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17.09.2014

16:18 Uhr

„Abscheuliches Verbrechen“

Islam-Führer Saudi-Arabiens verurteilen Terrorismus

Die geistliche Führung Saudi-Arabiens hat in einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung Terrorismus als „abscheuliches Verbrechen“ verurteilt. Wer Terror rechtfertige, handle rechtswidrig und „im Auftrag des Satans“.

Muslimische Pilger auf dem Berg Arafat. dpa

Muslimische Pilger auf dem Berg Arafat.

RiadDie geistliche Führung Saudi-Arabiens hat Terrorismus als „abscheuliches Verbrechen“ verurteilt. An den Tätern sollte ein Exempel statuiert werden, forderte der Rat der Gelehrten am Mittwoch in einer von den Staatsmedien verbreiteten Erklärung. Die Strafe solle als Abschreckung dienen. In dem Königreich wird für schwere Verbrechen die Todesstrafe verhängt, meist durch öffentliche Enthauptung. Die Erklärung ist der bislang umfassendste Angriff der konservativen Geistlichen auf die islamistische Radikalisierung und Kämpfer des Islamischen Staats (IS).

Mitstreiter und Gegner der USA im Kampf gegen den Terror

Iran

Iran: Teheran ist sowohl Gegner als auch Mitstreiter der USA. Einerseits kann der Iran eine Militäroperation des Erzfeindes in der eigenen Nachbarschaft nicht einfach absegnen. Andererseits handelt es sich beim IS um einen gemeinsamen Feind.

Ägypten

Auch Ägypten nahm an der Anti-Terror-Konferenz in Dschidda teil. Der Kampf gegen den IS könnte Kairos Beziehungen zum Westen verbessern, die unter dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi durch das Militär vor mehr als einem Jahr gelitten haben.

Katar

Katar könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Finanzquellen der Extremisten auszutrocknen. Kritiker werfen dem Land vor, Radikale dürften dort unbehelligt Geld für Dschihadisten sammeln. Die Regierung weist das zurück.

Jordanien

Auch Jordanien hat den IS vor der Haustür. Anhänger der Miliz kontrollieren Teile Iraks und Syriens, die unmittelbar an das Königreich grenzen. Auch der einzige Grenzübergang zwischen Irak und Jordanien ist in IS-Händen. Jordanien hat daher eine Taskforce gegen IS-Angriffe gegründet. In der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition könnte das Land zum Operationszentrum werden.

Saudi-Arabien

Das Königreich ist einer der wichtigsten US-Partner. Am Donnerstag trafen sich mehrere Länder in der Hafenstadt Dschidda, um über den Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Weil der IS auch an der Grenze zwischen dem Irak und Saudi-Arabien steht, fühlt sich Riad massiv bedroht.

Irak

Kerry reiste zum Auftakt seiner Tour nach Bagdad. Der Irak wird die Hauptlast im Kampf gegen den IS tragen müssen, weil vor allem die Soldaten der Regierung und kurdische Einheiten am Boden gegen die Extremisten kämpfen müssen. Zugleich muss es der neuen Regierung von Ministerpräsident Haidar al-Abadi gelingen, die Sunniten im Land auf ihre Seite zu ziehen - nur so würde der IS seine starke Unterstützung in den sunnitischen Teilen des Landes verlieren.

Türkei

Westliche Länder haben der Türkei vorgeworfen, Extremisten dürften die Grenze zu Syrien ungehindert passieren. Zuletzt attestierte das Pentagon der Regierung jedoch, sie gehe stärker gegen Dschihadisten vor. Dennoch unterstützt Ankara die USA nicht mit voller Kraft. Den Luftwaffenstützpunkt Incirlik will sie nur für humanitäre Hilfsflüge freigeben. Ankara ist in einer schwierigen Lage, weil der IS im Nordirak 49 türkische Diplomaten festhält.

Nato

Zehn Staaten zählen bislang zum Anti-Terrorbündnis der USA, darunter die Nato-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Dänemark, Kanada und die Türkei. Auch Australien hat sich der Koalition angeschlossen. Deutschland will Waffen an die Kurden im Nordirak liefern, London hat das bereits getan. Frankreich hat mittlerweile Bombardements gestartet.

Der Rat verbot explizit die Finanzierung von militanten Aktionen oder die Ermutigung junger Menschen zu solchen Taten. Wer Fatwas (Rechtssprüche) oder andere Erklärungen verbreite, die Terrorismus rechtfertigten, handele rechtswidrig und „im Auftrag des Satans“.

Der oberste Geistliche des Königreichs hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Kämpfer der Extremistenmiliz IS sowie von Al-Kaida als die größten Feinde des Islam bezeichnet. In vielen europäischen und arabischen Ländern wächst mittlerweile der Widerstand von muslimischen Geistlichen gegen extremistische Gruppierungen.

Von

rtr

Kommentare (4)

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G. Nampf

17.09.2014, 16:38 Uhr

Der Wolf frißt Kreide und gibt sich als harmlos aus.

Denn es ist der konservative Islam in Saudi-Arabien (Wahabismus), der dem Terrorismus intelektuell den Boden bereitet. Finanziert wird der Terror mit Öl-Milionen aus Saudi-Arabien und Katar. Und der Durchschnitts-Deutsche tritt weiterhin aufs Gaspedal...

Herr Karl Martell

17.09.2014, 17:41 Uhr

So ganz mag ich das nicht glauben, richten sich die Grausamkeiten von IS doch streng an die Vorgaben Mohammeds aus.
Da muss man eher annehmen, wer das nicht glaubt (befolgt) ist kein Mohammedaner mehr. Auch ein Grund, weshalb diese zwar für Palästina wie eine Eins tausendfach auf die Strasse gingen, beim IS eher zurückhaltend, wenn nicht sogar zustimmend...

Account gelöscht!

17.09.2014, 19:45 Uhr

Es läßt sich leicht distanzieren, wenn hinterm Rücken Private und Freunde weiterhin Extremisten belohnen.
Es rächt sich der geistig anspruchslose Glaube an denen, die ihm anhängen, aber seine dunkle Seite nicht zu akzeptieren bereit sind - auf die eine oder andere Weise.
An all den Widersprüchen scheiterte schon der Kommunismus - auch der zu schlichte Glaube wird es.

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