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15.06.2014

09:23 Uhr

Abschuss eines Flugzeugs

Trauer und Drohungen im Ukraine-Konflikt

In der Ukraine ist der Sonntag ein Tag der Trauer. Durch den Abschuss einer Militärmaschine sind 49 Menschen getötet worden. Das sorgte weltweit für Bestürzung. Präsident Poroschenko muss den Gasstreit mit Russland lösen.

Der neue ukrainische Präsident Petro Poroschenko nennt den Flugzeugabschuss einen „zynischen terroristischen Akt, der unbedingt bestraft werden wird“. Reuters

Der neue ukrainische Präsident Petro Poroschenko nennt den Flugzeugabschuss einen „zynischen terroristischen Akt, der unbedingt bestraft werden wird“.

Lugansk/KiewNach dem Abschuss eines Militärflugzeugs gedenkt die Ukraine heute der 49 Opfer. Separatisten hatten die Transportmaschine beim Landemanöver auf den Flughafen der östlichen Stadt Lugansk angegriffen. Es ist der schwerste Schlag für die ukrainische Armee seit Beginn ihrer „Anti-Terror-Offensive“ gegen Aufständische Mitte April.

Der Angriff sorgte weltweit für Bestürzung. Vor der russischen Botschaft in Kiew kam es am Samstagabend zu Ausschreitungen. Demonstranten warfen der Regierung in Moskau vor, die Verantwortung für die Gewalt in der Ostukraine zu tragen. Das russische Außenministerium verurteilte die Proteste.

Nach Armee-Angaben hatten die Aufständischen die Transportmaschine vom Typ Iljuschin IL-76 in der Nacht zum Samstag beim Landemanöver auf den Lugansker Flughafen mit Raketen angegriffen. Ex-Verteidigungsminister Anatoli Grizenko zufolge waren 40 Fallschirmjäger einer Luftlandebrigade aus Dnjepropetrowsk sowie neun Mann Besatzung an Bord. Das Flugzeug sei in etwa 700 Metern Höhe von Geschossen aus dem Raketenwerfer „Igla“ (Nadel) getroffen worden.

Der eskalierende Machtkampf in der Ostukraine

Nach dem Sturz...

... der moskautreuen Führung in Kiew und dem Anschluss der Krim an Russland ist der Konflikt um die mehrheitlich russischsprachige Ostukraine eskaliert.

Erste Ausschreitungen...

... gibt es am 6. April. Bei Demonstrationen in der Ostukraine gibt es massive Ausschreitungen. Moskautreue Aktivisten besetzen Verwaltungsgebäude in den Millionenstädten Charkow und Donezk.

Die Besetzer...

... fordern am 7. April erstmalig Referenden über eine Abspaltung der Ostukraine von Kiew und rufen eine souveräne Volksrepublik aus. In weiteren Orten werden Gebäude besetzt.

Ein „Anti-Terror-Einsatz“...

... am 13. April gegen Separatisten in Slawjansk fordert Tote und Verletzte. In Charkow werden bei Zusammenstößen von Gegnern und Anhängern einer Annäherung an Russland Dutzende verletzt.

Barack Obama...

... telefoniert am 14. April mit Kremlchef Wladimir Putin. Der US-Präsident äußert sich darin besorgt darüber, dass Moskau die prorussischen Separatisten unterstütze. Putin bestreitet eine Einmischung.

Ein Friedensplan...

... wird am 18. April bei einem internationalen Treffen in Genf beschlossen. Wichtigster Punkt: Die Separatisten sollen die Waffen niederlegen und besetzte Gebäude räumen.

Mit Panzern und Hubschraubern...

... gehen Regierungstruppen am 24. April bei Slawjansk gegen Separatisten vor. Putin verurteilte den Einsatz der ukrainischen Armee als „sehr ernstes Verbrechen“, das „Folgen“ für die Regierung in Kiew haben werde.

Militärbeobachter der OSZE...

... werden am 25. April von Separatisten in deren Gewalt gebracht, darunter sind vier Deutsche. In Slawjansk beschuldigt der örtliche Separatistenführer Wjatscheslaw Ponomarjow die Gruppe der Spionage.

Zurschaustellung der Geiseln...

...am 27. April. Die OSZE-Geiseln werden von Ponomarjow der Presse vorgeführt. Sie sollen gegen inhaftierte Separatisten ausgetauscht werden.

Neue Sanktionen...

... gegen Moskau verhängen die EU und die USA am 28. April aus Verärgerung über das Vorgehen Russlands gegen Moskau. Am selben Tag wird in Charkow der Bürgermeister durch einen Schuss schwer verletzt. Auf dem Militärflugplatz Kramatorsk beschießen Unbekannte Regierungseinheiten.

Die prorussischen Militanten...

... besetzen 30. April in Lugansk und Gorlowka weitere Gebäude. In Kiew räumt Übergangspräsident Alexander Turtschinow ein, die Kontrolle über Teile des Landes verloren zu haben.

Der Gegenschlag...

... von Kiew erfolgt am 2. Mai. Truppen der ukrainischen Armee, der Nationalgarde und des Innenministeriums gehen in Slawjansk und Kramatorsk massiv gegen die Separatisten vor.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko drohte den Aufständischen mit Vergeltung. Der Abschuss sei ein „zynischer terroristischer Akt, der unbedingt bestraft werden wird“. Für Montag berief Poroschenko den nationalen Sicherheitsrat ein. Er wolle bei der Sitzung einen Friedensplan vorstellen. „Wir werden hart und gezielt durchgreifen“, sagte der prowestliche Staatschef.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier forderte, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. „Jeder, der solche Taten begeht oder gutheißt, disqualifiziert sich für einen Dialog“, sagte Steinmeier der Zeitung „Die Welt“.

Die Separatisten wollen die Region von der Ukraine abspalten. Sie lehnen den prowestlichen Kurs der Regierung in Kiew ab und streben einen Beitritt zu Russland an - nach dem Vorbild der Halbinsel Krim. Die Aufständischen halten auch mehrere OSZE-Beobachter gefangen.

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