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18.07.2011

03:20 Uhr

Abhörskandal

Londons oberster Polizist tritt zurück

VonKatharina Slodczyk, dpa

Der Abhörskandal um Murdochs Medienimperium erschüttert die britische Politik und Polizei. Nun hat Scotland-Yard-Chef Stephenson seinen Rücktritt angekündigt. Er stand zuletzt unter Korruptionsverdacht.

Der oberste Polizist Londons,  Sir Paul Stephenson, tritt nach Korruptionsvorwürfen zurück. Quelle: dpa

Der oberste Polizist Londons, Sir Paul Stephenson, tritt nach Korruptionsvorwürfen zurück.

LondonPaul Stephenson, Chef der Londoner Polizei, ist am Sonntag Abend wegen des Abhörskandals um die britische Boulevardzeitung „News of the World“ zurückgetreten. Er habe das Ausmaß der Affäre nicht gekannt, ließ Stephenson mitteilen. Und weiter: Er wolle nicht, dass Kritik an seiner Person die Bemühungen beinträchtige, für die Sicherheit bei den Olympischen Spielen im Sommer nächsten Jahres zu sorgen.

Stephenson habe sich Teile eines Kuraufenthaltes im Wert von 12 000 Pfund (13 700 Euro) von einem Spa-Betreiber bezahlen lassen, berichtete das Murdoch-Blatt „Sunday Times“ am Sonntag unter Berufung auf ein Statement der Polizei. PR-Chef des Spa-Betreibers war ausgerechnet Wallis, einstiger stellvertretender Chefredakteur der inzwischen eingestellten Sonntagszeitung „News of the World“. Er war auch als PR-Berater für Stephenson aktiv.

Wallis war am vergangenen Donnerstag festgenommen worden. Bereits in den vergangenen Tagen war ans Licht gekommen, dass Polizeibeamte Geld genommen und dafür Informationen an Journalisten weitergegeben haben. Ranghohe Redakteure der „News of the World“ sollen verwickelt sein, darunter der ehemalige Chefredakteur Andy Coulson.

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Am Sonntag wurde ebenfalls die ehemalige Chefredakteurin der Zeitung Rebekah Brooks verhaftet, jedoch am frühen Montagmorgen auf Kaution freigelassen. Sie war zuletzt eine der Top-Managerinnen bei dem „News of the World“-Mutterkonzerns News Corp. Sie galt zudem als Ziehkind von Konzernchef Rupert Murdoch. Dies war die zehnte Verhaftung in der Affäre um illegale Rechechepraktiken bei „News of the World“.

Oppositionschef Ed Miliband forderte in einem Interview mit dem „Observer“ am Sonntag, die Gesetze zur Medienkonzentration müssten verschärft werden. Murdochs Marktmacht sei „gefährlich“, sagte der Labour-Politiker. „Er hat zu viel Macht über das öffentliche Leben in Großbritannien.“ News International kontrollierte bisher 37 Prozent des britischen Zeitungsmarktes. Murdoch gehören zusätzlich 39 Prozent am Fernseh- und Telekommunikationskonzern BSkyB.

Murdoch bat in den Wochenendausgaben aller landesweit erscheinenden Zeitungen in Großbritannien öffentlich um Entschuldigung. „We are Sorry“ lautet die Überschrift der ganzseitigen Inserate. Der Text trägt die Unterschrift des 80 Jahre alten Medienzaren. „Das Geschäft der „News of the World“ war es, andere zur Verantwortung zu ziehen. Sie versagte, als es um sie selbst ging“, heißt es in dem Text. Und Murdoch fügt hinzu: „Es ist mir klar, dass es nicht genug ist, sich einfach zu entschuldigen.“

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Kommentare (1)

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Moika

17.07.2011, 23:47 Uhr

Da haben es Murdoch's Medien mit der Lobby-Arbeit wohl leicht übertrieben. Die Ausmaße, die dieser Skandal mittlerweile angenommen hat und dessen Ende vermutlich noch nicht abzusehen ist, lassen mich nur noch staunen.

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