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07.12.2016

16:31 Uhr

Abgabe für Internet-Videos

Frankreich führt die Youtube-Steuer ein

VonThomas Hanke

Frankreich knöpft sich sich die großen Internet-Firmen vor – mit einer neuen Abgabe. Die Steuer soll auf Werbeerlöse von Internetvideos anfallen. Porno-Anbieter sollen geschröpft werden, aber auch einige US-Riesen.

Werbeerlöse von Intervideos will die französische Nationalversammlung nun besteuern. AFP; Files; Francois Guillot

Neues Gesetz in Frankreich

Werbeerlöse von Intervideos will die französische Nationalversammlung nun besteuern.

ParisDie Steuervermeidung der großen Konzerne, vor allem der amerikanischen Internet-Unternehmen, stört Frankreichs Abgeordnete schon lange. Bereits unter Nicolas Sarkozy überlegten sie, wie man an die Milliardenumsätze von Google, Apple, Facebook und Co. herankommen könnte. Denn die Einnahmen, die unter anderem in Frankreich erzielt werden, werden in anderen Länder versteuert. Damit soll nun Schluss sein – zumindest in einem Teilbereich. In der Nacht zum Mittwoch haben sie eine neue Steuer beschlossen.

Die Abgabe setzt an den Werbeeinnahmen der großen Videoplattformen im Internet an. Die Anbieter pornographischer Inhalte sollen besonders kräftig zur Kasse gebeten werden, auch wenn die Inhalte gratis angeboten werden. Die Abgabe soll die französische Kinoindustrie stützen und den steuervermeidenden amerikanischen Internet-Unternehmen eins auswischen.

Auf die Werbeerlöse großer Plattformen wie iTunes oder Youtube soll künftig eine Abgabe von zwei Prozent erhoben werden. Der Satz steigt allerdings auf zehn Prozent, wenn es um pornografische Videos geht oder solche, die gewaltverherrlichend sind: „Alles, was in Frankreich als 'X' eingestuft ist“, sagt ein Experte der Nationalversammlung. Eine europäische Richtlinie bilde die allgemeine Grundlage für die Abgabe.

Wer an YouTube verdient

Google

Der Internetkonzern kaufte Youtube im Oktober 2006, gerade einmal 19 Monate nach der Gründung der Videoseite. Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für Youtube. Das war damals der teuerste Zukauf in der Firmengeschichte, der sich aber rentiert haben dürfte.

Google (2)

Wie viel Google mit Youtube verdient, gibt das Unternehmen allerdings nicht gesondert an. Die Marktforschungsfirma eMarketer schätzt, dass Youtube 2015 etwa 1,13 Milliarden Dollar Umsatz mit Werbung gemacht hat.

Youtube-Stars

Youtube ist eine der meist genutzten Webseiten unter Jugendlichen, beliebte Videomacher können dort hunderttausende Fans sammeln. Wer so eine große Gefolgschaft hat, kann mit Werbung in den eigenen Videos und Zusammenarbeit mit Unternehmen Geld verdienen.

Youtube-Stars (2)

Besonders bekannte Youtuber wagen den Sprung in andere Bereiche: Die deutschen Slimani-Geschwister haben ein Buch und eine Modereihe herausgebracht, auch andere Youtuber sind mit Büchern auf dem Markt.

Vermarktungs-Netzwerke

Die Netzwerke sind sozusagen die Plattenfirmen der Youtube-Welt. Sie fördern Talente und sorgen für die Vermarktung von Anzeigen. Dafür verdienen sie an den Werbeeinnahmen mit.

Netzwerke (2)

Allerdings knirscht es hier: Mehrere bekannte Youtuber verließen jüngst das große deutsche Netzwerk Mediakraft. Sie beklagten Kommerzialisierung und mangelnde Unterstützung. Kurz danach ging auch Mediakraft-Mitgründer Christoph Krachten.

Unternehmen

Längst haben Firmen entdeckt, dass sie über Youtube ihre Produkte vermarkten können. Denn hier gucken Menschen freiwillig Werbung. Viele Firmen versuchen, witzige oder unterhaltsame Videos zu drehen, die die Nutzer von selbst weiterverbreiten. Außerdem geben sie Geld für Werbeeinblendungen vor und während Videos aus.

Unternehmen (2)

Ein Hindernis bei der Werbevermarktung ist, dass Youtube-Videos oft ausgefallen sind und die Qualität sehr unterschiedlich ist. Youtube hat daher ein Auswahl-Programm entwickelt. Damit können Werbekunden festlegen, dass ihre Videoanzeigen nur bei den beliebtesten Videos in bestimmten Kategorien auftauchen.

Das Gesetz zielt direkt auf die großen Firmen. Steuerpflichtig sei nicht der einzelne Youtube-Blogger, auch wenn er mit Werbung hohe Einkünfte erziele. „Zahlen muss der Operateur, der die Inhalte zur Verfügung stellt“, sagt ein Mitarbeiter der Nationalversammlung.

Noch waren die politischen Berater aber nicht in der Lage, den erwarteten Ertrag der Steuer zu beziffern oder zu sagen, wie viele Unternehmen steuerpflichtig werden. Die Einnahmenschätzung scheitert daran, dass die großen Plattformen ihre Werbeeinnahmen in einzelnen Ländern geheim halten. Bei Youtube sollen es sieben bis acht Milliarden Dollar sein – weltweit. Welcher Teil aus Frankreich stammt ist bislang nicht bekannt.

Das französische Finanzministerium hatte sich hartnäckig gegen die parlamentarische Initiative gewehrt. Eine solche Steuer sei nicht handhabbar und werde lediglich einen minimalen Ertrag bringen, der bestenfalls ein paar Millionen Euro ausmache, kritisiert der für den Haushalt zuständige Staatssekretär Christian Eckert. „Auf diese Weise kann man nicht gegen die Steueroptimierung der Internet-Giganten kämpfen“, moniert der Sozialist Eckert.

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Sozialistische Abgeordnete haben die Steuer aber als Ergänzung des Nachtragshaushalts, der gerade in der parlamentarischen Beratung ist, ins Gesetz eingefügt. Sie hatten schon im Oktober einen ersten Anlauf gestartet, der aber angesichts des Widerstands der Regierung keine Mehrheit fand und scheiterte. Diesmal waren die Parlamentarier erfolgreich.

Gegenüber der Tageszeitung „Le Figaro“ begründete der sozialistische Abgeordnete Pierre-Alain Muet, das die Erträge von Bezahlvideos und Videos-on-Demand bereits besteuert werde, da sei es unsinnig, Gratis-Videos nicht zu besteuern. Bei der Abstimmung votierten auch Parlamentarier der Konservativen dafür. Bevor die Steuer rechtskräftig wird, muss sie noch durch den Senat. Sollte der sie ablehnen, kann die Nationalversammlung sie wieder aufnehmen. Vertreter der französischen Internet-Wirtschaft kritisieren, dass eine solche Steuer lediglich dem Digital-Standort Frankreich schade.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

07.12.2016, 17:39 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
Danke

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