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21.05.2014

13:14 Uhr

400 Milliarden Dollar

Russland und China schließen Rekord-Gasvertrag

Das jahrelange Ringen hat ein Ende: China und Russland konnten sich über einen Vertrag zu Gaslieferungen einigen und treten in eine Partnerschaft ein. Der Deal gibt Putin Macht in Gesprächen mit der EU und der Ukraine.

Bis zu 38 Millionen Kubikmeter pro Jahr

Mega-Gasdeal zwischen Russland und China

Bis zu 38 Millionen Kubikmeter pro Jahr: Mega-Gasdeal zwischen Russland und China

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ShanghaiNach jahrelangen Verhandlungen haben Russland und China einen Gasvertrag unterzeichnet, der über 30 Jahre Lieferungen im Wert von umgerechnet 290 Milliarden Euro vorsieht. Staatliche Energiekonzerne beider Länder schlossen den Deal beim Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Shanghai.

Wie der Chef des russischen Staatsunternehmens Gazprom, Alexej Miller, der Nachrichtenagentur Interfax zufolge sagte, liefert sein Konzern dem chinesischen Partner CNPC ab 2018 mindestens 38 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. CNPC bestätigte die Vereinbarung. Die Gazprom-Aktie legte an der Moskauer Börse direkt um einen Prozentpunkt zu.

Miller sagte: „Das ist ein großer Vertrag für Gazprom. Solch einen Kontrakt gibt es mit keinem anderen Unternehmen.“

Eine entsprechende Absichtserklärung hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping vor rund einem Jahr bei seinem Antrittsbesuch in Moskau ausgehandelt. Anschließend konnten sich die Unterhändler jedoch nicht auf einen Lieferpreis einigen. Gazprom-Chef Miller wollte auch am Mittwoch keine näheren Angaben zum Preis machen.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Handelsvolumen

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Exporte

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Importe

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Beobachter hatten vermutet, dass der Ukraine-Konflikt Russland zu weitreichenden Zugeständnissen in den Verhandlungen mit China bringen könnte. Denn Moskau ist wegen der Sanktionsdrohungen der USA und der Europäischen Union auf der Suche nach neuen Abnehmern für sein Erdgas.

Das neue Abkommen in Shanghai könnte andererseits nun Putins Position im Gasstreit mit der Ukraine und der EU stärken. Für nächsten Montag ist ein weiteres Spitzengespräch zwischen EU, Ukraine und Russland geplant. Der Gazprom-Konzern droht wegen der Schulden damit, vom 3. Juni an kein Gas mehr in die Ukraine zu pumpen. Dies könnte dann auch den Westen treffen, denn die vor dem Staatsbankrott stehende Ukraine ist wichtiges Transitland für russisches Gas.

Putin und Xi hatten sich am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung auf eine „umfassende Energiepartnerschaft“ geeinigt. Auch China kann von dem Abkommen profitieren. Peking versucht sei Jahren, von seiner Abhängigkeit von Kohle loszukommen.

Am Dienstag hatten Putin und Xi den Auftakt eines russisch-chinesischen Militärmanövers im Ostchinesischen Meer verfolgt. Zudem hatten sie die Unterzeichnung 49 weiterer Abkommen beaufsichtigt.

Von

dpa

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

21.05.2014, 12:57 Uhr

Wie man sieht, geht es tatsächlich auch ohne Dollar bei Energiekäufen und - verkäufen. Könnte richtungsweisend sein.

Account gelöscht!

21.05.2014, 13:25 Uhr

Na dann können wir ja bald unser Gas und Erdöl in den USA kaufen, ist zwar 50 % teurer, aber Frau Merkel wird das sicher als Erfolg verkaufen. Das hat Obama toch toll hingekriegt. Seit NSA wissen die ja auch wie sich die Europäer in solchen Fällen absprechen. Jetzt brauchen wir noch ein Freihandelsabkommen damit die Bremslichter in Europa und USA die gleiche Farbe bekommen. Wie weit wollen wir uns das noch gefallen lassen? Am Sonntag kann man Alternativen wählen.

Account gelöscht!

21.05.2014, 13:57 Uhr

Bis 2018 ist noch eine lange Zeit und warum wird nicht der Preis gesagt? Zu vermuten ist, es wurde verramscht und/oder wehe wenn die EU davon Wind bekommt und nachfordert! Dann kein Kursanstieg bei Gazprom sondern Absturz!
Pikant folgendes Detail der Preis wurde in USD vereinbart!

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