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28.08.2014

08:09 Uhr

27 Milliarden Euro

Italiens Banken wollen Geld von der EZB

Bis zu 27 Milliarden Euro wollen Italiens Banken von der Europäischen Zentralbank (EZB). Das Geld wollen sich die Banken in der ersten Runde der Versteigerung billigen Geldes durch die EZB besorgen.

Italien will sich in der September-Auktion der EZB um Beträge in Milliardenhöhe bemühen. dpa

Italien will sich in der September-Auktion der EZB um Beträge in Milliardenhöhe bemühen.

Frankfurt/MailandDie vier größten italienischen Banken wollen sich bis zu 27 Mrd. Euro in der ersten Runde der Versteigerung billigen Geldes durch die Europäische Zentralbank (EZB) besorgen. Das erfuhr Bloomberg News aus informierten Kreisen. Mit der Finanzspritze soll die Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen angetrieben werden.

Branchenführer UniCredit SpA wird sich demnach bei der September-Auktion um 7 Mrd. Euro bemühen. Banca Monte dei Paschi di Siena SpA, die Nummer drei in Italien, will Gebote für 3 Mrd. Euro abgeben, wie es hieß. Banco Popolare SC werde sich wohl um bis zu 3,8 Mrd. Euro bemühen.

Welche Waffen die EZB noch in ihrem Arsenal hat

Ein noch niedrigerer Leitzins

Der Spielraum der EZB beim Leitzins ist inzwischen sehr eng. Er liegt bei 0,15 Prozent. Damit ist das Ende der Fahnenstange praktisch erreicht.

Negativer Einlagezins

Banken können Geld bei der EZB parken, wofür sie in normalen Zeiten Zinsen bekommen. Damit sie das nicht tun, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz auf null gedrückt hat. Jetzt könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen und negative Zinsen einführen.

Ende der Neutralisierung früherer Wertpapierkäufe

Zwischen 2010 und 2012 kaufte die EZB zur Stützung von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien für mehr als 200 Milliarden Euro deren Staatsanleihen. Derzeit schöpft die EZB die Liquidität wieder ab, indem sie den Banken anbietet, in gleicher Höhe Geld bei ihr anzulegen. Die EZB könnte dieses Prozedere abschaffen - was entsprechend dem Restwert der Anleihen etwa 170 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln bringen würde.

Geringere Mindestreserve

Die Banken müssen zur Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Diese sogenannten Mindestreserven summieren sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Würde die EZB die Anforderungen lockern und beispielsweise nur noch die Hälfte als Sicherheit verlangen, hätten die Banken zusätzlich 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnten sie als Kredite ausreichen.

Kreditvergabe fördern auf britische Art

Der niedrigste Leitzins nützt nichts, wenn die Banken keine Kredite vergeben. Nach der jüngsten EZB-Umfrage klagt jedes neunte kleine und mittelgroße Unternehmen der Euro-Zone darüber, keinen Zugang zu Bank-Krediten zu haben. Mit einem Trick nach britischem Vorbild könnte die EZB das ändern. Dort können sich Banken für jedes Pfund, das sie kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stellen, zehn Pfund zu Vorzugskonditionen bei der Bank of England leihen.

Geringere Sicherheiten

Wenn Banken Geld von der EZB haben wollten, mussten sie bis 2007 Wertpapiere mit Top-Bonität als Sicherheit hinterlegen. Die Anforderungen hat sie seither mehrfach gesenkt - und könnte es weiter tun, um die Institute bei Kasse zu halten. Denn das ist die Voraussetzung für neue Kredite. Die Währungshüter könnten beispielsweise Aktien oder US-Staatsanleihen akzeptieren.

Liquidität für Förderbanken

Die Europäische Investitionsbank (EIB) kann am ehesten die kleineren und mittleren Unternehmen mit Geld versorgen. Seit 2009 kann sich die EIB bei der EZB Geld leihen, um es anschließend weiterzureichen. Die Währungshüter könnten solche Förderbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten.

Langfristiger Ausblick

Die Kreditzinsen in vielen Krisenstaaten sind noch immer recht hoch. Um sie zu drücken, könnte die EZB nach amerikanischem Vorbild eine lange Niedrigzinsphase ankündigen. Die Federal Reserve hat erklärt, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2015 auf extrem niedrigem Niveau zu halten. Ringt sich die EZB zu einer ähnlichen Aussage durch, könnte dies die Zinsen im längeren Laufzeitbereich drücken.

