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01.12.2014

17:06 Uhr

4000 Tote im Bürgerkrieg

Blutiger November in Syrien

Blutiger November in Syrien: Menschenrechtler zählen mehr als 4000 Tote im Bürgerkrieg. Zugleich geht dem UN-Ernährungsprogramm das Geld für Flüchtlingshilfe aus - zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Kurden an der türkisch-syrischen Grenze: Der syrische Bürgerkrieg forderte seit Anfang 2014 bereits 12.000 Todesopfer. dpa

Kurden an der türkisch-syrischen Grenze: Der syrische Bürgerkrieg forderte seit Anfang 2014 bereits 12.000 Todesopfer.

Bagdad/GenfDie blutige Gewalt im syrischen Bürgerkrieg hat allein im November mehr als 4000 Menschen das Leben gekostet. Knapp 900 Zivilisten seien bei den Gefechten zwischen islamistischen Gruppen und dem syrischen Regime umgekommen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag.

Zugleich werden Hunderttausende syrische Flüchtlinge in Zukunft Hunger leiden, weil den UN das Geld für Lebensmittelgutscheine ausgegangen ist. Betroffen seien rund 1,7 Millionen Syrer, gab das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) am Montag bekannt.

Nach WFP-Angaben werden allein für Dezember 64 Millionen Dollar (46,5 Millionen Euro) für die Flüchtlingslager in Syriens Nachbarländern benötigt. Bislang seien rund 1,9 der insgesamt 3,5 Millionen Flüchtlinge in Jordanien, der Türkei, im Libanon, in Ägypten sowie im Irak versorgt worden, sagte WFP-Sprecherin Abeer Etefa der Deutschen Presse-Agentur.

Nun könnten nur noch die rund 200.000 „gefährdetsten“ Flüchtlinge versorgt werden. Ohne die Gutscheine, für die in Geschäften Lebensmittel erworben werden konnten, müssten viele Familien hungern.

Islamischer Staat: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Woher kommt die Terrormiliz?

Die Miliz ist die Nachfolge-Organisation von al-Qaida im Irak, einer radikalen Widerstandsbewegung, die sich Gebiete im Westen des Landes einverleibte, nachdem die Amerikaner den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, ohne das Machtvakuum zu füllen.

Es handelt um einen Zusammenschluss von sunnitischen Dschihadisten, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein und von Stammesmitgliedern. Die Zahl der Kämpfer wird neuerdings auf rund 30.000 geschätzt. In ihrem Herrschaftsgebiet haben die Extremisten ein Verwaltungssystem aufgebaut, das jeden Aspekt des Alltags kontrolliert.

Welche Gebiete kontrolliert IS?

Die Terrormiliz hat Schätzungen zufolge rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes eingenommen. Dabei gelang es ihr, einen Korridor zwischen ihren westlichsten Eroberungen nahe Aleppo über nördliche Landstriche bis zu östlichen Landesteilen nahe der Grenze zum Irak zu schaffen.

In der Provinz Aleppo stehen unter anderem die größeren Orte Manbidsch und Al-Bab unter ihrem Kommando, dort weht die schwarze Flagge der Miliz auf Regierungsgebäuden und großen Plätzen. Da die Terrormiliz auf beiden Seiten der syrisch-irkanischen Grenze nahtlos Gebiete kontrolliert, kann sie relativ leicht Kämpfer, Waffen und Güter zwischen beiden Ländern hin- und hertransportieren.

Zuletzt stockt der Vormarsch des IS allerdings. Die Miliz verlor etwa die strategisch wichtige Stadt Tikrit, ebenso wie das über Monate umkämpfe Kobane an der türkischen Grenze.

Was ist die „Hauptstadt“ des Islamischen Staats?

