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17.01.2005

12:15 Uhr

15 Jahre Hausarrest

Geschasster chinesischer Politiker Zhao gestorben

Der frühere Chef der Kommunistischen Partei, Zhao Ziyang, ist tot. Wegen seiner Haltung zur chinesischen Demokratiebewegung ist er Ende der 80er Jahre in Ungnade gefallen. Der Politiker, der die vergangenen 15 Jahre unter Hausarrest lebte, starb am Montag im Alter von 85 Jahren nach mehreren Schlaganfällen in einem Pekinger Krankenhaus, wie seine Familie mitteilte.

HB PEKING. Mit Spannung wurde erwartet, wie die chinesische Führung auf die Todesnachricht reagieren würde. Zhao war zum letzten Mal am 19. Mai 1989 in der Öffentlichkeit aufgetreten, als er unter Tränen die Demonstranten auf dem Platz des Himmlischen Friedens bat, ihre Aktion abzubrechen. Der Protest wurde gewaltsam niedergeschlagen. Hunderte Menschen wurden getötet.

„Jetzt ist er endlich frei“, ließ Zhaos Tochter Wang Yannan erklären. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte ihr Vater weitgehend abgeschottet von der Außenwelt in Peking - immer im Blick der Polizei. Lediglich für kurze Ausflüge aufs Land oder den Golfplatz verließ er sein Haus. Am 5. Dezember wurde Zhao wegen einer chronischen Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert. Am Freitag war er ins Koma gefallen.

1989 verlor Zhao den Machtkampf in der chinesischen Führung um die Demokratiebewegung. Vor den Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz (Platz des Himmlischen Friedens) bezeichnete er die Führung als überaltert. Sie habe den Kontakt zu den Menschen verloren. „Ich bin zu spät gekommen“, sagte er weiter. Rund zwei Wochen später, am 3. und 4. Juni ließ der damalige starke Mann, Deng Xiaoping, Panzer auffahren und die Studentenbewegung gewaltsam beenden. Zhao wurde unter dem Vorwurf, die Partei spalten zu wollen, als KP-Generalsekretär entmachtet. Ihn ersetzte Jiang Zemin, der die Funktion bis 2002 innehatte.

Wie die jetzige chinesische Führung mit dem Tod Zhaos umgeht, dürfte Experten zufolge ein politischer Balanceakt werden. Es sei jedoch nicht damit zu rechnen, dass der Tod zu politischen Unruhen, wie in der Vergangenheit nach Todesfällen geschehen, führen werde, sagte der Politologe Andrew Nathan von der Universität Michigan. Nach dem Tod des populären Ministerpräsidenten Tschou En-lai 1976 hatte es massive Trauerbekundungen aber auch Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens gegeben. Auch der Auslöser der Proteste 1989 war ein Todesfall - der des geschassten reformorientierten Parteichefs Hu Yaobang. „Zur damaligen Zeit war die Führung in großen Schwierigkeiten. Jetzt scheint das Regime allerdings ziemlich konsolidiert“, sagte Nathan. Die staatlichen Medien berichteten lediglich in einer kurzen Meldung über den Tod Zhaos. Zhaos Sohn Liang Fang sagte, Mitglieder der Führung seien gekommen, um ihr Mitgefühl auszudrücken. „Es ist aber nicht angemessen zu sagen, wer sie waren.“

Zhaos Gegner fürchteten zu dessen Lebzeiten, dieser könne zur Galionsfigur für die Reformkräfte in China werden - zu einer Leitfigur für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Arbeiter, sowie die über die immer größer werdende Wohlstandslücke zwischen Stadt und Land enttäuschten Bauern. „Er wird liberaler in Erinnerung bleiben als er es die meiste Zeit in seiner Karriere war“, sagte der China-Experte der Universität von Kalifornien, Richard Baum. „Zhao Ziyang wurde erst ein Held, als er sich unter Tränen auf dem Tiananmen-Platz bei den Studenten entschuldigte.“

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