Eine weitere "Dicke Bertha"

Die EZB hat Ende 2011 und Anfang 2012 die Banken mit zwei dicken Geldsalven von jeweils gut 500 Milliarden Euro geflutet. Draghi hatte diese in Anlehnung an ein deutsches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg als "Dicke Bertha" bezeichnet. Sie wirkten: Inzwischen zahlen viele Banken bereits wieder schrittweise das Geld zurück, das sie sich damals bei der EZB geliehen haben. Eine Kreditklemme in vielen Südländern gibt es trotzdem, weil dort die Nachfrage der Unternehmen wegen der Krise sehr gering ist und die Banken Geld horten - zum Teil aus Angst, zum Teil wegen der steigenden Kapitalanforderungen der Regulierer. Ob sich die EZB eines Tages dazu durchringt, wie die Bank von England den Banken Geld nur unter der Bedingung zu geben, dass sie es als Kredit an Firmen weiterreicht, bleibt abzuwarten. Das Experiment auf der Insel war nur mäßig erfolgreich. Denn die Notenbank kann Unternehmen nicht befehlen, Kredite zu nehmen und zu investieren.

Wertpapierkäufe

Sollte die Krise wieder eskalieren, bliebe der EZB noch der massenhafte Ankauf von Wertpapieren - beispielsweise von Staatsanleihen oder Bankanleihen. Im Sommer 2012 - auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise - hatte Draghi versprochen, die EZB werde bei Bedarf und unter klar definierten Bedingungen Staatsanleihen von Problemländern kaufen - notfalls in unbegrenzter Höhe. Vor allem hierzulande hat dieses Versprechen der EZB Ärger eingehandelt. Sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich damit, weil die EZB im Fall der Fälle das Verbot der Staatsfinanzierung aus Sicht ihrer Kritiker wohl brechen würde. Bis dato musste Draghi jedoch nicht eine Staatsanleihe kaufen.

Der Branchenzweite, Intesa Sanpaolo SpA, hat bereits selbst das Ziel von 13 Mrd. Euro genannt.

Die Kredite – bekannt als zielgerichtete langfristige Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) – sind Teil eines historischen Pakets der EZB, um die Kreditvergabe in der Eurozone in Schwung zu bringen. Dahinter steht letztlich das Ziel, die Konjunktur in der Region anzutreiben.

Die Eurozone hatte im zweiten Quartal kein Wirtschaftswachstum verzeichnet. Die drei größten Volkswirtschaften – Deutschland, Frankreich und Italien – kamen entweder nicht von der Stelle oder schrumpften sogar.

Kommentare (3)

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Herr reiner tiroch

28.08.2014, 08:40 Uhr

sind die nicht auf einem guten Weg wie Schäuble meinte? dem kann man ja nix mehr Glauben.

Herr Thomas Melber

28.08.2014, 09:51 Uhr

Wer will nochmal, wer hat noch nicht?

Herr Mmnews De

29.08.2014, 14:26 Uhr

2013 ist die Staatsverschuldung in Europa weiter stark gestiegen.

Die Euro-Währungsunion hat sich faktisch zu einer Haftungsgemeinschaft entwickelt, daher ist heute die Entwicklung in der Euro-Zone für Deutschland wichtiger als die Verschuldung in Deutschland selbst.

Schon zu Beginn der Euro-Währungsunion lag die Schuldenquote bei 70%, Ende 2013 waren es 92%. Die Schulden steigen!

Von den 5 großen Volkswirtschaften der Euro-Zone (Deutschland, Frankreich, Polen, Italien, Spanien) ist die Entwicklung in 3 vollkommen desolat.

Die Staatsschulden in Italien sind mit ca. 2.069 Mrd. € ähnlich hoch wie in Deutschland (2.147 Mrd. €), doch ist die Wirtschaftskraft des Landes um 40% kleiner.

Ohne die Kredite von der EZB wäre Italien zahlungsunfähig!

Auch Griechenland, Portugal und Irland sind von den Krediten der EZB abhängig.

Besonders schnell steigen die Schulden seit Jahren in Frankreich, dem zweitgrößten Land der Euro-Zone: Um 20% innerhalb von 4 Jahren!

Aber wirklich extrem ist die Entwicklung in Spanien:
Dort hat sich die Verschuldung innerhalb von 5 Jahren mehr als verdoppelt:
von 40 auf 93% gemessen am BIP.

Die EZB wacht nicht mehr über die Stabilität der Währung, sondern finanziert nur die Schulden der Staaten.

Vielen europäischen Politikgangstern erscheint das als gangbarer Ausweg.
Die erste Billion, um die die Geldmenge jetzt ausgeweitet wurde, wird daher nicht die letzte bleiben.

Der Vertrag von Maastricht und die EU ist endgültig gescheitert.
Die Staatsverschuldung Europas ist dank der Brüsseler Junta und ihrer EU-Propagandamedien außer Kontrolle geraten.

Das globale Bankensystem und damit das Geldsystem hängt nur noch an einem seidenen Faden. Es kann jederzeit zusammenbrechen, weil es praktisch keine gesunden Finanzistitute mehr gibt. Gegen den drohenden Kollaps hilft nur Gold.

Wann wachen die Menschen auf?

Jeder der das nicht versteht, sollte nach "Schuldgeldsystem" suchen.

www.deutsche-wirtschafts-nachrichten.de

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