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20.02.2016

14:27 Uhr

30 Jahre Milan-Boss

Wie Berlusconi sich selbst feiert

VonRegina Krieger

Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi feiert sich und 30 Jahre AC Mailand mit einem rauschenden Fest. Doch als Politiker kämpft er gegen das Absinken seiner „Forza Italia“ in die Bedeutungslosigkeit.

Der AC-Mailand-Boss befindet sich politisch derzeit auf dem absteigenden Ast. dpa

Silvio Berlusconi

Der AC-Mailand-Boss befindet sich politisch derzeit auf dem absteigenden Ast.

RomSilvio Berlusconi ist noch nie ein Mann der Bescheidenheit gewesen, weder in Worten, noch in Taten, weder als Politiker, noch als Unternehmer. Und so lässt er es richtig krachen in Mailand ab diesem Samstag, um „seinen“ Club AC Milan zu feiern. Vor genau 30 Jahren kaufte Berlusconi den Fußballverein und wurde Präsident. Eine Woche lang wird gefeiert. Erst trifft er die Mannschaft am Samstag zum Mittagessen, dann werden jeden Tag die Erfolge im Stadion und im hauseigenen Museum auf Video gezeigt und nächsten Woche laufen die Spieler im neuen Trikot auf, auf dem groß „Berlusconi“ steht.

Fußball-Erfolge kann er nachweisen, auch wenn der Verein heute nur auf Platz sechs der italienischen Liga A hinter Juventus, Neapel und Fiorentina steht: Achtmal gewannen die „rossoneri“, die Rotschwarzen, die italienische Meisterschaft, achtmal standen sie im Champions-League-Finale und fünfmal holten sie den Titel – 2007 unter dem neuen Bayerntrainer Carlo Ancelotti. Die rosafarbene Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“ zeigte zum Anlass des Jubiläums, was wahre Hofberichterstattung ist: Auf vier Seiten brachte sie ein Interview mit Silvio Berlusconi, geschmückt mit Bildern, bei denen keine Frage kritisch war. Da ging es um die „schönste Erinnerung“: der 4:0-Sieg 1989 gegen Steana Bucarest in Barcelona, mit Gullit und van Basten, schon ein paar Jahre her, und darum, dass sich Berlusconi als „großer Bruder“ vieler Milan-Spieler wie Ronaldinho, Maldini oder Kakà fühle.

Steckbrief Silvio Berlusconi - der „Cavaliere“

Herkunft

Geburtstag: 29. September 1936

Geburtsort: Mailand

Familie

Vater: Bankangestellter Luigi Berlusconi (1908-1989)

Mutter: Rosa Bossi (1911-2008)

Familienstand: getrennt lebend, seit 2009 in Scheidung

Kinder: drei Töchter und zwei Söhne aus zwei Ehen

Studium

1961 Jura-Examen mit Bestnote der Universität Mailand

Größe

1,64 Meter

Spitzname

„Cavaliere“ (Ritter, Kavalier)

Partei

1994 Gründung der Forza Italia, 2008 neue Partei Popolo della Libertà (Volk der Freiheit)

Regierungschef

Von Mai 1994 bis Januar 1995, dann von 2001 bis 2006, erneut zum Ministerpräsidenten gewählt am 8. Mai 2008. Im November 2011 trat Berlusconi nach einer langen Reihe von Skandalen zurück.

Besitz

Rund 150 Firmen, darunter der Fußballverein AC Mailand

Vermögen

Geschätzt auf mehr als sechs Milliarden Euro

Selbsteinschätzung

„Mit mir kann sich keiner vergleichen, nicht in Europa und nicht in der Welt.“

Im September wird der Mailänder Medienmogul 80. Das neue Engagement für den Fußball garantiert ihm wieder positive Schlagzeilen, seit es sehr ruhig um ihn geworden ist. Die glänzenden Zeiten des stets stark geschminkten und mit künstlich implantierten Haaren geschmückten Putin-Freunds sind vorüber. Und auch der „Bunga-Bunga“-Prozess in Anspielung auf wilde Partys mit Callgirls in seiner Villa in Arcore liegt zurück und endete mit einem Freispruch.

Dann gab es noch die Fotos von seinem Sozialdienst in einem Altersheim in der Nähe von Mailand. Den musste er ableisten, weil er in einem anderen Prozess schuldig gesprochen worden war, wegen seines Alters aber nicht ins Gefängnis musste. Seitdem darf Berlusconi für die nächsten Jahre auch kein politisches Amt mehr bekleiden und nicht mehr wählen. Und selbst die Hochglanzfotos von ihm und seiner 48 Jahre jüngeren Verlobten Francesca Pascale sind aus den italienischen Klatschblättern verschwunden.

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