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24.12.2014

17:04 Uhr

Abschuss von Kampfjet

IS-Miliz nimmt Koalitions-Piloten als Geisel

Der Terrormiliz IS ist es erstmals gelungen, in Syrien einen Kampfjet der Koalition abzuschießen. Ein jordanischer Pilot befindet sich nun in der Gewalt der Dschihadisten. Im Netz posieren sie mit ihrer Geisel.

Die Terrormiliz Islamischer Staat veröffentlichte ein Bild des gefangenen jordanischen Piloten inmitten von IS-Kämpfern. AFP

Die Terrormiliz Islamischer Staat veröffentlichte ein Bild des gefangenen jordanischen Piloten inmitten von IS-Kämpfern.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat in Syrien erstmals einen Kampfjet der US-geführten internationalen Koalition abgeschossen. Bei dem Flugzeug handele es sich um einen Jet der jordanischen Armee, bestätigte ein jordanischer Regierungssprecher dem Fernsehsender Al-Arabija am Mittwoch. Der Pilot habe den Absturz über der nordsyrischen Stadt Al-Rakka zwar überlebt, befinde sich jedoch nun in Gewalt von IS-Kämpfern. Zugleich wurden bei mehreren schweren Anschlägen in und um Bagdad laut Medien mindestens 49 Menschen getötet.

Die IS-Miliz veröffentlichte im Kurzmitteilungsdienst Twitter ein Foto des Dienstausweises ihrer Geisel. Demnach handelt es sich bei dem jordanischen Piloten um einen 26-jährigen Oberleutnant. Auch Fotos der von mehreren IS-Kämpfern umringten Geisel lud die Miliz im Internet hoch.

Selbstmordanschlag im Irak mit vielen Toten

Die jordanische Nachrichtenagentur Petra bestätigte am Mittwochnachmittag die Identität der Geisel. Der Oberleutnant habe zuvor gemeinsam mit anderen jordanischen Piloten Angriffe gegen IS-Stellungen geflogen. Jordanien beteiligt sich außer den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Bahrain an den von den USA koordinierten Luftschlägen gegen den IS in Syrien.

Al-Rakka gilt als Hochburg der IS-Miliz in Syrien. Die sunnitischen Extremisten haben in Syrien und im Nachbarland Irak je rund ein Drittel Fläche unter ihre Kontrolle gebracht und ein „Kalifat“ ausgerufen. Sie tyrannisieren religiöse Minderheiten und gehen mit aller Härte gegen jede Form von Widerstand vor.

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Armeestützpunkt im Süden Bagdads starben nach Angaben der irakischen Nachrichtenseite „Al-Sumaria News“ am Mittwoch 43 Menschen, 61 wurden verletzt. Der Anschlag sei zum Morgenappell erfolgt, zitierte „Al-Sumaria News“ eine Polizeiquelle.

Radikale Islamisten: Kampf im Namen Gottes

„Gotteskrieg“

In vielen muslimisch geprägten Staaten bestimmen radikalislamische Gruppierungen unterschiedlicher Ausprägung oft im Verbund mit dem jahrelang dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida zunehmend das politische Geschehen. Instabile und korrupte Regierungen werden der Lage vielerorts nicht mehr Herr, während die selbst ernannten Gotteskrieger sich ausbreiten und Vermögen anhäufen.
Quelle: afp

Syrien

Der Staat wurde seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011 mehr und mehr zum Tummelplatz radikaler Islamisten. Im daraus entstandenen Bürgerkrieg sind mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Kämpfer ebenso aktiv wie die libanesische Hizbollah-Miliz und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis). Wer an welcher Stelle gegen wen kämpft, ist vielfach kaum zu durchschauen.

Irak

In dem Land, das vielen Beobachtern nach langjährigem US-Engagement zuletzt als leidlich stabil galt, zeigte sich in den vergangenen Tagen, über welche enormen Mittel Isis verfügt. Innerhalb weniger Tage eroberten die Dschihadisten weite Gebiete im Norden des Landes und rückten auf die Hauptstadt Bagdad vor. Inzwischen wurden sie zwar gestoppt. Isis könnte aber angesichts eines geschätzten Milliardenvermögens noch lange durchhalten.

