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16.01.2006

09:09 Uhr

Absolute Mehrheit verfehlt

Finnlands Präsidentin Halonen muss in Stichwahl

Die finnische Präsidentin Tarja Halonen hat bei der ersten Runde der Präsidentenwahl am Sonntag die meisten Stimmen geholt, die nötige absolute Mehrheit jedoch verfehlt. Deswegen muss sie in einer Stichwahl gegen einen konservativen Herausforderer antreten.

Taja Halonen. Foto: dpa dpa

Taja Halonen. Foto: dpa

HB HELSINKI. Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen entfielen auf Halonen 46,5 Prozent, auf den ehemaligen Finanzminister Sauli Niinisto von der konservativen Partei 24,0 Prozent. Ministerpräsident Matti Vanhanen, dessen Zentrumspartei die Regierungskoalition anführt, kam demnach auf 18,7 Prozent und wurde Dritter. Fünf weitere Kandidaten blieben mit ihrem Anteil unter zehn Prozent.

Von den rund 4,3 Millionen Wahlberechtigten nahmen 74 Prozent an der Abstimmung teil. Nur mit einem Ergebnis von mehr als 50 Prozent wäre Halonen bereits in der ersten Runde bestätigt worden. Die 62-Jährige ist die erste Frau an der Spitze des skandinavischen Staates.

Halonen bezeichnete ihr Ergebnis als einen guten Ausgangspunkt für die Stichwahl. „Wenn die Zahlen so bleiben, dann ist das eine Pole-Position“, sagte sie in Anspielung auf den Platz in der ersten Startreihe bei Autorennen. Auch Niinisto zeigte sich erfreut über sein Ergebnis und sagte: „Es ist auch ganz gut, von einer Position weiter hinten im Feld zu starten.“ Er wirft Halonen vor, die Probleme des Landes nicht ausreichend anzupacken. Angesichts einer schnell alternden Bevölkerung stünden harte Entscheidungen über Steuern, Subventionen und die Gestaltung des Wohlfahrtsstaates an.

Halonens erste sechsjährige Amtszeit fiel in eine Periode wirtschaftlichen Wachstums in Finnland. Obwohl die Arbeitslosigkeit bei mehr als acht Prozent liegt, ist die Wirtschaft sehr wettbewerbsstark mit einem besonderen Fokus auf Hochtechnologie.

Die Präsidentin war als klare Favoritin in das Rennen gegangen. Sie wird von Vahanens Sozialdemokraten unterstützt sowie von einem oppositionellen Links-Bündnis und der größten Gewerkschaft des Landes. Ihre Popularität reichte aber weit über die Parteigrenzen hinaus und wird dabei besonders auch für ihre Nähe zum Volk gelobt. Halonen geht selbst einkaufen und zeigt auch auf internationaler Ebene mütterliche Instinkte - etwa als sie US-Präsident George W. Bush während eines Gipfels die Krawatte gerade zog.

Die Befugnisse des Staatsoberhaupts - das nur einmal wiedergewählt werden kann - waren mit Beginn der Amtszeit Halonens beschränkt worden. Sie entscheidet in Abstimmung mit der Regierung über die Außenpolitik und ist Oberbefehlshaberin über die Streitkräfte. Finnland war 1906 das erste Land, das ein passives Wahlrecht für Frauen einführte. Das aktive Wahlrecht für Frauen gab es zuerst für neuseeländische Frauen, und zwar 1893.

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