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26.07.2013

18:49 Uhr

60 Jahre nach dem Korea-Krieg

Kim hält Hof

VonMartin Kölling

Nordkoreas Erbkaiser Kim Jong Un setzt sich gerne in Szene, dieses Mal als Friedensbringer – denn das Land feiert den 60-jährigen Waffenstillstand mit dem Süden. Dabei ist der Frieden eine Farce.

Kim Jong Un zeigt sich zu den Feierlichkeiten sogar den Jouranlisten. ap

Kim Jong Un zeigt sich zu den Feierlichkeiten sogar den Jouranlisten.

TokioAm 27. Juli 1953 ging ein blutiger Albtraum zu Ende, der Korea-Krieg. Die Truppen der Vereinten Nationen und Nordkoreas und dessen Verbündeten schlossen nach drei Jahren Massaker und Flächenbombardements einen Waffenstillstand. Das Ziel des Vertrags wurde allerdings nie vollständig erreicht. Obwohl beide Seiten gelobten, alle Feindseligkeiten bis zu einem Friedensvertrag einzustellen, ist es immer wieder zu militärischen Zwischenfällen zwischen den koreanischen Staaten gekommen.

Erst Anfang des Jahres war die Lage nach einem Raketen- und einem Atombombentest Nordkoreas und harten Sanktionen der Vereinten Nationen so brisant, dass Experten einen Krieg aus Versehen nicht ausschließen wollten. Vor wenigen Monaten legte er selbst der Botschaft seines Verbündeten Chinas nahe, doch wegen akuter Kriegsgefahr das Land zu verlassen. Aber inzwischen ist die Stimmung wieder so entspannt, dass Nordkoreas Führer Kim Jong Un zum 60. Jahrestag des Waffenstillstandsabkommens prunkvoll Hof hält.

120 ausländische Journalisten hat er nach Pjöngjang gelassen, die für das Privileg fürstlich bezahlen. Gerüchten zufolge winkt einem oder mehreren von ihnen sogar ein Interview mit dem kommunistischen Erbkaiser, dessen Großvater Kim Il Sung die Demokratische Volksrepublik Korea gegründet hat. Und auch wenn daraus nichts wird: Am Donnerstag hat er sich sogar persönlich vor den Journalisten sehen lassen. Gemeinsam mit der gesamten Führungsspitze weihte er unter den Augen der geladenen Weltpresse den Friedhof der Kriegsmärtyrer ein, auf dem später vor laufenden Kameras gekrümmte Großmütterchen über den Gräbern ihrer Söhne und Brüder weinten.

Und es war kein isoliertes Event. Die ersten Bilder des Ereignisses twitterten die Journalisten auf nordkoreanischen Prepaid-Handy in die Welt hinaus, die die Journalisten für viel Geld am Flughafen erwerben durften. Dass die Nordkoreaner dies mit ihrem Netz nicht können, ist eine andere Sache. Und selbst für die Reporter aus dem Ausland sei ein Telefon doch sehr teuer, verriet am Freitagmorgen der mitgereiste japanische Reporter des TV-Senders TBS den Japanern, während im Hintergrund sein Video von mit Fahnen und Bannern geschmückten Straßen in Endlosschleife lief. Er habe nicht mit seiner Familie telefoniert.

Kommentare (3)

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PostvonWagner

27.07.2013, 21:05 Uhr

Liebes Handelsblatt,

"Kim" ist der Vorname eines männlichen Koreaners, wie kann dann ein Wirtschafts-Provinzblatt aus D-Dorf den großen Kim Jong Un dutzen?!

Liegt wohl an der schwülen Hitze am Rhein...

Oder an zu viel Alt-Bier...

hanji

28.07.2013, 21:02 Uhr

Kim ist mit 20% der häufigste Nachname in Korea, und kein Vorname. Wie in Ungarn, Türkei, China und vielen anderen Ländern der Welt kommt der Nachname zuerst.

hanji

28.07.2013, 21:11 Uhr

"Erst Anfang des Jahres war die Lage (...) so brisant, dass Experten einen Krieg aus Versehen nicht ausschließen wollten." heißt es im Text. Mit Verlaub, das ist doch blanker Unsinn! Auch ein Krieg "aus Versehen" bräuchte bewusste Entscheidungen. Kein einziger Koreaner-Süd, kein einziger ernst zunehmender Experte hat die Rhetorik des Norddiktators wörtlich genommen. Alle bis auf ein paar kriegslüsterne Falken in den USA (Umfeld Rüstungsindustrie, CIA etc.) und - wie immer - die von German Angst gezeichneten deutschen Journalisten waren naiv genug, das Theater wörtlich zu nehmen. Und haben sich auch noch gewundert, dass die Drohexzesse nach dem Tag aufhörten, als das Verteidigungsministerium Süd die Fortsetzung ihrer Aufrüstungsorgien (mit US-Produkten natürlich) öffentlich machte. Viele Insider ahnten schon vorher, wer hier wen wofür bezahlt hat ...

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