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30.01.2005

09:49 Uhr

15 Millionen Iraker zur Wahl aufgerufen

Parlamentswahl im Irak beginnt mit Angriffen auf Wahllokale

Im Irak haben die ersten freien Parlamentswahlen seit 50 Jahren begonnen. Die Öffnung der Wahllokale wurde von Anschlägen überschattet.

HB BERLIN. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen haben am Sonntagfrüh im Irak die ersten landesweiten Wahlen seit dem Sturz des Präsidenten Saddam Hussein begonnen. Übergangspräsident Ghasi al-Jawar, der als einer der ersten Iraker seine Stimme abgab, sagte laut einem Bericht des britischen Senders BBC, er hoffe, alle wahlberechtigten Iraker folgen seinem Beispiel. Der Interims-Ministerpräsident Ajad Allawi gab seine Stimme in der «Grünen Zone» rund um das US-Hauptquartier in Bagdad ab.

Laut Angaben der Wahlkommission öffneten alle rund 5200 Wahllokale am Morgen planmäßig. Etwa eineinhalb Stunden danach waren im Zentrum von Bagdad mehrere Explosionen und Artilleriefeuer zu hören, wie Korrespondenten berichten.

Im Westen Bagdads zündete Medienberichten zufolge ein Selbstmordattentäter nach Angaben der Polizei eine Bombe, kurz nachdem ein nahe gelegenes Wahllokal eröffnet hatte. Drei Polizisten seien getötet worden. Im Südwesten von Bagdad schlugen Mörsergranaten in ein Haus neben einem Wahllokal ein. Dabei kamen nach Polizeiangaben zwei Bewohner ums Leben.

In Sadr-City, einem schiitischen Stadtteil von Bagdad, schlugen nach Berichten von Augenzeugen drei Raketen in der Nähe eines Wahllokals ein, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Laut Angaben des Nachrichtensenders Al Arabija wurden vier irakische Wähler getötet, sieben weitere Menschen wurden verletzt. Ein zweiter Polizist sei bei einem Angriff auf ein Wahllokal in Chan al Mahawil getötet worden, 60 Kilometer südlich von Bagdad.

In der überwiegend von Sunniten bewohnten Stadt Samarra sagte der Bürgermeister die Wahl wegen fehlender Sicherheit ab. Die einflussreichste Organisation der Sunniten hatte zum Wahlboykott aufgerufen. Aus Kirkuk im Norden wird rege Beteiligung in den kurdischen Vierteln gemeldet.

In den Städten Falludscha, Ramadi und Samarra - den Zentren der sunnitischen Aufständischen - waren die Straßen menschenleer, wie AP meldet. In Mossul seien amerikanische und irakische Soldaten durch die Stadt gefahren und hätten über Lautsprecher zur Stimmabgabe aufgerufen. Aber auch dort seien kaum Wähler zu sehen gewesen, hieß es.

Knapp 15 Millionen Iraker sind aufgerufen, über die Nationalversammlung - ein verfassungsgebendes Übergangsparlament - abzustimmen. Außerdem können sie über die Zusammensetzung von 18 Provinzräten sowie über ein eigenes kurdisches Abgeordnetenhaus entscheiden. Exil-Iraker können seit zwei Tagen bereits in 14 Staaten wählen. Mittlerweile haben zwei Drittel der Registrierten ihre Stimme abgegeben.

Die Wahllokale im Irak sollten bis 15.00 Uhr MEZ geöffnet sein. Das Endergebnis wird voraussichtlich frühestens in einer Woche feststehen. Die besten Chancen wurden der Vereinigten Irakischen Allianz eingeräumt, die die Unterstützung des obersten Geistlichen der irakischen Schiiten, des Großayatollahs Ali al Sistani, genießt.

Daneben wird ein hoher Stimmenanteil für die Irakische Liste von Übergangsministerpräsident Ajad Allawi erwartet. Die Kurden, etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, werden wohl mehrheitlich für die Liste der Kurdischen Allianz stimmen.

Die Nationalversammlung wählt einen dreiköpfigen Präsidialrat, der einen Ministerpräsidenten beruft. Außerdem erstellt sie eine neue Verfassung, zu der im Oktober eine Volksabstimmung geplant ist.

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