Libyen

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 kommt in dem Land vor allem der Osten nicht zur Ruhe. Radikalislamische Gruppen wie die Ansar-al-Scharia-Miliz kämpfen dort gegen Regierungstruppen - und seit einiger Zeit auch gegen Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die Islamisten auf eigene Faust bekämpft.

Ägypten

In dem Land haben sowohl die Hamas als auch die Hizbollah Verbündete. Zudem greifen auf der Sinai-Halbinsel und in Großstädten Dschihadisten immer wieder Sicherheitskräfte an. An den neuen Staats- und Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der die Muslimbruderschaft seines Vorgängers Mohammed Mursi verbieten ließ, richtet sich die Erwartung, dass nun vorerst wieder Ruhe einkehrt.

Nigeria

Im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft die Gruppe Boko Haram für einen islamistischen Staat. Bei zahllosen Anschlägen auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen wurden seit dem Jahr 2009 tausende Menschen getötet. Für internationale Empörung sorgte zuletzt vor allem die Entführung von fast 300 Schülerinnen durch Boko Haram im April.

Somalia

In dem Bürgerkriegsland führt die Shebab-Miliz seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Auch im benachbarten Kenia, dessen Armee sich am Kampf gegen die Shebab beteiligt, häufen sich Anschläge der Islamisten. Sie bekannten sich etwa zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mit 67 Toten im September und erst am Montag zu dem Angriff auf den Küstenort Mpeketoni mit 49 Todesopfern.

Pakistan

Vor allem in der unwegsamen Bergregion im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan sorgt die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für Angst und Schrecken. Zuletzt griffen TTP-Kämpfer den Flughafen in der südlichen Metropole Karachi an und töteten 38 Menschen. Die Armee startete daraufhin eine Großoffensive gegen Stellungen von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern.

Afghanistan

Seit der Entmachtung der dort herrschenden Taliban im Herbst 2001 sind in dem Land ausländische Soldaten unter Nato-Führung stationiert. Regelmäßig verüben die Islamisten dennoch blutige Anschläge mit vielen Toten. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, danach soll es Unterstützungsmissionen geben. Viele Beobachter zweifeln allerdings an langfristiger Stabilität für das Land.

Allgemein

In der Region sorgen vor allem die Palästinenserorganisation Hamas und die Hizbollah für Unruhe, die allerdings nicht als klassische Terrororganisationen zu betrachten sind, sondern als politische Gruppen mit handfesten territorialen Interessen. Die Hamas wurde in als von internationalen Beobachtern recht freien Wahlen im Gaza-Streifen stärkste Kraft, wurde aber international nicht anerkannt. In der jüngsten Bildung einer Einheitsregierung sieht Israel einen neuen Schlag für die Friedensgespräche. Die vom Libanon aus agierende schiitische und mutmaßlich vom Iran finanzierte Hizbollah bedroht dort das multireligiöse politische System.

Zuvor hatten Kämpfer der IS-Miliz am Morgen im 50 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Bakuba an zwei Stellen Sprengsätze gezündet. Drei kurdische Peschmerga-Kämpfer und drei Zivilisten seien getötet worden, sagte ein irakischer Sicherheitsbeamter der Deutschen Presse-Agentur. Bei anschließenden Gefechten seien 18 IS-Kämpfer getötet worden.

In Bagdad forderte der irakische Ministerpräsidenten Haider al-Abadi in einer Weihnachtsansprache die irakischen Christen auf, trotz Verfolgung durch Islamisten im Land zu bleiben. Sie seien wertvolle „Brüder für den Aufbau des Iraks“, sagte Al-Abadi. Weihnachten stehe in diesem Jahr im Schatten des IS, der versuche, „die Gesellschaft und das friedliche Miteinander im Irak zu zerreißen“.

Der Irak beherbergte eine der ältesten christlichen Gemeinden der Welt. Rund 1,2 Millionen Christen lebten 2003 noch in dem arabischen Land, heute sollen es 500 000 sein. Kirchen in der Hauptstadt Bagdad verzichten laut Medien in diesem Jahr auf festliche Dekoration. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden aus Angst vor Anschlägen verschärft.

Von

dpa

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