Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.03.2017

15:21 Uhr

60 Jahre EU in Rom

Audienz beim Papst inklusive

VonRegina Krieger

Zum EU-Gipfel zur Feier des 60. Jahrestages der Römischen Verträge ist die Polizei in Alarmbereitschaft – gerade nach den Ereignissen von London. Erster Programmpunkt für die Gipfelgäste: Ein Besuch im Vatikan.

Vor dem EU-Gipfel: Italienische Polizisten patrouillieren vor dem Grabmal des unbekannten Soldaten in Rom. dpa

Sicherheitsvorkehrungen

Vor dem EU-Gipfel: Italienische Polizisten patrouillieren vor dem Grabmal des unbekannten Soldaten in Rom.

RomDie Audienz bei Papst Franziskus ist für die Sicherheitskräfte noch die leichteste Übung. Zum Auftakt der Feiern des 60. Geburtstages der Römischen Verträge treffen die Staats- und Regierungschefs der EU sowie die Spitzen von Rat, Parlament und Kommission an diesem Freitagabend den Papst in der Sala Regia im Apostolischen Palast – gut abgeschirmt und Routine für Schweizergarde und die Gendarmerie des Vatikans.

Schwieriger wird es bei der Feier selbst am Samstagmorgen auf dem Kapitolshügel, normalerweise das ganze Jahr über von Touristen belagert, die den Blick auf das Forum und die Kunstschätze in den Kapitolinischen Museen schätzen.  Die römische Quästur, zuständig für die Sicherheit, geht drastisch vor: Ab Freitagabend wird die Innenstadt gesperrt. Das Kolosseum wird geschlossen, auch das Forum Romanum und der Palatin mit seinen Kaiserpalästen, dazu auch Museen und viele Geschäfte im Zentrum.

Alles wird bis Sonntag verriegelt, Autos dürfen nicht fahren und in die abgesperrte „blaue“ Zone darf durch einen der 39 Zugänge nur, wer sich ausweisen kann. Ähnlich ist es in der „grünen Zone“ rund um den Quirinalspalast, dem Sitz des Staatspräsidenten, direkt neben der „blauen“ Zone. Jeder, der rein oder raus will, wird kontrolliert. Das „Centro Storico“, die Innenstadt von Rom, wird dicht gemacht.

Am 25. März 1957 wurden die Römischen Verträge unterzeichnet, damit wurde der Grundstein für die Europäische Union gelegt. Zur Feier dieses Jubiläums kommen die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten in Rom zusammen. dpa

Unterzeichnung

Am 25. März 1957 wurden die Römischen Verträge unterzeichnet, damit wurde der Grundstein für die Europäische Union gelegt. Zur Feier dieses Jubiläums kommen die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten in Rom zusammen.

„Blau“ werde die Zone zu Ehren der EU genannt, die das Blau in ihrer Fahne hat. So sagen es die Offiziellen. Doch es geht wohl auch darum, den Namen „rote Zone“ zu vermeiden, weil er noch immer negative Assoziationen weckt: beim G8-Gipfel in Genua – damals war Russland noch dabei – gab es in der „roten Zone“ Schlachten zwischen Autonomen und Polizisten und ein junger Globalisierungsgegner wurde von der Polizei erschossen.

Das Sicherheitsaufgebot in Rom ist enorm. 5.000 Ordnungskräfte sind im Einsatz, es gibt ein Überflugverbot, drei Metrostationen werden geschlossen, Busse umgeleitet, auf den Dächern sind Scharfschützen. Seit der Beerdigung von Papst Johannes Paul II. vor zwölf Jahren habe es nicht ein so großes Aufgebot in der Stadt gegeben, sagt ein Uniformierter.  

EU-Jubiläumsgipfel: Polen unterstützt Abschlusserklärung von Rom

EU-Jubiläumsgipfel

Polen unterstützt Abschlusserklärung von Rom

Polen gibt den Widerstand gegen die Abschlusserklärung des EU-Jubiläumsgipfels auf. Polnische Forderungen seien erfüllt worden. Weiterhin spricht sich das Land gegen ein Europa der zwei Geschwindigkeiten aus.

