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16.07.2015

11:42 Uhr

Abschlussbericht MH17

Malaysia Airlines trifft offenbar Mitschuld

Am 17. Juli vor einem Jahr stürzt die Passagiermaschine MH17 über der Ostukraine ab. Jetzt haben Ermittler neue Spuren: Das Flugzeug ist demnach von einer russischen Bodenluftrakete abgeschossen worden.

Warnungen des BND

Flug MH17: Wusste die Bundesregierung von der Gefahr?

Warnungen des BND: Flug MH17: Wusste die Bundesregierung von der Gefahr?

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DüsseldorfKnapp ein Jahr nach dem Absturz der Malaysia Airlines Maschine MH17 ist die Schuldfrage immer noch ungeklärt. Alle 298 Menschen an Bord der Boeing 777 waren ums Leben gekommen. Jetzt hat der Fernsehsender CNN erste Informationen aus dem Abschlussbericht niederländischer Ermittler veröffentlicht.

Die Ermittler sehen noch immer prorussische Rebellen in der Verantwortung. Die Bodenluftrakete vom Typ Buk soll demnach aus einem Dorf im Osten der Ukraine abgefeuert worden sein. Dieses war zu jenem Zeitpunkt unter der Kontrolle prorussischer Rebellen. „Wir kommen stichhaltigen und überzeugenden Beweisen immer näher“, sagte Oberstaatsanwalt Fred Westerbeke in Rotterdam. Im Visier sei eine „Gruppe von Tätern“. Bisher gelten abgehörte Gespräche pro-russischer Rebellen über den Einsatz einer Buk-Rakete als wichtigste Hinweise.

Flugzeugtragödien asiatischer Airlines

4. Februar 2015: Transasia Airways GE235

Eine von der Fluggesellschaft Transasia Airways betriebene Turboprop-Maschine vom Typ ATR 72-600 neigt sich in der Luft zur Seite, trifft eine Hochstraße und ein Taxi und stürzt in einen Fluss. An Bord befinden sich 58 Menschen, mindestens 19 kommen ums Leben. Das Flugzeug verunglückt kurz nach dem Start vom Taipeher Sungshan-Flughafen auf dem Weg zur Inselgruppe Kinmen. Die meisten Passagiere stammen vom chinesischen Festland.

28. Dezember 2014: Air Asia QZ8501

Ein Flugzeug der Billigfluggesellschaft Air Asia stürzt auf dem Weg von der indonesischen Stadt Surabaya nach Singapur in die Javasee. An Bord befinden sich 162 Menschen, von denen bis Anfang Februar 90 geborgen werden.

Der Kontakt zu dem Airbus A320-200 mit mehrheitlich indonesischen Passagieren an Bord war rund 42 Minuten nach dem Start abgebrochen. Der Pilot hatte sich zuvor um Erlaubnis bemüht, in größere Flughöhe aufzusteigen. Ermittler sagen, die Maschine sei in einen gefährlich schnellen Aufstieg gegangen, was zu einem Strömungsabriss (englisch: Stall) geführt haben könnte, der zum Absturz führte. Sie untersuchen, ob Turbulenzen oder Aufwind zu dem drastischen Aufstieg beigetragen haben.

23. Juli 2014: Transasia Airways GE222

Eine Turboprop-Maschine der Transasia Airways stürzt in Häuser auf der Insel Penghu, westlich der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh, als sie einen zweiten Landeversuch unternimmt. Vier Besatzungsmitglieder und 44 Passagiere an Bord der ATR 72-500 kommen ums Leben. Zehn Passagiere überleben das Unglück. Zum Zeitpunkt des Absturzes herrschen starker Regen und schlechte Sichtverhältnisse.

17. Juli 2014: Malaysia Airlines MH17

Eine Boeing 777 der Fluggesellschaft Malaysia Airlines wird über einer von prorussischen Separatisten gehaltenen Gegend in der Ostukraine abgeschossen. Alle 298 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord kommen ums Leben, die meisten davon niederländische Staatsbürger.

Die Maschine war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Nach Angaben niederländischer Ermittler wurde das Flugzeug wahrscheinlich von mehreren „mit hoher Energie betriebenen Objekten“ getroffen. Wie die niederländische Polizei sagt, wurde die Passagiermaschine wahrscheinlich von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen. Die prorussischen Rebellen in der Ostukraine bestreiten eine Verwicklung in den Absturz.

