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26.07.2015

20:05 Uhr

1000 Euro pro Asylbewerber

Italien bietet Prämie für Aufnahme von Flüchtlingen

Nächstenliebe oder Geschäftemacherei? Um Tausende Flüchtlinge im Land zu verteilen, zahlt Italien den Einwohnern abgelegener Gebiete eine Prämie für die Aufnahme von Migranten. Kritiker beklagen einen Missbrauch des Systems.

Die Migranten Seidu (rechts) aus dem Senegal und Cissokho aus Ghana fühlen sich wohl auf dem Hof in Italien. dpa

Flüchtlinge in der Toskana

Die Migranten Seidu (rechts) aus dem Senegal und Cissokho aus Ghana fühlen sich wohl auf dem Hof in Italien.

VicchioMehr als 85.000 Flüchtlinge sind im ersten Halbjahr 2015 per Boot an Italiens Küste gelandet. Der Regierung fällt es schwer, sie im Land zu verteilen. Zu stark sind die Vorurteile der Einheimischen, die von Rechtspopulisten und der Wirtschaftskrise geschürt werden. Einige Flüchtlinge finden in den Hügeln der Toskana ein neues Zuhause.

In dem kleinen Dorf Pomino, nordöstlich der toskanischen Hauptstadt Florenz, betreibt Silvano Venturin (65), der einst als medizinischer Helfer in Afrika arbeitete, eine Solidaritätsgruppe für Flüchtlinge. Ihre Abkürzung „C.A.S.E.“ bedeutet im Italienischen „Häuser“.

Sie wird von einem lokalen Netzwerk von Mitgliedern unterstützt, das derzeit 18 Bootsflüchtlinge aufgenommen hat. Venturin selbst hat sechs von ihnen auf seinem Bauernhof in Pomino untergebracht.

So kommen die Flüchtlinge nach Europa

Lampedusa

Lampedusa ist ein beliebtes Ziel für Flüchtlingsboote. Die italienische Mittelmeerinsel liegt nahe der nordafrikanischen Küste. Doch es gibt noch andere Routen über die Flüchtlinge nach Europa gelangen.

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2013

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 407

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Ukraine: 330
Afghanistan: 52
Vietnam: 47

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 5.634

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Afghanistan: 1.693
Syrien: 1.139
Kosovo: 979

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 12.962

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 8.241
Afghanistan: 2.488
Somalia: 760

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.515

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Albanien: 3.466
Mazedonien: 14
Georgien: 13

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 7.751

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 3.040
Nigeria: 684
Eritrea: 475

Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 56.446

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Eritrea: 17.829

Unbekannt: 9.494
Syrien: 8.588

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.331

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Mali: 783
Kamerun: 730
Guinea: 294

Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 146

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Marokko: 30
Mali: 24
Guinea: 16

„Das ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wenigstens tun wir etwas“, sagt Venturin bei einem Besuch auf dem Tertulia-Hof im nahegelegenen Dorf Vicchio. In einer Herberge auf dem Hof leben derzeit zwei Asylbewerber aus dem Senegal.

Die italienische Regierung zahlt Venturin und den anderen 1000 Euro im Monat pro Asylbewerber. Im Verhältnis zu den Unkosten sei der Betrag mehr als großzügig, sagt Venturin. In einer Stadt wie Rom oder Mailand sind Mieten und Lebensmittel teuer. Aber Venturin hat seinen eigenen Hof. Einen Großteil der benötigten Lebensmittel produziert er selbst, Personalkosten hat er keine.

„Der bloße Unterhalt für einen Migranten entsprechend der vorgegebenen Mindeststandards beträgt 350 Euro pro Monat – einschließlich Mahlzeiten, Wäsche, Handyguthaben und der 2,50 Euro Taschengeld am Tag“, rechnet Venturin vor. Von dem Rest der Prämie bezahle er Extras wie Italienisch-Unterricht, Berufsschule, eine Zeitkarte für den öffentlichen Nahverkehr und zusätzliches Taschengeld, um den Flüchtlingen eine gewisse Unabhängigkeit zu ermöglichen.

Aber nicht alle Gastgeber nutzten den Überschuss der Regierungsprämie für das Wohl der Migranten, erzählt Giorgia Andreoli, die mit ihrem Partner Francesco Boldrini den Bauernhof Tertulia betreibt. Als Beispiel nennt sie einen Hof, auf dem derzeit 20 Migranten lebten. Die Besitzer gäben ihren Gästen nur das absolute Minimum.

„Es hängt alles vom Wohlwollen des Einzelnen ab“, sagt Andreoli. „Viele Leute profitieren vom System. Es ist zu einem großen Geschäft geworden, und keiner kümmert sich um die Auswirkungen.“ Eine Klage, die auch aus anderen Städten zu hören ist. Der italienische Innenminister Angelino Alfano warnte vor Kurzem, die Unterbringung von Migranten dürfe kein „Jagdgrund für Geschäftemacher und Spekulanten“ sein.

Kommentare (5)

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27.07.2015, 09:53 Uhr

Flüchtlinge sind für viele zu einen Geschäftmodell geworden. Nicht nur die Schleuser verdienen an den Flüchtlinge, sondern auch andere Menschen, die nur für die Flüchtlinge sprechen, weil diese Menschen dafür Geld vom Staat versprochen bekommen. In Italien ist das nicht anders als in Deutschland, wo jeder, der Flüchtlinge aufnimmt bis 30 EUR am Tag für einen Flüchtling bekommt. Zu zahlen hat dies am Ende IMMER der allgemeine Steuerzahler in Deutschland und Italien.
Flüchtlinge sind in Deutschland, Italien und der Grün-Sozialistischen EU zum Kapital-Anlagegut verkommen. Mit Menschenwürde hat dies schon längst nichts mehr zu tun.
Und um so mehr Flüchtlinge, um so mehr Geschäfte (Mafia Einnahmen) und um so mehr Belastung für die Gesellschaft/Steuerzahler!

Herr Markus Bullowski

27.07.2015, 10:14 Uhr

Es gibt auf dem afrikanischen Kontinent viele Hotels inkl. Verpflegung, die Menschen für weniger Geld unterbringen. Es ist ein Irrsinn, illegale Einwanderer auf Steuerzahlerkosten in Europa zu verpflegen, wenn schon die Alimentierung in sicheren Herkunftsländern billiger wäre.

Herr Billyjo Zanker

27.07.2015, 11:12 Uhr

Die Flüchtlingsindustrie ist in D und nun auch in I ein rasant wachsender Wirtschaftszweig ohne auch nur ein kleinstes Risiko. Die Zahlungen sind durch die Steuerzahler des betreffenden Landes so sicher wie das Amen in der Kirche.
Es bleibt aber zu hoffen das dieses "Modell" nur auf Zeit funktioniert bis die "Einzahler" endlich aufwachen und dem Spuk ein nachhaltiges ENDE setzen, da bleibt dann nur noch die Hoffnung das das Ende dann ohne Gewalt und friedlich verläuft. Denn der momentane Weg kann nur für ALLE in den Abgrund führen.
Außer für die Schleuser/Mafia, denn haben das geringste Risiko für ihre menschenverachtenden Verbrechen. (Aber das sind schließlich alle Verbrechen.

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