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02.10.2011

10:23 Uhr

5000 Flugabwehrraketen

Nato befürchtet Terror mit libyschen Raketen

Nato-Experten sorgen sich um den Verbleib von mehreren tausend Boden-Luft-Raketen, die während des Kriegs in Libyen verschwunden sind. Ihre Befürchtung: Sie könnten für Anschläge genutzt werden.

Libysches Militär zerstört Flugabwehrraketen des Typs SAM-7 mit einem Hammer. Die Nato befürchtet, dass einige der 5000 der Gaddafi-Raketen in die Hand von Terroristen geraten sind. AFP

Libysches Militär zerstört Flugabwehrraketen des Typs SAM-7 mit einem Hammer. Die Nato befürchtet, dass einige der 5000 der Gaddafi-Raketen in die Hand von Terroristen geraten sind.

Bengasi/HamburgDie Nato fürchtet, verschwundene libysche Raketen könnten in die Hände von Terroristen gelangt sein und warnt nun vor einer ernsten Gefahr für die zivile Luftfahrt. Bei einer vertraulichen Unterrichtung für deutsche Bundestagsabgeordnete am vergangenen Montag in Brüssel warnte Admiral Giampaolo di Paolo, Vorsitzender des Nato-Militärausschusses, eindringlich vor möglichen Terroranschlägen auf die zivile Luftfahrt mit den verschwundenen Raketen. Der Admiral räumte nach Informationen von Spiegel Online ein, dass das Verteidigungsbündnis trotz Luftüberwachung und Geheimdienstinformationen der Bündnisnationen von mindestens 10.000 solcher Raketen aus den Lagern der Armee jede Spur verloren hat.

Die Nato fürchtet demnach, dass die Raketen nun in andere Länder geschmuggelt würden und dort in die Hand von Terrorgruppen wie al-Qaida geraten könnten. Dies könne sowohl afrikanische als auch Nationen im arabischen Raum betreffen, sagte der Admiral. Die Raketen könnten überall auftauchen, "sowohl in Kenia als auch in Kunduz", warnte di Paolo vor den Abgeordneten. Von den Waffen, die recht leicht von der Schulter oder auf den Boden gestellt abgefeuert werden können, gehe deswegen eine "ernsthafte Gefahr für den zivilen Luftverkehr aus".

5000 sowjetische Flugabwehrraketen werden vermisst

Aus den Waffenarsenalen des gestürzten libyschen Machthabers Muammar el Gaddafi waren nach Angaben der neuen Führung des Landes fast 5000 Flugabwehrraketen des Typs SAM-7 verschwunden.

Die meisten der im Militärjargon SAM genannten Raketen - die Abkürzung steht für "surface to air missile" - sind nach dem Fall von Tripolis Ende August geplündert worden. Damals öffneten die Rebellen viele Waffenlager des Regimes, prall gefüllt mit Raketen. Viele Boden-Luft-Raketen sind mit Hitzesensoren ausgestattet, die sie direkt in die Turbinen von Flugzeugen leiten. Gerade beim Start und beim Landeanflug sind zivile Flugzeuge gegen solche Angriffe nicht geschützt und würden im Fall eines Treffers sofort abstürzen.

Unter Gaddafi habe Libyen rund 20.000 dieser Raketen aus sowjetischer oder bulgarischer Produktion gekauft, sagte der Rüstungsbeauftragte des Nationalen Übergangsrates, Mohamed Adia, am Samstag in der Küstenstadt Bengasi. Mehr als 14.000 dieser Raketen seien eingesetzt oder verschrottet worden, die meisten von ihnen seien in der Stadt Sintan südwestlich von Tripolis deponiert gewesen.

„Rund 5000 SAM-7 fehlen und sind irgendwo. Leider besteht die Möglichkeit, dass einige dieser Raketen in die falschen Hände gelangt sind, etwa im Ausland“, sagte der General bei einer Pressekonferenz in einem früheren Waffendepot Gaddafis in Bengasi.

Die SAM-7 ähnelten den Stinger-Raketen aus US-Produktion, seien leicht in der Handhabung und könnten etwa genutzt werden, um ein Passagierflugzeug abzuschießen. Für den Übergangsrat komme deren Nutzung allerdings nicht in Frage, da die Raketen auf Militärtechnologie der 1970er Jahre basierten und somit veraltet seien.

Experten in westlichen Staaten warnen vor einer Verbreitung der Flugabwehrraketen und befürchten, dass etwa Extremisten der Terrororganisation El Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) damit Passagierflugzeuge angreifen könnten. Im November 2002 wurde eine SAM-7-Rakete auf ein israelisches Verkehrsflugzeug im kenianischen Mombasa abgefeuert, die aber ihr Ziel verfehlte.

Von

afp

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

02.10.2011, 11:30 Uhr

Technik aus den 70-ern, die noch enormen Schaden in der Zivilluftfahrt anrichten kann.
Mit diesen alten Dinger hatte Gaddafi militärisch gegen die Nato-Bombardierungen, auch auf zivile Ziele, keine Chance, diese abzuwenden. Für die modernen Kampfjets sind diese alten Dinger wirkungslos und nicht zu gebrauchen.
Gaddafi hat die Konfrontation mit den Nato-Hightech-Kampfjets gescheut. Eine weise Entscheidung. Er verfügt über genügend Goldreserven und Milliardenguthaben, um sich die Neueste Technik von China, Nordkorea, oder dem IRAN zu kaufen. Mit der modernen Generation von Flugabwehrraketen könnte er über Jahre hinweg dem Westen enormen Schaden zufügen, auch in der Zivilluftfahrt.

Gaddafi ist nicht so dumm, wie er von westlichen Militärs immer gerne hingestellt wird. Nur eine Frage der Zeit, bis er mal den Spies umdreht und die selben Mittel anwendet – wie die Natobomber. In Verbindung mit den vermissten 5000 Flugabwehrraketen, die u.U. in andere Spannungsgebiete verkauft wurden, hätte der Westen ein richtiges Problem.
Militärische Überlegenheit durch High-Tech wäre wirkungslos gegen diese Strategie und würden Überfälle auf technisch unterlegene Staaten unkalkulierbar machen. Dies wäre mal ein Fortschritt für die ganze Zivilisation. Das Gesetz des militärisch Stärkeren versagt an der Intelligenz kleiner Elite-Gruppen.
Damit könnte man nicht nur Sarko(t)zy das „Krieg spielen“ zum unkalkulierbaren Risiko und zum Bumerang-Effekt machen. Man könnte den Kriegsschauplatz auf Länder übertragen, wo die High-tech-Kampfjets und Flugzeugträger stationiert sind.

kuac

02.10.2011, 11:48 Uhr

Kann man den Sarkozy, Cameron und Obama wegen Verbreitung von Massenvernichtungswaffen verklagen? 10 zivile Flugzeuge a 300 Passagier= 3000 Menschen=9/11.

Beobachter

02.10.2011, 11:48 Uhr

...und das ist dann auch der Stoff, an dem sich die nächste Finanzblase entlädt.

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