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03.09.2016

08:42 Uhr

3260 Euro für ein Mittagessen

Der teure Lunch mit Theresa May

VonKerstin Leitel

Ein Mittagessen mit Großbritanniens Premierministerin ist günstiger als ein Lunch mit US-Starinvestor Warren Buffett. Trotzdem sorgt die Aktion von Theresa May auf der Insel für Aufruhr – Es geht um Einfluss gegen Geld.

Für umgerechnet 3260 Euro kann man so als Unternehmer an einer „Frage-und-Antwort-Runde“ bei einem Mittagsessen mit der Premierministerin teilnehmen. dpa

Theresa May

Für umgerechnet 3260 Euro kann man so als Unternehmer an einer „Frage-und-Antwort-Runde“ bei einem Mittagsessen mit der Premierministerin teilnehmen.

Der US-Milliardär Warren Buffett versteigert über die Internetplattform Ebay jedes Jahr ein Mittagsessen – mit sich selbst. Die Chance, den Starinvestor einmal ganz persönlich zu sprechen, dem 85-Jährigen ein paar wertvolle Tipps für die Vermögensanlage zu entlocken oder mit ihm ins Geschäft zu kommen, lassen sich Menschen Millionen kosten. Im Vergleich dazu ist ein Lunch mit der mächtigsten Politikerin Großbritanniens geradezu ein Schnäppchen: Rund 2750 Pfund kostet es, wenn man im Oktober auf dem Parteitag mit Theresa May speisen will.

Für umgerechnet 3260 Euro kann man so als Unternehmer an einer „Frage-und-Antwort-Runde“ bei einem Mittagsessen mit der Premierministerin teilnehmen (wenn man zugelassen wird). Außerdem hat man die Chance, mit der Ministern bei dem „Business Day“ der Partei in Kontakt zu kommen. Ebenfalls im Paket: ein Zwei-Tages-Pass für die Konferenz, Zugang zur VIP-Lounge, Frühstück und Lunch sowie reservierte Sitze für eine Veranstaltung mit Philip Hammond. Ein Abendessen mit dem Schatzkanzler kostet weitere 400 Pfund.

Warren Buffett: Ein Mittagessen für dreieinhalb Millionen

Warren Buffett

Ein Mittagessen für dreieinhalb Millionen

Der US-Milliardär hat auch in diesem Jahr ein privates Mittagessen mit sich selbst für wohltätige Zwecke versteigert. Der Gewinner der Auktion hat den bisherigen Rekordpreis egalisiert – will aber lieber anonym bleiben.

Doch trotz der so günstigen Preise sorgt die Aktion in Großbritannien für Aufruhr. Man könne wohl davon ausgehen, dass dieser Preis nicht nur die Kosten für das Essen widerspiegelt, kritisiert etwa „The Guardian“. „Cash for access“, also „Zugang nur gegen Bezahlung“, sollte nicht Teil der britischen Politik sein. May habe in der Vergangenheit immer wieder betont, dass sie ein Land erschaffen wolle, das die Interessen aller vertrete, nicht nur die der Privilegierten. Sie hätte sich klar von dem Lobbyismus, den sie ihrem Vorgänger David Cameron verübelte, distanzieren müssen.

Es sei „sehr besorgniserregend“, dass May offenbar mit der Art und Weise wie Cameron Politik gemacht habe, fortfahren wolle, zitiert „The Guardian“ Tamasin Cave von „The Alliance for Lobbying Transparency and Spinwatch“. Und dabei wäre das Essen mit Mays Vorgänger auch noch viel günstiger gewesen: Früher hat der „Business Day“ gerade einmal 1000 Pfund pro Person gekostet.

Auch ein Essen mit einem britischen Spitzenpolitiker wie Jeremy Corbyn – dem Vorsitzenden der Labour-Partei – wäre wohl sehr viel billiger: Karten für ein „Business Forum“ auf dem Parteitag mit „Zugang zu Politikern und führenden Wirtschaftsleuten“ kosten gerade einmal ein Drittel, knapp 900 Pfund.

Allesamt Zahlen, die weit von dem entfernt sind, was ein Steak mit Warren Buffett kostet. Die siegreichen Gebote schwankten im Laufe der Jahre zwischen 25.000 und 3,5 Millionen Dollar. Dennoch steht der US-Investor nicht in der Kritik. Zumal das Geld, das der drittreichste Mensch der Welt für das Essen einnimmt, einer amerikanischen Wohltätigkeitsorganisation gespendet wird.

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