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31.01.2005

17:05 Uhr

Abbas fordert Freilassung von 8000 Gefangenen

Palästinenser-Mädchen im Gaza-Streifen erschossen

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas will bei seinem geplanten Treffen mit dem israelischen Regierungschef Ariel Scharon die Freilassung von 8000 Gefangenen fordern. Derweil hat jedoch neue Gewalt die jüngsten Bemühungen um eine Entspannung im Nahen Osten belastet.

HB GAZA-STADT/JERUSALEM/MOSKAU. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas will bei seinem geplanten Treffen mit dem israelischen Regierungschef Ariel Scharon die Freilassung von 8000 Gefangenen fordern. Zudem solle Scharon einer beiderseitigen Waffenruhe, der Zusammenarbeit beim Abzug aus dem Gazastreifen und einem Truppenrückzug auf Positionen der Zeit vor dem Palästinenseraufstand zustimmen, sagte ein ranghoher Palästinenservertreter aus dem Umfeld von Abbas am Montag in der Stadt Gaza. Abbas war unterdessen zu Gesprächen in Moskau, wo er bei Präsident Wladimir Putin um Unterstützung ersuchte.

Der russische Präsident äußerte die Hoffnung, dass Abbas ein Durchbruch in den Beziehungen zu Israel gelingen möge. Putin sagte: „Am Ende der Friedenslösung muss die Gründung eines unabhängigen Staates stehen, der nicht nur eine Daseinsberechtigung hat, sondern auch das Recht auf eine friedliche Existenz.“ Abbas sprach von „sehr ergiebigen Gesprächen“. Er dankte Moskau für die Unterstützung der Palästinenser.

Abbas und Scharon wollen sich nach Berichten von Israelis und Palästinensern in der kommenden Woche treffen. Voraussetzung ist, dass Abbas die militanten Palästinensergruppen auf eine Waffenruhe verpflichtet. Dazu sollen in den kommenden Tagen im Exil lebende Palästinenserführer zu Gesprächen in Kairo versammelt werden.

Israelische Soldaten töteten am Montag im Gazastreifen ein zehnjähriges palästinensisches Mädchen. Das Kind sei auf einem Schulhof in der Stadt Rafah im Gesicht getroffen worden, teilte das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) mit. Ein zweites Mädchen sei leicht verletzt worden. Palästinenser berichteten, Soldaten hätten von einem Wachposten aus Schüsse militanter Palästinenser erwidert. Die israelische Armee untersuchte den Vorfall.

Als Reaktion feuerte die radikal-islamische Hamas mehrere Granaten auf die nahe gelegene jüdische Siedlung Newe Dekalim. Augenzeugen zufolge wurde ein Wohnhaus beschädigt. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor. Die Friedensbemühungen des neuen Palästinenser-Präsidenten Mahmud Abbas hatten zuletzt faktisch zu einer Waffenruhe zwischen Israel und den radikalen Palästinenser-Gruppen geführt.

Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei verurteilte den Vorfall in Rafah als Verbrechen und rief zu einem Ende der Gewalt auf. Der Friedensprozess dürfe nicht zum Erliegen kommen, sagte Korei. „Das ist eine schlimme Nachricht und ich appelliere an die ganze Welt, diesen Prozess am Leben zu erhalten.“ Ein Hamas-Sprecher kündigte an, der Widerstand werde so lange weitergehen wie Israel Palästinenser angreife.

„UNRWA hat wiederholt gegen wahllose Schüsse des israelischen Militärs in Wohnviertel in den besetzten palästinensischen Gebieten protestiert“, teilte die UN-Organisation mit. UN-Chef Peter Hansen sprach von einem unverantwortlichen Einsatz von Waffen, zu dem es trotz der Zeichen für Verbesserungen der Lage gekommen sei.

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