Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2005

16:50 Uhr

Absperrungen und Gewalt

Irak-Wahl wirft Schatten voraus

In Vorbereitung auf die ersten freien Wahlen im Irak haben irakische Polizisten und Soldaten die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft.

Irakische Sicherheitskräfte vor Wahlplakaten an einer Wand. Foto: dpa

Irakische Sicherheitskräfte vor Wahlplakaten an einer Wand. Foto: dpa

HB BAGDAD. Die Grenzen des Landes wurden am Freitagmorgen geschlossen und die Reisefreiheit innerhalb des Landes eingeschränkt. Zudem verhängten die Behörden eine Ausgangssperre. Dennoch kam es zu neuer Gewalt: Im Süden von Bagdad detonierte eine Autobombe in der Nähe einer Polizeiwache und tötete vier Zivilisten. Unterdessen konnten im Ausland bereits die ersten Exiliraker ihre Stimmen abgeben, darunter auch die rund 26 500 Wahlberechtigten in Deutschland. Die erste freie Wahl in dem Golfstaat seit Jahrzehnten gilt als Meilenstein auf dem Weg zur Demokratisierung des Landes.

In den meisten Städten des Landes wurde eine Ausgangssperre zwischen 19.00 Uhr und 06.00 Uhr verhängt. Vor Beginn der Ausgangssperre eilten zahlreiche Iraker in die Geschäfte, um sich noch mit Lebensmitteln einzudecken. Vor den Bäckereien bildeten sich lange Schlangen, in den Supermarkten waren die Regale fast leer. „Morgen auf die Straße zu gehen wird gefährlich sein“, sagte ein 45-jähriger Iraker, der sich in eine Schlange vor einer Bäckerei eingereiht hatte. „Ich will nicht erschossen werden, bloß weil ich Brot kaufen wollte.“

Die Wahl dient der Bildung einer Nationalversammlung mit 275 Abgeordneten, die eine neue Verfassung ausarbeiten soll. Als Favorit gilt ein Wahlbündnis um den schiitischen Geistlichen Ajatollah Ali al-Sistani. Mit rund 60 % stellen die Schiiten die Bevölkerungsmehrheit im Irak. Sie wurden unter Saddam Hussein von den Sunniten unterdrückt.

Die Aufständischen im Irak hatten die Bevölkerung zum Wahlboykott aufgerufen und mit Anschlägen auf Wahllokale gedroht. Der Al-Kaida-Extremist Abu Mussab al-Sarkaui erklärte den demokratischen Kräften im Irak den Krieg. Die Wahl sei eine Verschwörung der USA und der schiitischen Moslems.

In den vergangenen Wochen gerieten zumeist irakische Sicherheitskräfte ins Visier der Aufständischen, die ihnen Kollaboration mit den US-Truppen im Land vorwerfen. Kurz nach dem Anschlag auf die Polizeiwache am Freitag detonierte eine weitere Bombe in der Nähe einer Bagdader Schule, die als Wahllokal dienen sollte. Seit Mittwoch kamen bei Anschlägen von Aufständischen mindestens 48 Iraker und sieben US-Soldaten ums Leben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×