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28.02.2013

17:11 Uhr

Abschied vom Papst

Die Übergangsregierung des Vatikan

Papst Benedikt hat sich mit dem Hubschrauber in Richtung Residenz Castel Gandolfo aufmacht, nun ist die Kirche ohne Pontifex. Bis ein neues Kirchenoberhaupt gewählt ist, regiert der Camerlengo.

Papst Benedikt XVI. ist zurückgetreten. Von nun an nennt er sich " Emeritierter Papst". dpa

Papst Benedikt XVI. ist zurückgetreten. Von nun an nennt er sich "Emeritierter Papst".

RomMitten in der Fastenzeit durchlebt die gesamte katholische Weltkirche in diesem Jahr eine Entbehrung der besonderen Art. Nachdem Papst Benedikt XVI. sich heute noch von seinen Kardinälen verabschiedete, leitet sein Rücktritt um 20 Uhr die sogenannte Sedisvakanz, die Zeit ohne Papst, ein. In dieser Zeit gelten im Vatikan besondere Regeln.

Mit dem Beginn der Sedisvakanz scheiden fast alle Leiter der vatikanischen Behörden aus ihren Ämtern, auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der zweite Mann im Kirchenstaat nach dem Papst. Im Amt bleibt aber der Camerlengo, der über die Finanzen der Kirche wacht – derzeit ebenfalls der Italiener Bertone.

Erwartungen an den neuen Papst

Karl Lehmann

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann erwartet vom neuen Papst „eine nüchterne, aber begeisternde Vision vom Weg der Kirche in die Zukunft“. Er rechnete jedoch nicht mit einer schnellen Nachfolgeentscheidung im Konklave. „Ich bin kein Hellseher, aber so rasch wie 2005 wird es vielleicht doch nicht gehen“, sagte Lehmann der „Allgemeinen Zeitung“ (Mainz). Die Herkunft des künftigen Papstes war für den Mainzer Kardinal, der selbst am Konklave teilnahm, nicht vorrangig.

Robert Zollitsch

„Wir brauchen einen Papst, der die Kirche in die Zukunft führt. Der nach vorne schaut und der die Gottesfrage klar stellt“, sagte Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, im Interview des Fernsehsenders Phoenix. „Und der zugleich organisatorisch dafür sorgt, dass die Kurie wirklich der Apparat ist, der ihn in seinem Dienst voll und ganz unterstützt.“

Philippe Barbarin

Kardinal Philippe Barbarin, der Erzbischof von Lyon und Mitglied des Kardinalskollegiums sagte dem Fernsehsender Euronews: „Ich hoffe, dass sein Nachfolger ein Heiliger ist und dann, dass er intelligent ist. Er sollte beständig sein, denn er ist der Nachfolger Petri, um den das ganze Gebäude errichtet wurde. Das Bauwerk muss stehen und deshalb ist es besser einen Stein zu haben, der solide ist.”

David Berger

David Berger, katholischer Theologe Autor des romkritischen Buches „Der Heilige Schein“ sagte der Wochenzeitung „Die Zeit“: „Mit Benedikts Rücktritt geht ein Pontifikat von Pleiten, Pech und Pannen zu Ende. Er hinterlässt eine Kirche voll gigantischer Probleme, die er deutlich verschärft hat. In den letzten Jahren entwickelte sich die ehemalige Volkskirche zu einer Art fundamentalistischer Großsekte. Dem wird sich der Mann nach Benedikt entschieden entgegenstemmen müssen. An die Stelle einer konfrontativen Sicht auf Kirche und Gesellschaft, Glaube und Wissenschaft, Tradition und Moderne sollte der mutige Dialog treten. Wenn der neue Papst das wagt, wird er gegen vehementeste Widerstände der Traditionalisten zu kämpfen haben, die unter Benedikt zum Machtfaktor geworden sind.“

Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. hat sich an seinem letzten Arbeitstag von allen in Rom anwesenden Kardinälen verabschiedet und seinem Nachfolger „Gehorsam“ versprochen. „Unter Euch ist auch der kommende Papst, dem ich meine bedingungslose Hochachtung und meinen Gehorsam verspreche“, sagte das scheidende Kirchenoberhaupt am Donnerstag bei dem Abschiedstreffen mit den Purpurträgern. Seinem Nachfolger will er geheime „Vatileaks“-Informationen persönlich übergeben, über deren Inhalt in den vergangenen Tagen viel spekuliert wurde. Um Erpressung, Sex- und Machtgier im Gottesstaat gehe es laut der italienische Zeitung „La Repubblica“ in dem Dossier. Benedikt will es dem neuen Papst anvertrauen, in der Hoffnung, dass dieser „stark, jung und heilig“ genug sei, um dann die notwendigen Schritte zu unternehmen.

Der Camerlengo ist ein wichtiges Amt im Vatikan. Bisher endete ein Pontifikat normalerweise mit dem Tod des Papstes, den der Camerlengo offiziell feststellen muss. Dann nimmt er dem Verstorbenen den Fischerring ab, das Symbol der päpstlichen Macht. Den Ring zerschlägt er bei der folgenden Vollversammlung der Kardinäle mit dem Bleisiegel des Pontifikats vor den Augen der Anwesenden. Benedikts Fischerring soll hingegen nicht zerschlagen, sondern lediglich gebrochen werden, das Siegel wird ungültig gemacht.

Das Amt des Camerlengo war im 15. Jahrhundert geschaffen worden. 1996 regelte Papst Johannes Paul II. Papstwahl und Sedisvakanz in einer Apostolischen Konstitution. Seit 2007 ist der 78-jährige Bertone im Amt. Der ehemalige Erzbischof von Vercelli und Genua war als Sekretär der Glaubenskongregation bereits unter Präfekt Joseph Ratzinger dessen engster Mitarbeiter. 2006 machte ihn Papst Benedikt XVI. zum Kardinalstaatssekretär und damit zu seiner rechten Hand. Bertone gilt auch als einer der möglichen Nachfolger Benedikts.

Der Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. dpa

Der Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.

Als Camerlengo übernimmt er auch die Leitung des Vatikans während der Übergangszeit. Er steht der Apostolischen Kammer vor, die während einer Sedisvakanz zwischen dem Ende eines Pontifikats und der Ausrufung eines neuen Papstes die Güter des Vatikans verwaltet. Drei Kardinäle unterstützen ihn dabei. Sie setzen fest, wann erstmals das gesamte Kardinalskollegium zur Generalkongregation zusammentritt, um die Papstwahl vorzubereiten. Auch einfachen Katholiken in aller Welt kommt während der Sedisvakanz eine Aufgabe zu. Sie sind angehalten, für eine rasche, einmütige und segensreiche Wahl des neuen Papsts zu beten.

Kommentare (3)

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28.02.2013, 19:10 Uhr

Funktioniert hier die Kontrolle die HB nicht? Was sollen diese Ergüsse? Unglaublich!

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28.02.2013, 21:44 Uhr

Benedikt XVI hat eine neue Epoche eingeläutet. Johannes Paul war die Brücke vom alten Papsttum zum Neuen. Er war wohl der erste Reisepapst der solbst in die Welt zog, um die Frohe Botschaft zu verkünden. Benedikt XVI hat dies fortgesetzt und er hat wieder erneuert. Der erste Pontifex, der aus Altersgründen vom Amt zurück tritt.
Früher, als die Päpste in Rom saßen, den Vatican kam verließen, war auch ein gebrechlicher Pontifex tragbar. Aber jetzt, wo der Pontifx in die Welt hinaus fährt, ist das eine andere Sache.
Es war ein mutiger Schritt und am Ende des Tages wohl auch eine gute Entscheidung. Aber trotzdem werde ich Ihn vermissen. Es war ein kurzes aber gutes Pontifikat. Er hat die Traditionalistne der Kirche nicht vergessen und er hat die Kirche erneuert - und weil ihm die Kraft fehlte, die Erneuewrung voran zu treiben, ist er zurück getreten.

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01.03.2013, 01:50 Uhr

@ Werner,

Benehmen und gute Erziehung sind Glücksache oder. ........ und Glück hat bekanntlich nicht jeder Mensch.

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