8. März 2014: Malaysia Airlines MH370

Das Verschwinden von Flug MH370 gehört zu den größten Rätseln der modernen Luftfahrt. Es wird davon ausgegangen, dass die Boeing 777 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking vor der Küste von Westaustralien in den Indischen Ozean stürzte. An Bord befinden sich 239 Menschen. Bis heute sind bei der Suche im Meer keine konkreten Hinweise auf den Verbleib der Maschine gefunden worden.

Die Behörden haben einen Terrorakt als Ursache für den Absturz zwar ausgeschlossen, doch bleiben Verschwörungstheorien weiter bestehen. Malaysia Airlines hat inzwischen offiziell erklärt, dass MH370 abgestürzt sei und vom Tod aller Passagiere ausgegangen werde. Dadurch können Angehörige der Opfer Entschädigungen beantragen.

Allerdings ist umstritten, ob die Rebellen tatsächlich zum fraglichen Zeitpunkt die mobile Rakete lanciert hatten. Westliche Staaten und auch die Ukraine hatten Russland für den Abschuss mitverantwortlich gemacht. Moskau und die Rebellen hatten dagegen die Ukraine als Schuldigen angewiesen. Entscheidende Antworten werden von der technischen Untersuchung erwartet. Der niederländische Sicherheitsrat will seinen Abschlussbericht im Oktober veröffentlichen.

Der Bericht kommt offenbar auch zu dem Schluss, dass Malaysia Airlines eine Mitschuld an dem Unglück trägt. Zum Zeitpunkt des Unglücks umflogen andere Fluggesellschaften den Luftraum über dem Kampfgebiet in der Ukraine. Malaysia Airlines jedoch änderte seinen Kurs nicht.

Die Opfer kommen aus zehn Ländern, 196 sind Niederländer. Den Angehörigen und seinem zutiefst schockierten Land versprach der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte: „Wir werden alles tun, um die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Wir werden jeden Stein umdrehen.“ Dieses Versprechen ist ein Jahr später nicht eingelöst. Mehr noch: Die Schuldzuweisungen beider Seiten haben den militärischen Konflikt in der Ukraine und neue Ost-West-Spannungen weiter verschärft.

Seither legen viele Seiten Dokumente vor. Telefonmitschnitte, Zeugenaussagen, Radarbilder und Satellitenfotos. Sie belegen vor allem eins: Niemand will es gewesen sein. Komplott-Theorien und Spekulationen werden zusätzlich genährt, da der niederländische Sicherheitsrat – der die Untersuchung leitet – noch immer nicht seinen Abschlussbericht veröffentlichte. Russland sieht dies als Zeichen, dass da etwas vertuscht werden soll.

Der Sicherheitsrat, der nun im Oktober seinen Bericht vorlegen will, soll vor allem Antworten geben. Experten können mit der Analyse der Trümmer, Fotos, der Aufnahmen von Satelliten, Radarbildern und der Daten der Flugschreiber sehr weit kommen.

Schwieriger sind dagegen die strafrechtlichen Ermittlungen, die ebenfalls unter Leitung der Niederlande stehen. Die Frage ist, ob die Ermittler tatsächlich alle Beweismittel erhalten. Vieles ist in Händen der Geheimdienste in Russland, den USA und der Ukraine.

Kommentare (7)

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Herr Marc Otto

16.07.2015, 12:11 Uhr

So lange die Inhalte der Black Box nicht frei gegeben werden, sollte man einfach davon ausgehen, dass man uns belügt.

Herr Ulrich Hilß

16.07.2015, 12:27 Uhr

dann warten Sie doch erstmal den Abschlußbericht ab, bevor Sie hier rumsepekulieren.

Herr Renatus Isenberg

16.07.2015, 12:42 Uhr

Der Flugzeugabschuss ist eine traurige Angelegenheit, die aber keine langfristigen Folgen für uns Bürger hat. Wir alle hoffen, dass diese Vorfälle helfen, weniger Katastrophen in Zukunft zu haben. Mit dem Vorwurf der Lüge von links und rechts kann ich mich nicht anfreunden.
Da muss ich z.B. daran denken, dass Merkel uns doch ausdrücklich vor ihrer Wahl sagte: mit mir wird es keine Mehrwertsteuererhöhung geben, keine Maut geben, keinen Schuldenschnitt geben, und Griechenland zahlt seine Schulden bis auf den letzten Cent zurück. Ich halte diese Aussagen für tatsächliche Lügen, unter denen wir Jahrzehnte zu leiden haben werden. Jedoch über den Absturz weiss man bisher nichts genaues.

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