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25.12.2016

09:49 Uhr

25 Jahre Ende der Sowjetunion

Als der Kreml die rote Fahne einholte

Vor einem Vierteljahrhundert endete eine Epoche: Die Sowjetunion zerfiel. Für viele war es ein Grund zur Freude. Andere trauern der verlorenen Weltmacht nach. Der Anteil der Sowjetnostalgiker sinkt allerdings.

Russland als größter Nachfolgestaat bemüht sich unter Präsident Wladimir Putin, den Einfluss auf die anderen Republiken zurückzugewinnen. Picture Alliance

Flagge der Sowjetunion

Russland als größter Nachfolgestaat bemüht sich unter Präsident Wladimir Putin, den Einfluss auf die anderen Republiken zurückzugewinnen.

MoskauAm 25. Dezember 1991 wurde die rote Fahne über dem Kreml eingeholt, wenige Stunden zuvor hatte der erste und letzte sowjetische Präsident Michail Gorbatschow seinen Rücktritt erklärt. Die Sowjetunion, die kommunistische Weltmacht, war zerfallen in 15 einzelne Staaten. Sie haben in den 25 Jahren seitdem sehr unterschiedliche Wege genommen.

Russland als größter Nachfolgestaat bemüht sich unter Präsident Wladimir Putin, den Einfluss auf die anderen Republiken zurückzugewinnen. In der russischen Bevölkerung bedauern immer noch 56 Prozent, dass die Sowjetunion zerfallen ist. 28 Prozent der Russen tut der Verlust dagegen nicht leid, wie eine Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums zum Jahrestag ergab. Mit kleinen Schwankungen ist der Anteil der Sowjetnostalgiker über die Jahre aber gesunken.

Sowjetunion im Zerfall: Gorbatschows letzter Rettungsversuch

Sowjetunion im Zerfall

Gorbatschows letzter Rettungsversuch

Heute vor 25 Jahren versuchte Michail Gorbatschow zu retten, was kaum mehr zu retten war: die Einheit der Sowjetunion. Doch sein Besuch in der austrittswilligen Republik Litauen bewirkte eher das Gegenteil.

Die Union hätte gerettet werden können, sagte Gorbatschow in einem Interview zum Jahrestag. „Man hätte eine Dezentralisierung durchführen müssen, dann wären die neuen Republiken stark geworden, wirtschaftlich wie sozial“, sagte der 85-Jährige der Agentur Tass. Die Hauptschuld gab er dem damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin und den Staatschef aus der Ukraine und Weißrussland. In ihrem übergroßen Ehrgeiz hätten sie ihn loswerden wollen.

Jelzin, der Ukrainer Leonid Krawtschuk und der Weißrusse Stanislaw Schuschkewitsch hatten bei einem Geheimtreffen am 8. Dezember 1991 die Sowjetunion für aufgelöst erklärt. Sie gründeten die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) als Nachfolgeorganisation. Allerdings hatte der Zerfall viele Gründe, auch die tiefe Wirtschaftskrise der Sowjetunion und das Unabhängigkeitsstreben der Republiken. Im August 1991 hatte der konservative Putschversuch gegen Gorbatschow gezeigt, welche Gefahren den neuen bürgerlichen Freiheiten drohten.

25 Jahre danach: Was wurde aus den einzelnen Sowjetrepubliken?

15 neue Staaten

Der Zerfall der Sowjetunion 1991 hat 15 neue Staaten hervorgebracht. Ihre Schicksale in einem Vierteljahrhundert Unabhängigkeit sind sehr verschieden gewesen. Der Traum von Frieden und Wohlstand blieb für viele unerfüllt. Die Länder im Überblick.

Russland

Größtes Nachfolgeland, Atommacht, Energie-Exporteur. Verhinderte in zwei Kriegen die Abspaltung von Tschetschenien. Unter Präsident Wladimir Putin zunehmend autoritär. Steckt in der Krise, versucht aber, weltpolitisch wieder eine größere Rolle zu spielen.

Westen der Sowjetunion – Estland, Lettland und Litauen

Die kleinen baltischen Staaten stellten rasch auf Demokratie und Marktwirtschaft um. Seit 2004 Mitglieder in Nato und EU.

Weißrussland

Stabile Friedhofsruhe bei erträglichem Lebensstandard. Dauerherrscher Alexander Lukaschenko ist Russlands bester Freund und hält doch Abstand.

Ukraine

Zweitgrößtes Land Europas, großes Wirtschaftspotenzial, aber 25 Jahre lang unter seinen Möglichkeiten regiert. Zweimal Aufbegehren der Zivilgesellschaft: Orange Revolution 2004/5, Euromaidan 2013/14. Russland nahm 2014 die Krim weg und führt verdeckt Krieg im Osten.

Moldau

Ethnisch vorwiegend rumänisch. Verlor 1992 den russischsprachigen Landstreifen Transnistrien. Der eingefrorene Konflikt lähmt das arme Land politisch und wirtschaftlich.

Kaukasus – Georgien

Verlor nach 1992 Kriege gegen Separatisten in Abchasien und Südossetien. 2008 Niederlage gegen Russland. Hat sich zuletzt durch energische Reformen modernisiert.

Aserbaidschan

Ölreichtum am Kaspischen Meer kommt Präsidenten-Clan Aliyev zugute - erst dem Vater, nun dem Sohn. Ein Fünftel des Landes von Karabach-Armeniern besetzt.

Armenien

Sieg im Krieg um Berg-Karabach 1992-94 nützt nichts. Eingeklemmt zwischen Feinden Aserbaidschan und Türkei, nur die Schutzmacht Russland hilft.

Zentralasien – Kasachstan

Neuntgrößtes Land der Erde, lebt von Öl und Gas. Stabil, hat nie einen anderen Präsidenten gekannt als Nursultan Nasarbajew (76). Wer wird ihm nachfolgen?

Turkmenistan

Wüstenstaat, einer der größten Gasproduzenten der Welt. Fast so abgeschottet und diktatorisch wie Nordkorea.

Usbekistan

Herz der historischen Seidenstraße. Dauerherrscher Islam Karimow ließ 2005 hunderte Bürger in Stadt Andischan erschießen.

Kirgistan

Hochgebirgsland, arm, immer wieder von Unruhen erschüttert. Aber einzig halbwegs demokratisches Land der Region.

Tadschikistan

War das Armenhaus der Sowjetunion und bleibt es auch. 1992-97 Bürgerkrieg mit Zehntausenden Toten. Heute bedroht durch Islamismus aus dem benachbarten Afghanistan.

Quelle: dpa

Die baltischen Republiken bekamen mit dem Scheitern des Putsches ihre Unabhängigkeit zurück, sie sind heute Mitglieder von EU und Nato. Andere Republiken versanken nach dem Ende der Sowjetunion in Kriegen oder Bürgerkriegen wie Moldau, Georgien, Armenien und Aserbaidschan und Tadschikistan. Die Ukraine ist wirtschaftlich und politisch 25 Jahre nahezu auf der Stelle getreten. Sie will sich an die EU annähern, muss sich aber gegen einen von Moskau unterstützten prorussischen Aufstand in ihrem Osten wehren.

Von

dpa

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