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18.06.2017

14:17 Uhr

Abschied von Helmut Kohl

Juncker plant in Straßburg europäischen Staatsakt für Kohl

EU-Kommissionspräsident Juncker will Helmut Kohl durch den ersten europäischen Staatsakt überhaupt ehren. Danach soll Kohls Leichnam mit dem Schiff über den Rhein nach Speyer gebracht werden.

Der EU-Kommissionspräsident will Altkanzler Kohl eine besondere Ehre erweisen. AFP

Jean-Claude Juncker

Der EU-Kommissionspräsident will Altkanzler Kohl eine besondere Ehre erweisen.

BerlinDie Pläne für einen gebührenden Abschied von Altkanzler Helmut Kohl nehmen allmählich Gestalt an. Kohl soll nach dem Willen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als erster Politiker überhaupt mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. Dieser ist nach Angaben der „Bild am Sonntag“ in Straßburg vorgesehen.

„Schon zu Lebzeiten wurde Helmut Kohl mit der Ehrenbürgerschaft Europas ausgezeichnet, um seine außerordentlichen Verdienste zu würdigen“, sagte Juncker der Zeitung. „Deshalb gebührt Helmut Kohl nun auch ein europäischer Staatsakt, für den ich mich persönlich einsetzen werde.“ Es wäre das erste Mal, dass ein europäischer Staatsakt ausgerichtet wird. Der langjährige Bundeskanzler und Wegbereiter der Wiedervereinigung war am Freitagmorgen im Alter von 87 Jahren in seiner Heimatstadt Luwdwigshafen gestorben.

Nach dem Staatsakt solle Kohls Leichnam mit dem Schiff über den Rhein in seine rheinland-pfälzische Heimat nach Speyer gebracht werden, wo eine öffentlich zugängliche Totenmesse im Dom geplant sei, berichtet die „Bild am Sonntag“ weiter. Danach werde der engste Familien- und Freundeskreis in der Traukapelle im Adenauerpark in Speyer Abschied von Kohl nehmen. Ein genaues Datum hierfür wurde jedoch nicht genannt. Bis zum geplanten Staatsakt soll Kohl in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim aufgebahrt bleiben.

Entscheidungen seien noch nicht gefallen, hieß es am Samstag aus der Mainzer Staatskanzlei und dem Bundespräsidialamt in Berlin. Selbstverständlich wäre das Land sehr geehrt, wenn ein solcher Staatsakt in Kohls Heimat stattfinden würde, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Abend im ZDF. „Aber es ist genauso klar, dass die Familie dazu das letzte Wort hat.“

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat sich unterdessen hinter den Vorstoß von Juncker gestellt. „Ich kann das nachvollziehen, dass Jean-Claude Juncker über die Idee nachdenkt, diesen großen Europäer in dieser Form zu ehren“, sagte Schulz am Sonntag am Rande der Vorstellung seines Buchs „Was mir wichtig ist“ in Berlin.

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In einem Gespräch über sein Buch würdigte Schulz den Altkanzler als „Jahrhundertgestalt“ mit „großen historischen Verdiensten“ um die europäische Einigung. Zwar habe er Kohl als junger Politiker noch abgelehnt. Doch: „Je länger ich in der Europapolitik tätig war, desto mehr wurde mir bewusst, was für ein großer Mann das war“, sagte Schulz, der von 2012 bis 2017 Präsident des Europaparlaments war.

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