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20.03.2014

17:00 Uhr

Abhöraktionen

Frankreichs Geheimdienste quetschen Orange aus

VonThomas Hanke

Ex-Präsident Sarkozy ist eines der prominentesten Abhöropfer in Frankreich. Dort fischen die Sicherheitsbehörden flächendeckend wie in einem Treibnetz nach Informationen – mit Hilfe des Ex-Monopolisten France Télécom.

Die Sicherheitsabteilung des Telekommunikationsfirma Orange arbeitet eng mit dem größten französischen Spionagedienst DGSE zusammen. AFP

Die Sicherheitsabteilung des Telekommunikationsfirma Orange arbeitet eng mit dem größten französischen Spionagedienst DGSE zusammen.

ParisFrankreichs Ex-Monopolist France Télécom wird seit Jahren von den französischen Geheimdiensten genutzt, um den Telefon-, Mail- und Internetverkehr zu überwachen. Wie die Tageszeitung Le Monde in ihrer Ausgabe vom Freitag berichtet, arbeitet die Sicherheitsabteilung des in Orange umbenannten Unternehmens eng mit dem größten französischen Spionagedienst DGSE zusammen: die einzige Orange, die sich selber auspresst.

Die Enthüllungen der Tageszeitung werfen ein neues Licht auf die Abhörpraktiken in unserem Nachbarland. Die Sicherheitsbehörden gingen weniger gezielt vor, als dass sie „wie mit dem Treibnetz“ nach Informationen fischten, sagt ein Kenner der Materie dem Handelsblatt. Innerhalb weniger Jahre habe sich die Zahl der von Richtern genehmigten Abhöraktionen vervielfacht: „Es gibt einen Anstieg von rund 30.000 auf über 130.000 Fälle jährlich“. Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass mehrere Mobiltelefone von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy über Monate hin abgehört wurden.

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Ist Frankreichs Ex-Präsident ein rücksichtsloser Gauner oder Opfer einer ruchlosen Justiz? Hat sich Sarkozy vom libyschen Diktator Gaddafi den Wahlkampf finanzieren lassen? In Paris gibt es kunterbunte Komplott-Theorien.

Eigentlich darf die Polizei im Auftrag der Richter nur auf einen konkreten Verdachtsfall hin ermitteln. Doch offenbar tauschen die Richter sich aus. Kommt im Rahmen einer Lauschaktion eine Information hoch, die einem Kollegen in einer anderen Ermittlung nützlich sein könnte, werde flugs eine weitere Lauschaktion genehmigt, heißt es in Paris.

Kurioserweise spielt in den französischen Medien die Sorge über die wuchernden Abhörpraktiken eine geringere Rolle als die manchmal an Voyeurismus grenzenden Berichte über das, was Sarkozy angeblich gesagt haben soll. Quellen im Justizapparat versorgen Medien wie das Web-Magazin Médipart bereitwillig mit Protokollen, aus denen dann munter zitiert wird, als spiele der Schutz der Privatsphäre überhaupt keine Rolle mehr.

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