Schon seit den Anschlägen von Paris im November 2015 gehören bewaffnete Soldaten am Campo de‘ Fiori, der Piazza Navona und anderen Sehenswürdigkeiten und in den Metrostationen in Rom zum Straßenbild. Nach dem Anschlag in London in dieser Woche hat Innenminister Marco Minniti für Freitagmorgen ein neues Krisentreffen einberufen. Er schlägt doppelt Alarm: Einmal drohen Aktionen von radikalisierten Einzelkämpfern, den „einsamen Wölfen“, wie in London, und es besteht die Gefahr, dass sich Autonome unter die Demonstranten mischen. In Rom werden „Black Block“-Mitglieder auch aus Deutschland, Frankreich und Griechenland erwartet. Polizeipräsident Guido Marino hat Feuerwerkskörper verboten und das Tragen von Motorradhelmen und Kapuzen.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hans-Jörg Griesinger

24.03.2017, 15:37 Uhr

Wenn die IS-Terroristen nur einen Funken Anstand hätten, dann sollten sie zukünftig Anschlagsziele auswählen, welche die Verantwortlichen für den Hass und die Kriege trifft und damit aufhören, nur feige Anschläge auf „Weichziele“ zu verüben und unschuldige Zivilisten zu töten.

Herr Lothar Thürmer

24.03.2017, 15:56 Uhr

Die Römischen Verträge vom 25. März 1997 haben die Grundlage für die Europäische Union geschaffen. Es folgten sechs Jahrzehnte Frieden, Freiheit und Wohlstand auf unserem Kontinent. Gemeinsamer Binnenmarkt und Zollunion waren das Erfolgsmodell im Nachkriegseuropa.
Aber wie so oft im Leben hat auch dieser Erfolg zu Übermut und Maßlosigkeit geführt. Maßlos war die Vertiefung der Union durch eine europäische Gemeinschaftswährung, die überstürzt eingeführt wurde, ohne die hierfür erforderlichen institutionellen Voraussetzungen geschaffen zu haben. Maßlos war aber auch die Osterweiterung der Union Anfang dieses Jahrhunderts. Und als maßlos haben viele auch den Versuch Merkels empfunden, die Kosten für eigene Fehler in der Flüchtlingspolitik teilweise den Partnern in Rechnung zu stellen.
Den Preis für diesen Übermut sehen wir heute: Die einst so erfolgsverwöhnte EU steht 60 Jahre nach ihrer Gründung am Rande eines Abgrundes. Was ist in dieser verfahrenen Situation zu tun? So viel steht fest: Ein „Weiter so“ kommt nicht mehr in Frage, weil es die Konflikte nicht lösen, sondern nur weiter verschärfen würde. Deshalb stehen wir an einem Scheideweg: Entweder gehen wir mit neuem Schwung nach vorne oder aber resignativ zurück auf Anfang.
Es könnte sich noch als Glücksfall der Geschichte erweisen, dass der äußere Druck und der innere Zwang zur Einigung der EU noch nie so groß waren wie heute. Die USA scheinen ihr Interesse an Europa verloren zu haben, China und Russland spielt ein gespaltener Kontinent ohnehin in die Hände. Zugleich stehen wir am Beginn einer neuen industriellen Revolution, die unser Leben verändern könnte wie keine zuvor. Ohne eine gemeinsame und starke Antwort darauf könnte unser Kontinent in Flammen aufgehen. Diese Herausforderungen von historischer Dimension sollte es den Ländern Europas erleichtern, über ihren nationalen Schatten zu springen.

Herr Peter Spiegel

24.03.2017, 16:12 Uhr

Herr Lothar Thürmer@Verwechseln Sie nicht die EWG und EU ?
Die Römischen Verträge (außer in Deutschland und Italien vereinfachend Vertrag von Rom genannt) wurden am 25. März 1957 von Belgien...................
Mit der derzeitigen EU-Mafia hat der 60 jährige Frieden nichts zu tun, viel mehr wäre er undenkbar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×