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16.09.2014

12:27 Uhr

615 Millionen fehlen

Baustopp für Tschernobyl-Schutzhülle droht

Während die Ukraine eine Mauer zu Russland bauen will, fehlen Millionen für ein anderes Projekt: Die Schutzhülle um den Atomreaktor in Tschernobyl ist noch immer nicht fertig. Ein Baustopp wäre riskant.

Bauarbeiten für die Schutzhülle für den zerstörten Atomreaktor in Tschernobyl dpa

Bauarbeiten für die Schutzhülle für den zerstörten Atomreaktor in Tschernobyl

Berlin Der Bau einer dringend notwendigen Stahlhülle über den 1986 zerstörten Atomreaktor in Tschernobyl droht wegen Geldmangels zu scheitern. Es bestehe ein Finanzierungsdefizit von 615 Millionen Euro, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag in Berlin aus Regierungskreisen. Deutschland und die anderen G7-Staaten konnten sich bisher nicht einigen, wie die Lücke geschlossen werden soll.

1997 hatten die sieben führenden westlichen Industriestaaten (G7) den Aufbau eines Fonds vereinbart, um einen Sarkophag für Reaktorblock 4 zu finanzieren. Da der bisherige Betonschutz brüchig ist, wird zum dauerhaften Schutz vor hoch radioaktiver Strahlung eine riesige neue Stahlkonstruktion gebaut, die erst zur Hälfte fertig ist. Die bisher zur Verfügung gestellten Mittel werden Ende 2014 aufgebraucht sein.

Da Deutschland derzeit die G7-Präsidentschaft innehat, kommt der Bundesregierung eine Schlüsselrolle zu. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die Fertigstellung der neuen Schutzhülle für den Sarkophag ist unabdingbar, um den havarierten Reaktor sicher zu umschließen und seinen Abbau zu ermöglichen.“

Waffen für die Ukraine?

Befürworter

Vor allem die an Russland grenzenden Baltenländer sehen die Ukraine-Krise mit großen Sorgen. Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite hatte sich vor dem EU-Gipfel für Waffenlieferungen an die Ukraine stark gemacht.

Gegner

Dazu dürfte es allerdings nicht kommen, weil die große Mehrheit der EU-Staats- und Regierungschefs dagegen ist. "Ich glaube nicht, dass wir durch Waffenlieferungen auch nur den Anschein erwecken sollten, dass durch eine militärische Verstärkung der ukrainischen Armee eine Lösung zu erreichen wäre", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Säbelrasseln

Die Nato demonstriert weiter Entschlossenheit bei der Verteidigung ihrer östlichen Bündnispartner. An der verstärkten Überwachung des Luftraums über dem Baltikum werden sich ab dieser Woche auch sechs "Eurofighter"-Kampfjets der Bundeswehr beteiligen. Für den Einsatz werden 170 Soldaten der Luftwaffe am Stützpunkt Ämari in Estland stationiert. Litauen, Lettland und Estland haben selbst keine ausreichenden Luftstreitkräfte.

Zugleich sei dies die Voraussetzung, um die Region Tschernobyl in einen ökologisch sicheren Zustand zu bringen. Die Bundesregierung werde dafür einsetzen, „dass die Finanzierungslücke für dieses Projekt von den Geberländern gemeinsam geschlossen wird.“ Für Mitte Oktober ist ein Treffen der G7-Gruppe für Nuklearsicherheit geplant, um zusätzliche Zusagen einzusammeln.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace mahnte eine rasche Lösung an. Es wäre unverantwortlich, wenn der Bau abgebrochen werden müsste. Die über den havarierten Reaktor gespannte Schutzhülle soll am Ende 42 000 Quadratmeter groß sein, der Bau ist weltweit beispiellos. Die atompolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion Sylvia Kotting-Uhl betonte: „Dass die Bauarbeiten nicht fortgeführt werden können, ist ein ernstzunehmendes Sicherheitsproblem.“ Es könne nicht sein, dass in Tschernobyl aus Geldmangel wichtige Arbeiten nicht verrichtet werden. Die Grünen fordern wegen der Krise mit Russland ein umfassendes Sicherheitskonzept für die ukrainischen Atomstandorte.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Drittes Auge

16.09.2014, 13:45 Uhr

"Die bisher zur Verfügung gestellten Mittel werden Ende 2014 aufgebraucht sein."

Ok, bleibt die spannende Frage, warum die Mittel aufgebraucht sind? Eine eher unwahrscheinliche Möglichkeit: Wowereit hat den Bau geplant. Eine andere die Korruption in der Ukraine hat Gelder abgezweigt und in Oligarchen-Taschen gelenkt. Eine dritte: Der Westen sucht nach Mittel und Wegen legal Geld an das von ihm installierte Regime in Kiew zu trasferieren, um den nicht zuletzt in seinem Interesse geführten Stellvertreter-Bürgerkrieg weiterzufinanzieren.

Herr Jürgen Clasen

16.09.2014, 14:05 Uhr

Merkt denn keiner wie wahnwitzig die westliche Unterstützung der Ukraine ist und wirkt?
Wollen eine Mauer bauen. Dafür sollte D keinen Cent geben. Hat genug gekostet, unsere Mauer zu beseitigen.
Poroschenko und seine Mitstreiter haben die Partie verloren und zwar schon vor dem bewaffneten Konflikt in der Ostukraine. Als Schachspieler hätte man das Spiel gegen Putin verloren gegeben. Der Winter wird alles nochmal schlimmer machen, siehe Napoleon und Hitler.
Langsam scheint es in Kiew zu dämmern und man bietet
Amnestie und Selbstständigkeit mit Militärmilizen an.
Das dürfte Putin noch nicht genügen und schon gar nicht mit einer Befristung. Er zieht die Schlinge enger und enger, bis die Gegenseite aufgibt. Man könnte sich vieles
ersparen, wenn man dies aussichtslose Lage sogleich
anerkennen würde. Ob das alles gerecht ist was der Westen
oder Russland in der Ukraine angestellt haben schreiben
die Sieger. Es geht generell nicht gerecht in dieser Welt
zu. Letzte Gerechtigkeit kriegen wir im Himmel und gegen eine ungerechte Teilung kann man arbeiten. Wandel durch
Annäherung. Hat auch bei uns geklappt. Je rascher der
Friede kommt, desto mehr kann geholfen werden. Man schmiedet damit Schwerter zu Pflugscharen.

Herr C. Falk

16.09.2014, 14:05 Uhr

Für zwei Mauern scheint das Geld nicht zu reichen. Die eine Mauer ist lebensnotwendig, die andere schlicht Unsinn.

...und kommt möglicherweise auch nicht. Im Hintergrund zeichnet sich ein Agreement Russland/USA ab. Die Ostukraine wird weitgehend unabhänig bis hin zu eigenem Militär in Gestalt der jetzigen Milizen, bleibt aber im ukrainischen Staatsverbund.

Im Moment tobt in Kiew ein Machtkampf zwischen dem Falken Jazenjuk aus dem Timoschenko-Clan und Poroschenko, der den Konflikt eher im Einverständnis mit Russland lösen will.

Einige Strategen in Washington scheinen zu der Einsicht gekommen zu sein, dass es doch keine intelligente Variante ist, Russland vollens in die Arme Chinas zu drängen, mit der Option, dass es schließlich China ist und nicht der Westen, der langfristig das Rohstoffgeschäft mit Russland macht.

Die Einbindung Russlands in die IS-Abwehrstrategie Obamas ist ein Hinweis dafür, dass Obama sich entschieden hat den Konflikt mit Russland nicht bis zum Siedepunkt hochkochen zu lassen.

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