammen mit Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg in der Region gezeichnet hatten.

Die Briten entdeckten ihr Interesse für das Gebiet des heutigen Irak zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihnen ging es darum, die Verbindung zwischen Britisch-Indien und Europa zu sichern. Zudem zeichnete sich schon damals ab, dass es in der Region größere Ölvorräte geben könnte, die London vor allem für die eigene Flotte nutzen wollte.

Als sich die Osmanen nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 3. November 1914 offiziell mit dem Deutschen Reich verbündeten, zögerten die Briten nicht lange und legten drei Tage später im südirakischen Fao an. Ein erster Sturm auf Bagdad scheiterte zwar 1915 noch mit einer schmählichen Niederlage. Später aber schickte London Verstärkungen, mit deren Hilfe die Briten in Bagdad einrücken konnten.

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