Die IS erklärte Rakka, eine Stadt am Euphrat im Nordosten Syriens mit einer halben Million Einwohner, zur Hauptstadt ihres Kalifats und Sitz ihrer Machtzentrale. IS-Kämpfer aus aller Welt strömten dorthin, einige mit ihren Familien. Obwohl schon immer konservativ und unter großem Einfluss von Stämmen, war Rakka früher ein lebendiges und wirtschaftlich blühendes Zentrum.

Heute patrouilliert rund um die Uhr die Sittenpolizei der IS – die sogenannte Hisba – durch die Straßen. Diese bewaffneten Kämpfer in langen Roben kontrollieren, ob ihre strenge Auslegung des Korans auch umgesetzt wird. Die IS hat Musik und Rauchen verboten. Frauen wurden von der Sittenpolizei angewiesen, sich zu verhüllen. Wer gegen die Scharia verstößt, läuft Gefahr, enthauptet oder ans Kreuz gehängt zu werden. Den Schulen der Stadt diktierte die Miliz kürzlich die Inhalte und strich Fächer wie Philosophie oder Chemie.

Wie stark sind die Kämpfer des IS?

Seit Anfang 2014 führt die Miliz mit den gemäßigten und vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien einen Zermürbungskrieg. Dabei stürmen IS-Kämpfer Außenposten der Rebellen und nehmen ihnen Ort für Ort durch Gewalt und Einschüchterung ab.

Die Zahl der Kämpfer lässt sich nur schätzen. Fest steht jedoch, dass die Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak Anfang Juni 2014 starken Zulauf bekommen haben. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Gruppe in Syrien und im Irak zwischen 20.000 und 31.500 Kämpfer hat. Diese Zahl unterscheidet sich deutlich von den Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie schätzt die Zahl der IS-Kämpfer allein in Syrien auf rund 50.000, davon etwa 20.000 aus dem Ausland. Die Menschenrechtler stützen sich bei ihren Informationen auf ein Netz von Aktivisten in Syrien.

Welche Rohstoffe hält IS in der Hand?

Die Terrormiliz hatte im bis Herbst 2014 faktisch alle größeren Ölfelder im Osten Syriens, darunter das landesweit größte namens Omar mit einer Förderkapazität von 75.000 Barrel pro Tag erobert. Der IS nahm die Produktion teilweise auf und finanzierte sich auch über den Verkauf von Rohöl unter Marktpreisen. Das geförderte Öl werde über Mittelsmänner an die Türkei und den Irak geliefert.

Doch nach dem Verlust von Tikrit Anfang April 2015 hat die Terrororganisation auch mindestens drei Ölfelder verloren. Damit bleibt der Miliz im Irak nur noch ein einziges Ölfeld: Qayara mit einer Förderkapazität von gerade einmal 2000 Barrel am Tag. Das seien gerade noch fünf Prozent der zuvor vom IS innerhalb des Irak kontrollierten Menge.

Wie verhält sich der syrische Diktator Assad?

Syriens Präsident hat vor kurzem die Luftangriffe auf IS-Hochburgen verstärken lassen. Die Regierung öffnete die Türen für eine mögliche Kooperation mit den USA im Kampf gegen IS, sie stellte aber zugleich klar, dass jeglicher Angriff mit Damaskus abgestimmt sein müsse. Für die US-Regierung ist dies allerdings ein Problem: Sie möchte nicht an Assads Seite erscheinen, zumal sie dessen Rücktritt seit Jahren verlangt. Unter der Hand machte das Assad-Regime lange sogar Geschäfte mit den Terroristen nach dem Motto: Strom gegen Öl.

Was können die USA mit Luftschlägen ausrichten?

Jedweder Luftschlag der USA in Syrien würde sich wahrscheinlich auf Gebiete nahe der Grenze zum Irak sowie militärische Ziele wie Trainingslager in Rakka konzentrieren. Dort verfügt Assad kaum über Luftabwehr.

