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22.05.2014

15:35 Uhr

9/11-Museum

Kritik am Geschäft mit dem Grauen

VonAxel Postinett

Wie weit darf der Kommerz gehen? In den USA meistens ziemlich weit, aber ein Geschenke-Shop im Museum zum 11. September geht vielen Amerikanern dann doch zu weit. Schock und Schmerz sitzen noch zu tief.

New Yorks Feuerwehrmänner rollen die amerikanische Flagge während der Eröffnungszeremonie des 9/11-Museums aus: Die Stätte zeigt, wie wenig die USA das Attentat bisher verarbeitet haben AFP

New Yorks Feuerwehrmänner rollen die amerikanische Flagge während der Eröffnungszeremonie des 9/11-Museums aus: Die Stätte zeigt, wie wenig die USA das Attentat bisher verarbeitet haben

New York„Der kleine Shop des Horrors“ titelte die New York Post mit dem Bild einer 9/11 Baseball-Kappe und setzte sarkastisch nach: „Besuch das Massengrab, kauf ein T-Shirt“. Wer das am Mittwoch eröffnete Museum zum Gedenken an den Terroranschlag 2001 auf das World Trade Center in New York besucht, kann sich am Ende noch einen Regenüberzug für den Hund mitnehmen, der an die Montur eines New Yorker Feuerwehrmanns erinnert, ein „Darkness Hoodie“ für 39 Dollar, oder einen Stoff-Leichensuchhund.

Kleinlich waren die Amerikaner noch nie, wenn es darum geht, einen schnellen Dollar zu machen. Aber an einem Ort, an dem gleichzeitig noch 8000 unidentifizierte Körperteile von Opfern begraben sind, ist das Klingeln von Registrierkassen schon eine Herausforderung. Besonders für die Hinterbliebenen.

Der Vorderwagen des riesigen Fahrzeugs ist einfach verschwunden, wie von einer Faust mit einem mächtigen Ruck abgerissen. Deutlich leserlich auf der Seite des verbliebenen Teils des  verdreckten und völlig demolierten Wracks ist noch die Aufschrift „Ladder 3“.

Im East Village stationiert waren die Männer des Feuerwehrzugs Leiter 3 unter den ersten, die nach dem Einschlag des ersten Flugzeugs um 8.46 Ortszeit in die New Yorker Twin-Türme am 11. September 2001 am Ort der Katastrophe waren. Als der Nordturm dann einstürzte waren elf Männer des Zuges tot. Insgesamt sollten fast dreitausend Menschen an diesem Tag ihr Leben verlieren, in einem der schlimmsten Terrorakte der Moderne.

2011 senkte ein riesiger Kran die Überreste von Leiter 3 in seinen endgültigen Ruheplatz. Seit gestern sind sie im 9/11 Memorial Museum am Standort des einstigen World Trade Center zu besichtigen. Vom Eingangsbereich, einem lichtdurchfluteten Glaspavillon, geht es über lange Rolltreppen tief hinab dahin, wo einst die Fundamente der gigantischen Türme den Felsboden von New York berührten.

Gut 21 Meter unter dem Straßenlevel finden sich tausende Exponate, zu besichtigen gegen 24 Dollar Eintrittsgebühr. Für den pensionierten Feuerwehrmann Jim Riches, der seinen Sohn, ebenfalls Feuerwehrmann, am 11. September verlor, ist das alles zu viel, vor allem der Shop. „Im Grunde machen die Geld mit dem Körper meines toten Sohnes“, beklagt er sich gegenüber dem TV-Sender CNN.

Doch Joe Daniels, Leiter von Museum und Gedenkstätte verweist darauf, dass es keinerlei staatliche Unterstützung für das Museum gebe. „Wir sind auf Sponsoren, Spender, Eintrittsgelder und den Verkauf von ausgesuchten Erinnerungsstücken im Shop angewiesen“, heißt es in einem Statement. Rund 56 Millionen Dollar, so die Schätzungen, kostet der Betrieb des Museums pro Jahr.

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