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04.07.2014

14:06 Uhr

Abhörskandal

18-Monate Haft für Cameron-Vertrauten

Andy Coulsen, der Chefredakteur von „News of the World“ und enger Vertrauter des Regierungschefs David Cameron, wird zu 18 Monaten Gefängnis verteilt. Grund dafür war der Abhörskandal im Sommer 2011.

David Camerons früherer Regierungssprecher Andy Coulson ist zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. dpa

David Camerons früherer Regierungssprecher Andy Coulson ist zu 18 Monaten Haft verurteilt worden.

LondonIm Prozess um die Abhörpraktiken des eingestellten britischen Boulevardblatts „News of the World“ ist der frühere Chefredakteur Andy Coulson zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Coulson sei „der Hauptverantwortliche für den Skandal“, begründete das zuständige Gericht am Freitag in London das Strafmaß. Der Prozess schlug auch politisch hohe Wellen, da Coulson ein enger Vertrauter von Regierungschef David Cameron war.

„Herr Coulson muss die Hauptverantwortung für die Vorwürfe des Telefon-Hacking bei der News of the World übernehmen“, sagte der vorsitzende Richter John Saunders. „Er wusste davon und ermutigte es, als er es hätte stoppen sollen.“ Im Laufe des Verfahrens war ans Licht gekommen, dass die „News of the World“ über Jahre die Mobiltelefone von Politikern, Prominenten, Mitgliedern des Königshofes und selbst eines ermordeten Schulmädchens abgehört hatte.

Neben Coulson wurden am Freitag in dem Verfahren zwei frühere Journalisten der Zeitung, Greg Miskiw und Newill Thurlbeck, zu jeweils sechs Monaten Haft verurteilt. Vier Monate auf Bewährung gab es für ihren früheren Kollegen James Weatherup und sechs Monate Bewährung für den Privatdetektiv Glenn Mulcaire. Dieser war bereits 2007 wegen dem illegalen Abhören von Telefonen zu sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Der Abhörskandal schlug in Großbritannien so hohe Wellen, dass der Medienmogul Rupert Murdoch gezwungen wurde, die „News of the World“ im Sommer 2011 einzustellen. Coulson seinerseits musste vom Posten als Kommunikationschef Camerons zurücktreten, den er nach seinem Ausscheiden als Chefredakteur übernommen hatte. Die Nähe zur Regierung gab der Affäre besondere politische Brisanz und brachte auch Cameron scharfe Kritik ein.

In der vergangenen Woche war Cameron in einem peinlichen Schritt gezwungen, sich dafür zu entschuldigen, Coulson als Kommunikationschef eingestellt zu haben, ohne zuvor seine Tätigkeit als Chefredakteur überprüft zu haben. Anschließend wurde er vom Richter jedoch dafür gerügt, sich vor dem Ende des Prozesses öffentlich geäußert zu haben. Am Freitag erklärte Cameron nun lediglich: „Niemand steht über dem Gesetz, wie ich immer gesagt habe.“

Während des Prozesses hatte Coulson Anwälten seiner Zeitung vorgeworfen, ihn nicht informiert zu haben, dass das Abhören von Telefonen verboten sei. Niemand bei der „News of the World“ oder anderen Zeitungen hätten zwischen 2000 und 2006 realisiert, dass das Abhören von Anrufbeantwortern illegal sei, sagte Coulsons Verteidiger Timothy Langdale. Bei dem Prozess wurde Coulsons zeitweilige Geliebte und Vorgängerin auf dem Chefredakteursposten, Rebekah Brooks, ebenso wie ihr Ehemann und drei weitere Angeklagte von allen Vorwürfen freigesprochen. Auch Brooks gilt als gute Bekannte von Cameron.

Unter den Abhöropfern waren neben Politikern auch Mitglieder des Hofs und andere Prominente. Für Empörung sorgte vor allem, dass auch Angehörige getöteter Soldaten und Verbrechensopfer abgehört wurden. Unter diesen war auch eine vermisste britische Schülerin, die im Jahr 2002 schließlich ermordet aufgefunden wurde. Der Skandal führte zur Einsetzung einer Kommission zur Reform der für ihre rücksichtslosen Recherchemethoden bekannte Boulevardpresse.

Von

afp

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