In jedem Fall werden sich Luftangriffe schwieriger gestalten als im Irak: Dort segnet Bagdad das Vorgehen ab, zudem verlaufen die Frontlinien deutlicher. In Syrien hingegen gibt es auf engem Raum verschiedene Fraktionen, zu denen neben IS auch der al-Qaida-Ableger Nusra-Front, die vom Westen unterstützten Rebellen der Freien Syrischen Armee und die Regierungstruppen gehören. Während die gemäßigten Rebellen US-Luftschläge fordern, lehnen die extremeren Kämpfer ein Engagement der USA ab.

Viele Geberländer hätten zugesagte Gelder nicht überwiesen, beklagte Etefa. Der Engpass komme nicht nur wegen des anstehenden Winters zur denkbar ungünstigsten Zeit. Gerade habe WTP erstmals auch Kontakt zu Betroffenen in Syrien selbst aufgebaut. Rund 4,2 Millionen Menschen brauen dort nach Etefas Angaben Hilfe. „Unsere Lebensmittel reichen jedoch nur noch bis Januar.“

Syrien befindet sich seit mehr als drei Jahren im Bürgerkrieg. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpft gegen gemäßigte wie islamistische Rebellengruppen. Im Nordosten hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rund ein Drittel des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Zugleich haben sich die Dschihadisten auch im benachbarten Irak festgesetzt. Hier kontrollieren sie ebenfalls rund ein Drittel der Fläche.

Im November kamen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Syrien insgesamt 4220 Menschen ums Leben, im Irak waren es laut eines am Montag veröffentlichten UN-Berichtes mindestens 1232. Die UN nehmen aufgrund der schwierigen Lage in Syrien seit diesem Sommer keine Schätzungen mehr vor. Die Zahl der Toten lag in den Vormonaten bereits ähnlich hoch.

Die oppositionsnahen Menschenrechtsbeobachter zählten in Syrien neben knapp 900 toten Zivilisten über 1300 Islamisten und ähnlich viele Kämpfer aufseiten des syrischen Regimes. Weitere Tote habe es bei den kurdischen Kämpfern und unter gemäßigten Rebellen gegeben.

Die UN-Irakmission Unami sprach von 936 durch terroristische Angriffe getötete Zivilisten im November. Hinzu kämen 296 gefallene irakische Soldaten, verbündete Kämpfer und Peschmerga. Im Irak seien seit Anfang 2014 rund 12.000 Menschen getötet und 22.000 verletzt worden.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Wolfgang Trantow

02.12.2014, 08:51 Uhr

Angriffe auf Israel sollen sollen also weiter durch uns finanziert werden!

Herr Eric Boule

02.12.2014, 16:23 Uhr

Westwelt erntet Fruechte ihrer unverantwortlichen Syrienpolitik
Fuer den Syrienkrieg wurden viele Aufstaendische vom Westen trainiert,bewaffnet,finanziert,unterstuetzt mit Sanktionen gegen das legitime SyrienAssadRegime,mit Patriotraketen i/d Tuerkei beschuetzt.Viele Isiskaempfer tragen noch ihre schutzsicheren Westen ,geschenkt v Westerwelle.Jetzt hat Gruppe ISIS die
Ueberhand bekommen,nachdem viele Aufstaendische anderer Gruppen+europaeische Freiwillige ihr zugeflossen waren.Jetzt wird Terror verbreitet ueber mehrere NahOstLaender.Europa kommt spaeter dran.Der Syrienplan in USA entworfen,ueber Nato an die EU-NatoMinister verordnet,kostet EU viele Milliarden von Euros,bringt umheimlich viel Leid+Menschenrechtsverletzungen in den betroffenen Laendern.Der EU-NobelFriedenspreis sollte zurueckgefordert werden+die EU-NatoMinister sofort entlassen.Nato in eine EU-Organisation veraendert,ohne Agressors wie USA,m.a.W. den Brandstifter ausschalten dann gibt es auch keine Braende mehr

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