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27.07.2016

17:29 Uhr

Abkommen mit der EU

Jordanien öffnet Arbeitsmarkt für syrische Flüchtlinge

Jahrelang lebten sie in ständiger Sorge vor einer Festnahme. Nun haben mehr als 20.000 syrische Flüchtlinge in Jordanien eine Arbeitserlaubnis bekommen. Dafür fürchten nun aber andere Gastarbeiter um ihre Jobs.

Syrische Flüchtlinge dürfen neuerdings in Jordanien arbeiten. „Vorher war es für uns hier wie im Gefängnis“, sagt ein Syrer. „Jetzt können wir hierher kommen und arbeiten, so wie wir das wollen.“ Reuters

Flüchtlingslager in Jordanien

Syrische Flüchtlinge dürfen neuerdings in Jordanien arbeiten. „Vorher war es für uns hier wie im Gefängnis“, sagt ein Syrer. „Jetzt können wir hierher kommen und arbeiten, so wie wir das wollen.“

Bis vor kurzem ließ Fawas al-Dschassem sein Werkzeug fallen und suchte das Weite, wenn sich ein Polizist näherte. Seit drei Jahren arbeitet der syrische Flüchtling als Obstpflücker im Norden von Jordanien. Vor einer Festnahme muss er nun keine Angst mehr haben.

Der 34-Jährige ist einer von rund 23.000 Syrern, die seit Jahresbeginn eine Arbeitserlaubnis in Jordanien bekommen haben. „Vorher war es für uns hier wie im Gefängnis“, sagt er, während er auf einem Tomatenfeld Unkraut ausreißt. „Jetzt können wir hierher kommen und arbeiten, so wie wir das wollen.“

Insgesamt hat Jordanien der internationalen Gemeinschaft zugesagt, seinen Arbeitsmarkt in diesem Jahr für 50.000 syrische Flüchtlinge zu öffnen und Bildungsmöglichkeiten für sie zu schaffen. Im Gegenzug erhält das Land einem Abkommen vom Februar zufolge günstige Kredite und einen leichteren Zugang zu den europäischen Märkten. Die Chance zur legalen Beschäftigung soll vertriebenen Syrern eine langfristige Perspektive in der Region bieten und sie davon abhalten, wie hunderttausende Landsleute vor ihnen die Flucht nach Europa anzutreten. Seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 flüchteten fast fünf Millionen aus ihrer Heimat, die meisten von ihnen ins benachbarte Jordanien, in den Libanon oder in die Türkei.

Jordanien habe bei der Öffnung des Arbeitsmarktes für Syrer deutliche Fortschritte gemacht, stellte kürzlich der EU-Botschafter in dem Königreich, Andrea Matteo Fontana, fest. Doch andere ausländische Arbeiter im Land lehnen das als „Jordan Compact“ bezeichnete Abkommen mit den Geberstaaten ab: Sie befürchten, selbst aus dem immer engeren Jobmarkt verdrängt zu werden. In Jordanien sind Schätzungen zufolge etwa eine Million Gastarbeiter beschäftigt, die meisten von ihnen auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder im Putzgewerbe.

Als ersten Schritt hatte Jordanien den Zuzug von ausländischen Arbeitern gestoppt und angefangen, die bis dahin illegalen Beschäftigungsverhältnisse von Syrern umzuwandeln, wie Planungsminister Imad Fachuri erklärt. „Wir werden die Flüchtlinge aufnehmen und sie als überschüssige Arbeitsreserve betrachten“, erklärte er.

Mehr als 650.000 Flüchtlinge fanden in Jordanien Zuflucht. Etwa 80 Prozent von ihnen leben nicht in Flüchtlingslagern, sondern in Gemeinden. Das belastet die Ressourcen die Kommunen, etwa bei der Gesundheitsversorgung, in den Schulen und auf dem Wohnungsmarkt.

Um Investitionen im Königreich anzukurbeln und dort Jobs für syrische Flüchtlinge zu schaffen, erleichterte Brüssel nun den Zugang für Jordanien zum EU-Binnenmarkt. Damit dürfen nun mehr jordanische Produkte zollfrei in Europa verkauft werden. Voraussetzung ist, dass die Hersteller einen bestimmten Prozentsatz an Syrern beschäftigen. Unter anderem zur Finanzierung arbeitsintensiver Projekte erhält das Land zudem internationale Kredite zu günstigen Konditionen.

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